Einst berühmte Namen wie Pier Paolo Pasolini, Luchino Visconti, Omar Sharif, Aristoteles Onassis, sind heute in Vergessenheit geraten, den Namen Maria Callas kennen noch viele. Sie ist eine Ikone, die ihre Zeit überlebt hat. Die Gründe dafür können in dem Film „Maria By Callas“ von Tom Volf erforscht werden. Er zeigt uns die Weltkarriere und die tragische Liebesgeschichte der Sopranistin, erzählt von Maria Callas selbst. Im Mittelpunkt steht ein TV-Interview, das David Frost 1970 mit ihr geführt hat, private Foto- und Videoaufnahmen, Aufzeichnungen von Auftritten und Briefe, die von Eva Mattes gelesen werden, gewähren Einblicke in das Leben und Denken einer Primadonna, das nicht widersprüchlicher hätte sein können.
Um das Ganze auf einen Nenner zu bringen: Maria Callas war eine schöne und elegante Frau, eine Jahrhundertsängerin, wie sie ein junger Fan bezeichnet. Und sie wollte geliebt werden, zuerst von ihrem Publikum, und später von dem milliardenschweren griechischen Reeder Aristoteles Onassis, mit dem sie neuneinhalb Jahre eine Beziehung führt und von dessen Hochzeit mit der amerikanischen Präsidentenwitwe Jackie Kennedy sie erst über die Presse erfährt. Sie nennt ihn einen Mistkerl, den sie aber, als er todkrank bei ihr anklopft, wieder in ihre Pariser Wohnung aufnimmt.
Sie ist bereits ein gefeierter Star, verheiratet, als sie Onassis auf einer Kreuzfahrt kennenlernt. Für ihn wird sie die amerikanische Staatsbürgerschaft aufgeben, damit er sie nach einer Gesetzesänderung in Griechenland heiraten kann. Für ihn gibt sie das Singen auf, weil sie sich schon immer sehnlichst eine Familie gewünscht hat. Eine Karriere und Familie gehe nicht zusammen, stellt sie lapidar fest. Nie ist sie glücklicher als in den Aufnahmen, die sie braungebrannt mit ihm auf seiner Luxusjacht am Meer und schönen Häusern an Land verbringt. Als die Beziehung abrupt zu Ende geht, ist sie eine gebrochene Frau, die auch ihre einzigartige Stimme verloren hat. Sie versucht sich als Schauspielerin in Pasolinis „Medea“ und hofft auf weitere Rollen, die nicht eintreffen. Sie wagt ein Comeback an der Metropolitan Opera New York, deren Direktor sie Jahre zuvor wegen künstlerischer Differenzen entlassen hatte. Dort wird sie zwar frenetisch gefeiert, ihre Selbstzweifel haben sich aber schon tief in ihre Stimme eingegraben. War sie einst das Liebkind der Presse, bekommt sie nun fast nur böse Kritiken, die sie tief verletzen. Aber sie scheut keine Konflikte und wird deshalb auch „fauchende Tigerin“ genannt.
Man sieht sie an vielen Flughäfen und Opernhäusern ankommen, gehetzt und einsam, immer von Massen bejubelt und von neugierigen Reportern bedrängt. Oft hat man Angst um sie, weil ihr die Reporter körperlich zu nahekommen. Ist sie einmal auf der Bühne, ist sie frei. Die Originalaufnahmen zeigen sie als charismatische Sängerin und Schauspielerin. Man glaubt ihr jede Rolle, sie ist Manon, Tosca oder Norma. Das Publikum liegt ihr zu Füßen, sie ist die Primadonna, die aber sehr zerbrechlich wirkt. Fast grotesk erscheinen ihre langen, knochigen Finger, die ihr Leiden umso mehr offenbaren. Das ist ihre Stärke, das macht sie unsterblich. Bis heute, auch im Kinosaal wagt niemand einen Atemzug.
Die Dokumentation zeigt uns Nachgeborenen die Wirkung der Sängerin, die schon mit 53 Jahren an gebrochenem Herzen gestorben ist und lässt uns eintauchen in eine Welt, in der Interviews mit Weltstars ehrlich und völlig unbefangen geführt wurden. Dazu braucht es keinen Erzählerkommentar. Allein das zu sehen ist, lohnt einen Kinobesuch in der Hitze der Stadt. Nicht nur für Klassik-Fans, aber diesen herzlichst empfohlen.