Die Odyssee (Christopher Nolan, 2026)

Wer hätte gedacht, dass ein Film über die Irrfahrten des Odysseus ein so großer Kinoerfolg werden würde? Nicht nur, dass der Stoff von Homer stammt und uralt ist, sondern auch dass es bereits unzählige gute Verfilmungen davon gibt. Was zeichnet die Neuverfilmung von Christopher Nolan aus dem Jahr 2026 aus, dass dieser Film von Anfang an die Massen in die Kinos lockte und bereits 1,1 Milliarden Dollar eingespielt hat?


Ein Held, der kein Held mehr ist

Odysseus´ Geschichte dürfte vielen bekannt sein. Er, der nicht wegen der schönen Helena in den Krieg ziehen wollte, wird dann doch in die Schrecknisse hineingezogen. Er muss seine geliebte Penelope (Anne Hethaway) und seinen Sohn Telemachos (Tom Holland) zurücklassen und zehn lange Jahre mit dem Heer der Griechen vor Troja ausharren. Nur durch seine List, das Trojanische Pferd, kann es eingenommen und zerstört werden.

Am Beginn steckt das riesige Holzpferd im Sand fest, die Griechen hätten es als Gastgeschenk für Athene zurückgelassen, versichert ihnen der herbeigeeilte Sinon (Elliott Paige) glaubhaft. Der Bote wird dafür geopfert, durchbohrt von zwei Speeren.

Vor- und Rückblenden erzählen den Beginn und Verlauf des Trojanischen Krieges, das Geschehen um Penelope im Palast in der Heimat und die beschwerliche Rückreise von Odysseus. Sie zeigen die vielen Opfer seiner „List“ und die Folgen seiner Hybris. Odysseus wird ihnen im Lauf seiner zehnjährigen Irrfahrt begegnen und im Reich der Toten mit ihrer Verbitterung konfrontiert werden. Besonders Sinon wirft ihm in dieser düsteren Landschaft seinen Verrat vor. Odysseus´ Reise zurück ins Heimatland ist eine Reise in die Abgründe seiner Seele. In Rückblenden sieht er sich immer wieder blutverschmiert auf einer Treppe in Troja sitzen, den Wahnsinn des Schlachtens und der Zerstörung betrachtend, den er entfacht hat.

Deswegen verweilt er sieben lange Jahre bei Kalypso (Charlize Theron), eingehüllt in eine Drogenwelt aus Lotusblüten, um seiner Schuld nicht ins Auge blicken zu müssen. Nach und nach kehren die Erinnerungen zurück.

Die Irrfahrt als Sühneopfer

Die Fahrt zurück nach Ithaka wird sich in die Länge ziehen und den trojanischen Helden klein und wehmütig machen. Er wird vielen Hindernissen und Monstern begegnen. Da er den menschenessenden Sohn des Poseidon, den Riesen Polyphem blendet, hat er einen mächtigen Gegner, den Meeresgott Poseidon. Sturm und Flauten, Meeresungeheuer und -strudel zeigen Odysseus, dass sein Ego hier wenig gefragt ist. Hunger treibt die Gefährten zur Zauberin Kirke (großartig gespielt von Samantha Morton), die sie in Schweine verwandelt, weil sie sich wie solche benehmen. Nur Odysseus darf den Gesang der Sirenen hören, der ihn fast in den Wahnsinn treibt und sein Gebrüll ist so verzweifelt, dass es nun in vielen Mimes zu hören ist. Und als Odysseus´ Männer, um nicht zu verhungern, die Rinder des Helios schlachten, ist ihr Schicksal besiegelt. Nur Odysseus wird die Stürme und Abenteuer überleben und als zerlumpter Bettler in die Heimat zurückkehren, wo ihn die gierigen Freier (besonders fies Robert Pattinson) erwarten. Der Showdown kann beginnen.

Warum Matt Damon den Film trägt

Der Verfilmung wird vieles vorgeworfen: die Crème de la Crème von Hollywood, englische Alltagsprache, keine griechischen Schaupieler, Götter und Sexszenen, eine schwarze Helena (Lupita Nyongó), Vikingerschiffe und falsche Kostüme und vieles mehr. Den Erfolg des Films scheint dies eher zu beflügeln.

Denn der Plot erhält eine zeitgemäße Deutung, die Musik unterlegt das Geschehen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, die Kamera (der erste Film, der durchgehend mit einer IMAX- Kamera gedreht wurde), ermöglicht das Eintauchen in das Geschehen, aber die Figur des Odysseus (Matt Damon) überwiegt alles.

