Wenn Arm auf Reich trifft

Wieder einmal befinden wir uns in Südkorea, wo Arm und Reich aufeinandertreffen und ihr Dasein neu ausverhandeln. Der Film „Parasite“ handelt davon, er hat über zehn Millionen Zuschauer dort ins Kino gelockt und in Cannes die Goldene Palme gewonnen. Was hat der Regisseur Bong Joon-ho, der berühmt durch „Snowpiercer“ und „Okja“ wurde, uns zu berichten?

Die vierköpfige Familie Kim wohnt in einer beengten, zugemüllten Kellerwohnung in Seoul, sie besteht aus Vater Ki-taek, Mutter Chung-sook  und den zwei erwachsenen Kindern,  TKi-woo und Ki-jung. Die Eltern sind arbeitslos, die vier halten  sich mit dem Zusammenfalten von Pizzakartons gerade noch über Wasser. Der kärgliche Lohn wird mit Bier und einem wieder funktionierenden Internet gefeiert. Eigentlich könnte man sagen, es geht ihnen gut, sie sind fröhlich, haben zu essen und mögen einander.  Als der Sohn Nachhilfelehrer im reichen Haushalt der Parks wird, wittern sie ihren Aufstieg in die über der Stadt liegende Villengegend. Mit List und Intrigen werden sie die früheren Hausangestellten los und nach und nach alle Familienmitglieder eingeschleust. Der Vater als Fahrer, die Mutter als Haushälterin, die Schwester als Zeichenlehrerin für den verhaltensauffälligen Sohn. Nun können auch sie vom Kuchen mitnaschen, so denken sie und machen sich daran, das Geld umzuverteilen. Als die Parks auf Campingurlaub fahren, nisten sie sich in der kühlen Architektenvilla ein, bevölkern den getrimmten Rasen und trinken die Whiskeyvorräte leer. Gerade ihren Triumph feiernd, steht die ehemalige Haushälterin vor der Tür und bittet um Einlass,  denn sie habe im Keller etwas Wichtiges vergessen. Die dahinplätschernde Komödie nimmt von nun an eine Wendung ins Horrorgenre.

Die Kamera folgt der Geschichte der armen Kims, denen wir einige Sympathie für ihr skupelloses Handeln entgegenbringen. Die Reichen haben es sowieso schön und sie sind nicht einmal böse oder gemein zu ihren Angestellten. Mr. Park hat den Aufstieg aus eigenem Antrieb geschafft, seine Frau ist lieb, naiv und besorgt um ihre Kinder. Aber die Parks definieren genau die Grenzen. Ihre Luxusvilla ist von hohen Mauern umgeben, in ihr ist alles streng arrangiert und sehr, sehr edel. Die Kims können sich schön kleiden, selbstbewusst und clever auftreten, aber eines können sie nach Ansicht des Hausherrn nicht verbergen: ihren Stallgeruch. Der Geruch der ärmlichen Wohnverhältnisse im Souterrain hat sich ihnen eingegraben und markiert ihr Revier. Damit wollen die Parks nichts zu tun haben, sie dulden zwar ihre Bedienstete im Haus, solange sie ihnen dienen und alles tun, was die Herrschaft anordnet. Als die Kims Gefallen am Reichtum finden, stehen ihnen andere im Weg, die ebenfalls ihren Platz im Trockenen und an der Sonne einnehmen wollen. Mit dem sintflutartigen Regen, der die Vertreibung aus dem Paradies einleitet, spitzen sich die Ereignisse zu.

Mündet der Film in Trostlosigkeit über die Klassenverhältnisse im modernen Korea? Wenn man sich von der Macht des Geldes verführen lässt, vielleicht ja. Der Sohn sinniert am Ende, wie er reich werden könnte.  Durch den Besuch einer koreanischen Eliteuniversität, durch eine reiche Heirat? Beides schließt der Film aus. Aber: Die Armen könnten weiterhin Luftschlösser bauen, sich im Keller verstecken, an eine rosige Zukunft glauben, solange, bis sich die Kellertüre öffnet und der Kampf ums Überleben aufs Neue beginnt. Es sei denn …

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