Maudie

Der Film  „Maudie“ zeigt  poetische Bilder von Landschaften, Tieren, Pflanzen  und Menschen. Gezeichnet in naiver Malerei von einer schwer an Arthritis leidenden Frau, die durch sie ihre Welterfahrung ausdrückt. Es ist eine wahre Geschichte, die mit eindrucksvollen Aufnahmen aus Neufundland erzählt wird: Die Lebensgeschichte der kanadischen Volkskünstlerin Maud Lewis (1903 – 1970), die von der irischen Regisseurin Aisling Walsh berührend verfilmt wurde.

Schon als junge Frau ist Maud (Sally Hawkins) von ihrer Krankheit schwer gezeichnet. Sie tut sich schwer bei Gehen, hinkt, ihr Rücken ist gekrümmt, ist schon gar kein Mensch, dem man etwas zutraut. Ihre Familie, bestehend aus Tante und Bruder, nimmt ihr vorerst alles, was ihr Leben lebenswert gemacht hätte. Ihr Elternhaus wird verkauft und ihr Neugeborenes ebenso. Man gewährt ihr ein kleines Zimmer im Haus der Tante, die sie schikaniert und bevormundet. Als sie eines Tages zufällig in einem Laden ist, tritt Everett (Ethan Hawke) ein, der eine Haushälterin sucht. Sie schnappt sich seine Anzeige und macht sich auf den Weg zu seinem ärmlichen Haus in der Einöde. Er will sie nicht haben, ist grantig, beschimpft und misshandelt sie, aber sie hält aus Mangel an Alternativen durch. Nach und nach durchdringt sie die raue Schale Everetts, indem sie Farben und Wärme in die Holzhütte bringt. Sie bemalt die Wände mit Tulpen, Vögeln, Katzen und Bäumen.  Nachdem ihre Kunst von einer New Yorkerin entdeckt wurde, verkauft sie immer mehr ihrer kleinformatigen Bilder, sogar an Präsident Nixon. Everett heiratet sie, er kümmert sich liebevoll um sie, während sie am Fenster sitzt und malt. Sogar das Fernsehen wird auf sie aufmerksam und dreht einen Bericht. Ihre Bilder, die sie um fünf Dollar verkaufte, erreichen heute Erträge in einem fünfstelligen Bereich.

„Maudie“ ist ein wunderschöner Film über eine behinderte Frau, die ihr Glück  selbst in die Hand  nimmt. Durch ihre Art, die Welt zu sehen, gewinnt sie unser Mitgefühl und das ihres Mannes. Sie drückt ihre Liebe zu Mensch und  Natur in ihren Bildern aus, ihr Kampfgeist ist voller Humor und von Sally Hawkins großartig gespielt.

Im Nachspann sieht man Originalaufnahmen von Maud und Everett Lewis. Beide wirken glücklich und blicken verschmitzt in die Kamera. Das kleine Haus wurde original nachgebaut und dort wurde auch gedreht. Die Enge und Trostlosigkeit eines Frauenlebens kann man durch Malerei und den Glauben an sich überwinden, ist die Botschaft des Filmes, aber es braucht dazu Menschen und eine inspirierende Landschaft. Daraus kann dann einer der schönsten Liebesfilme der Jahres werden und wahrscheinlich der Oskar für die beste Schauspielerin des Jahres.

Maggies Plan

Regie: Rebecca Miller

Eigentlich mag ich New York nicht. Es ist mir zu geschäftig und viel zu groß. Immer wenn die Stadt jedoch in Filmen auftaucht, begeistert sie mich. Denn es sind meist gute Geschichten, die uns von dort erreichen. Auch „Maggies Plan“ gehört dazu.

Dabei ist die Handlung nicht allzu spektakulär: Die junge New Yorker Dozentin Maggie hat einen Kinderwunsch, den sie sich auch ohne Partner erfüllen will. Auf der Suche nach dem geeigneten Samenspender kommt ihr ein Studienkollege (einst Mathematikgenie, jetzt aufstrebender Gurkenfabrikant) in den Sinn, der bereitwillig seinen Samen zur Verfügung stellt. Während der Vorbereitungen verliebt sie sich in den unglücklich verheirateten Anthrologieprofessor John. Cut: Drei Jahre später sind die beiden verheiratet und haben eine Tochter. John gibt sich ganz dem Schreiben seines ersten Romans hin, dabei wird er tatkräftig von seiner jungen Frau unterstützt. Maggie hat nun nicht nur für ihn und das gemeinsame Kind, sondern meist auch für die beiden halbwüchsigen Kinder aus erster Ehe zu sorgen. Immer mehr kommen ihr die Gefühle für John abhanden, und sie entwickelt einen Plan, denn ihr Motto lautet: „I want to live honestly“.

Greta Gerwig als Maggie würde man gerne noch länger begleiten, sie ist natürlich schön, pragmatisch und hellsichtig, was ihr eigenes Glück betrifft. Ich war hingerissen, wie sehr sie Maggie ist, bodenständig, mit Wollrock und gelben Kniestrümpfen, braver Frisur und Beschützerinstinkt. Ethan Hawke als John spielt genau den Mann, den wir schon in „Boyhood“ kennengelernt haben, unreif, schwach und auf Frauen angewiesen, die ihm zeigen, wo`s langgeht. Seine Ex-Frau Georgette (Julianne Moore) hat trotz Egoismus und Neurosen Qualitäten, die er nicht missen will. Sie ist Uni-Professorin, Dänin, eine messerscharfe Intellektuelle, die schicke Designerkleidung trägt, die roten Haare streng hochgeknotet. Das Spiel zwischen Gerwig und Moore zeigt, dass beide wohl zu den besten Schauspielerinnen zu zählen sind, die es derzeit gibt.

Man verfolgt mit viel Leichtigkeit die Irrungen und Wirrungen der Liebe und ist am Ende froh darüber, dass alles märchenhaft bei Sonnenschein mit einer Überraschung endet.

„Maggies Plan“ ist eine Komödie, die ohne Ratschläge für ein geglücktes Leben auskommt. Leicht zu konsumieren, mit schrägen New Yorkern, die uns an ihrem Leben teilhaben lassen und wegen der Bilder von New York und Greta Gerwig für kalte Jahreszeiten wärmstens zu empfehlen.

©a.achilles 2016