Now is better: „Rose“ (Markus Schleinzer, 2026)

Stefan Sagmeisters Motto lautet: „Now is better“. Wer würde dem heute nicht widersprechen? Ich musste daran denken, als ich gestern das Grazer Kino verließ. Der Film „Rose“ wurde hauptsächlich von Frauenpärchen besucht und während des Abspanns herrschte langes, tiefes Schweigen im Saal. Auch ich war mitgenommen. Denn es ist keine ermutigende Geschichte aus früheren Zeiten, die uns der österreichische Regisseur Markus Schleinzer erzählt.

Rose steht ihren Mann

Nach 10 Jahren als Soldat im 30-jährigen Krieg ist Roses Gesicht durch eine Kugel verunstaltet. Um die Narbe und ihre weibliche Identität zu verbergen, trägt sie stets einen breitkrempigen Hut. Wir erfahren gleich am Anfang von einem Erzähler, der ihre Geschichte begleitet, dass sie eine Betrügerin ist. Sie erhebt in einem Dorf Anspruch auf ein unrechtmäßiges Erbe: ein Stück Grund mit zerfallenen Gehöften. Die Dorfbewohner begegnen ihr zunächst mit Misstrauen, aber sie ist intelligent, mutig und geschäftstüchtig. Innerhalb kurzer Zeit bringt sie ihr Land zum Blühen, unterstützt von Knechten und Mägden, und möchte ihren Besitz erweitern. Um einen Bach erwerben zu können, muss sie die älteste Tochter des Besitzers, Suzanna (Caro Braun), heiraten. Langsam wachsen die beiden zusammen. Durch einen fatalen Bienenstich kommt die Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Ein Leben in Schwarz-Weiß

Der Film wurde in Schwarz-Weiß gedreht, das die harten Arbeits- und Lebensbedingungen im 17. Jahrhundert nüchtern einfängt. Das Glück der Menschen ist abhängig von der Natur und der Dorfgemeinschaft. Erstere zeigt seine Gewalt in Form von gewaltigen Regengüssen, die ein Fortkommen mit dem Mitgiftwagen verunmöglichen und wilden Bären, die den Menschen bedrohlich nahekommen.

Zweitere zeigt sich in strengen protestantischen Verhaltensnormen, die von der Gemeinschaft erwartet und unerbittlich seitens des Gesetzes durchgesetzt werden. Der sonntägliche Kirchenbesuch ist obligatorisch, die Kirchenbänke dicht besetzt. Einem Leben, das diese Normen durchbricht, wird radikal der Prozess gemacht. Rose wird bei der Anhörung gefragt, warum sie sich als Mann ausgab, und ihre Antwort ist entwaffnend ehrlich. Sie wollte freier leben, sie hatte gehofft, in Männerhosen mehr Möglichkeiten zu haben.

Frau und Mann zugleich

Sandra Hüller gewann für ihre Rolle als Rose bei der Berlinale den Silbernen Bären. Der Film lebt von ihrem Können. Obwohl ersichtlich ist, dass Rose eine Frau ist – breite Hüften, weibliche Stimme – geht, spricht und handelt sie in der Öffentlichkeit wie ein Mann. Im Privaten zeigt sie sich fürsorglich und einfühlsam. Ohne diese Wandlungsfähigkeit von Sandra Hüller, die sowohl einen dominanten Mann als auch eine verwundbare Frau verkörpern kann, würde dieser Film nicht so sehr unter die Haut gehen.

Der Film wertet nicht, kühl und distanziert wird diese Geschichte aus einer früheren Zeit erzählt. Eine Frau sucht nach Möglichkeiten für ein erfülltes Leben, das die damalige Zeit ihr nicht bietet. Damals wie heute geht es um Identität und Selbstbestimmung. Aber so viel kann man doch sagen: „Now is better“, unsere Gesellschaft ist bunter geworden.

Das Fazit

In diesem Sinne ist dieser „schreckliche“ Film aus der Mitte des 17. Jahrhunderts über eine starke Frau, die an der Kirche und der Moral ihrer Zeit scheitert, ein wahrer Hoffnungsträger für unsere Zeit.