Ab Dezember bis zum Jahresende wird wieder gevotet werden: seien es die besten Filme oder die besten Serien, einer oder eine wird zum Sieger des Jahres gekürt werden. Heute möchte ich Ihnen meine Favoriten des Jahres vorstellen. Von mir ins Rennen werden folgende Serien geschickt:
„Handmaid`s Tale“ (Saison 2 und 3), die seit dem Erscheinen der ersten Staffel 2017 viele in den Bann gezogen haben und in eine dystopische Zukunft entführen.
„Undone“, die mit Rotoskopie animierte Dramady-Fernsehserie, in der die Heldin nach einem Unfall fähig ist, in die Vergangenheit zu reisen.
„One Mississippi“ mit Stand-Up-Comedien Tig Notaro, die in der Serie ihre Lebensgeschichte erzählt.
Über „Handmaid`s Tale“ ist schon soviel geschrieben worden, dass ein weiterer Beitrag nicht wirklich mehr notwendig ist. Sollten Sie „Undone“ noch nicht gesehen haben, dann nehmen Sie sich die Zeit, da selbst die „Time“ die Serie zur „perfekten Sci-Fi-Serie für 2019“ ernannt hat, ein ästhetisches Vergnügen der ganz neuen Art, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten.
„One Mississippi“ ist möglicherweise in unseren Breiten noch nicht so bekannt, verdient aber besonders in Tagen wie diesen mehr Aufmerksamkeit. Nicht nur, weil die Serie im heißen Süden der USA spielt, und allein das bunte Treiben in New Orleans einem die grauen Tage in Wien erhellen lässt, sondern auch wegen der Charaktere, die dem wirklichen Leben entsprungen sind. Und es scheint allen in der Phase, in der sie wieder aufeinander treffen, nicht gut zu gehen. Tig (Tig Notaro) ist nach einer Brustkrebserkrankung knapp dem Tode entkommen, aber noch sichtlich geschwächt an Leib und Seele. Sie reist in ihre Heimatstadt, um ihrer im Koma liegenden Mutter beizustehen, bevor die Atmungsmaschine abgedreht wird. Ihr esssüchtiger Bruder Remy (Noah Harpster) ist Geschichtslehrer und Single, der mit seinem neurotischen Stiefvater Bill (John Rothman) in einem Haus lebt. Beide machen sich in der Sterbenacht aus dem Krankenhaus davon und kehren nicht wieder zurück. Damit beginnt für Tig eine sehr schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, die in das Dunkle und Abgründige ihrer Familie führt.
Was ihre Geschichte so sehenswert macht, ist, dass in all der Trauer und Verzweiflung über die Widrigkeiten des Lebens viel Humor steckt. Das Leben meinte es nicht gut mit ihr, es gäbe viel Anlass, sich zu bemitleiden und gehen zu lassen. Aber sie weicht ihren Ängsten nicht aus, sondern tut, was jeden Tag getan werden muss. Essen, Kontakte erneuern, ausgehen und arbeiten. So versucht sie wieder auf die Beine zu kommen. In einer Radioshow erzählt sie mehr und mehr Episoden aus ihrer Vergangenheit, die so wahr und schrecklich klingen, dass die Sendung alle Werbeeinnahmen verliert, weil das Publikum dies nicht hören will. Sie steht offen zu ihrer Homosexualität, obwohl diese im konservativen Süden von vielen noch weitgehend vor der Öffentlichkeit versteckt wird. Und als sie sich dann wieder (unglücklich) verliebt, werden ihre Gefühle so intensiv gelebt, dass ich auf Wikipedia nachschauen musste, ob diese Liebe tatsächlich existiert.
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