So muskulös er ist, wirkt er wie ein antiker Held und könnte zum neuen Superhelden hochstilisiert werden. Er ist es nicht, denn er zeigt sich unsicher, verletzlich und zerrissen wie kein anderer Odysseus zuvor. Er ist nicht stolz auf seine Taten und prahlt nicht, sondern kehrt geläutert und reumütig in seine Heimat zurück. Nur logisch ist das Ende des Films. Nur Matt Damon konnte diesen gebrochenen, ausgezehrten Odysseus spielen.

Um es grob zusammenzufassen: Was auch immer über den Film gesagt werden kann, er bietet ein großartiges Kinoerlebnis, das nicht versäumt werden soll.

Downsizing

Wie könnte man ein Leben in Luxus leben und darüber hinaus noch die Erde vor Überbevölkerung retten? Durch Downsizing! So geschehen in dem Film von Alexander Payne, der uns von der großen in eine winzig kleine Welt führt, in der dies möglich ist. Ressourcen würden geschont und Reichtum sei für alle möglich, so die Heilsversprechungen aus dem Werbefernsehen. Das Verfahren wurde von norwegischen Wissenschaftlern erfunden und immer mehr Menschen wagen die Verkleinerung: Auch Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig) aus Omaha lassen sich von dem Siedlungsprojekt „Leisureland“ mitreißen und beginnen die Prozedur der Verkleinerung, die bereits wie auf dem Fließband funktioniert. Aus dem untersetzten, gutmütigen Paul wird ein 12 Zentimeter Winzling, der froh ist, dass er nach dem Aufwachen seine Männlichkeit noch vorfindet. Aber nicht mehr seine Frau, die bei der Kopfrasur kalte Füße bekommen hat und zurück in der großen Welt geblieben ist. Was nun anfangen mit der großen Villa und dem ersehnten Reichtum? In der großen Welt hatte er einen Job als Physiotherapeut in einer Fleischfabrik, der ihn einigermaßen erfüllte. Jetzt muss er in einem trostlosen Callcenter arbeiten. Nichts ist so, wie er es sich vorgestellt hatte. Die schönen Frauen sind vergeben, übrig bleiben die Alleinerzieherinnen und die wollen sich auch nicht so recht auf einen langweiligen Mann einlassen. Trostlosigkeit und Einsamkeit machen sich breit, die er nur durch violette Pillen auf Partys bei seinem Ganovennachbarn Dusan (Christoph Waltz) kurz vergessen kann. Aber der Kater am nächsten Tag ist vorprogrammiert und nüchtern, als ein Putztrupp über die devastierte Wohnung hereinbricht, entdeckt er, dass es noch eine verborgene Welt im verheißenen Paradies gibt, verkörpert durch die aus Vietnam geflohene Ngoc Lan (Hong Chau). So erfährt er, dass Downsizing auch seine Schattenseiten haben kann. Auch hier in „Leisureland“ ist der amerikanische Traum nur an der Oberfläche sichtbar, aufwachen sollte man lieber nicht.

Man erwartet nicht viel von einem Film mit dem Titel „Downsizing“, jedoch von Regisseur Payne um einiges mehr. Obwohl dieser zehn Jahre an dem Drehbuch gearbeitet haben soll, entpuppt es sich nicht, sondern bleibt in bekannten Themen stecken, enthält zu viele Klischees von einer Welt, die dem Untergang entgegensteuert. Nur die SchauspielerInnen verleihen dem Film Würze und Geschmack. Allen voran Matt Damon, der seiner Mittelmäßigkeit entkommen will und in dieser steckenbleibt. Seine Verlorenheit in der großen und kleinen Welt der Wünsche wird von Mat Damon großartig gespielt. Sein Nachbar Dusan, der es mit Drogen und Partys versucht, kann ihm nicht zu mehr Glück und Sinn verhelfen. Christoph Waltz mit seinem serbischen Akzent geht ganz in seiner Rolle als abgeklärter Schwarzhändler auf. Und erst recht die vietnamesische Widerstandkämpferin Ngoc Lan, die zeigt, wohin die Reise führen wird. Hon Chau gelingen berührende Szenen, die Jung und Alt zu Tränen rühren, zusammen mit schönen Landschaften, ergibt das einen Film, der auch Sie, lieber Leser / liebe Leserin, unterhalten wird. Nicht mehr und auch nicht weniger.