Koreanische Filme rücken auch bei uns immer mehr ins Blickfeld, bilden sie doch nicht nur aktuelle Strömungen der dortigen Gesellschaft ab. Seien es nun Blockbuster ab dem Beginn des neuen Jahrtausends, die sich mit dem Verhältnis zu Nordkorea auseinandersetzen, so Park Chan-wooks Grenzssoldatendrama Joint Security Area (2000) oder der Kinohit Snowpiercer (2013) und nun ein Film über Frauenliebe.
Die Taschendiebin, die in Korea mehr als vier Millionen Besucher ins Kino zog, spielt in den dreißiger Jahren, als Japan noch Besatzungsmacht war. Die reiche Erbin Hideko, die ihrem Onkel versprochen ist, soll nach dem Plan einer Ganovenbande mit dem Grafen Fujiwara verheiratet werden, um an ihr Geld zu kommen und sie dann ins Irrenhaus zu stecken. Dieser ist jedoch kein japanischer Adeliger, sondern ein koreanischer Hochstapler. Um den Boden für den Coup vorzubereiten, wird die Taschendiebin Sookee in das Haus der reichen Erbin geschickt. Dort verliebt sie sich in ihre schöne Herrin und beginnt eine Beziehung mit ihr. Das prächtige Anwesen wird jedoch von dem sadistischen Onkel beherrscht, der seine Nichte von klein auf mittels Todesdrohungen und brutalster Gewalt so sehr eingeschüchtert hat, dass sie es nicht mehr wagt, gegen ihn aufzubegehren. Das junge Dienstmädchen sieht das Leid und nimmt sich mit der pragmatischer Entschlossenheit einer Liebenden ihrer an. Zunächst aber weiß sie nicht, dass auch sie nur ein Rädchen in einem ausgeklügelten Plan ist. Langsam offenbart sich dieser, als die Geschichte aus der Perspektive von Hideko erzählt wird. Im dritten Teil findet das Verwirrspiel um Täuschung und Verrat aus der Perspektive des falschen Grafen seine Auflösung.
Die Wirklichkeit ist eine andere, als sie erzählt wird. Der Großteil des Films zeigt ein besetztes Korea, das von männlicher Gewalt und Ausbeutung beherrscht wird. Die Frauen scheinen nur schöne Dienerinnen und Lieferantinnen für deren Machtfantasien zu sein. Opfer und Täterin zugleich: Hideko muss alten Adeligen erotische Literatur vorlesen und für höchste Lustfantasien zur Verfügung stehen. In dieses berechnende Spiel von Macht und Unterdrückung dringt Liebe und Begehren ein. Und so kann es passieren, dass die Fäden des Schicksals in die Hand genommen werden und die beiden Frauen ihr eigenes Netz zu spinnen beginnen. Klug, berechnend und so radikal, dass sie auch vor einem Mord nicht zurückschrecken. Um frei von alten Werten und Traditionen zu werden, braucht es ein Intrigenspiel höchster Qualität.
Der Film beeindruckt durch wunderschöne Bilder aus einer vergangenen Welt. Schon lange wurde die Schönheit von Frauen nicht so sinnlich eingefangen und zelebriert. Die lesbischen Liebesszenen entstammen aber einem männlichen Blick, bei dem man sich als Frau im Kino nicht wohl in seiner Haut fühlt.
„Die Taschendiebin“ ist ein Film über eine grausame Zeit, die die Liebe zweier Frauen überwinden kann. Dem Film fehlt es jedoch an Glaubwürdigkeit, weil er zu schön und zu bemüht geraten ist. Dann doch besser noch einmal Joint Security Area sehen. Dieser Film geht dann wirklich unter die Haut.