Isabelle Huppert, 63 Jahre alt, spielt in „Elle“ eine erfolgreiche Unternehmerin einer Game-Produktionsfirma. Als sie eines Nachmittags in ihrem Haus auf das Brutalste vergewaltigt wird, kehrt sie die Scherben zusammen, legt sich ins Schaumbad und und mischt das Blut, das aus ihrer Scheide an die Oberfläche dringt, sanft mit dem Wasser. Sie lebt weiter wie bisher, erzählt ihren Freunden bei einem Abendessen beiläufig von dem Vorfall. Sie hat die Tat nicht einmal angezeigt.
Den Grund dafür erklärt sie mit ihrer Vergangenheit. Sie legt sich mit der Axt schlafen, lernt schießen und stellt Verdächtigen nach. Und erwartet jeden Moment einen weiteren Überfall, denn der Täter schickt ihr anonyme Botschaften per Handy und dringt in ihr Haus ein, um seine Samenspuren zu hinterlassen. Er will Angst und das Gefühl völliger Schutzlosigkeit verbreiten. Wenn sie in das leere Haus zurückkehrt, lauert die Gefahr in jeder Ecke. Und sie kehrt täglich dorthin zurück. Sie schläft weiterhin alleine in ihrem Bett, mit der Axt neben sich. Sie erwartet ihren Vergewaltiger.
Und dann geschieht es wieder: Diesmal kann sich sich wehren und dem Angreifer die Skimütze vom Kopf reißen. Nun kennt sie den Täter.
Alles geht weiter wie bisher. Keine Anzeige, wieder bleibt sie alleine im Haus, geht den Routinen des Lebens ohne viel Emotionen nach. Sie trifft ihren Ex-Mann mit dessen junger Freundin, betreut ihren Sohn, der von seiner Freundin ausgenutzt wird, trifft harte Entscheidungen in ihrer Firma, die aus jungen Männern besteht, hat eine Affaire mit dem Mann ihrer besten Freundin, feiert mit den Nachbarn und der Familie Weihnachten. Kühl und selbstbewusst begegnet sie dabei ihrem Peiniger. Die Bedrohung wird Alltag, sie nimmt sie hin. Man schaut dem Ganzen fassungslos zu und begreift diese schöne, zierliche Frau nicht.
Wir jedoch befinden uns in höchster Alarmstufe und bangen jede Sekunde um ihr Leben. Wir sehen sie am Fenster stehen und warten, schrecken zusammen, wenn er hereinbricht und ihr Gewalt antut.
Die Aussage des Filmes ist verstörend, es gibt keine Gewissheiten mehr, keine Moral, alles ist möglich geworden zwischen Mann und Frau.
Braucht man als erfolgreiche Frau eine Drachenhaut, um in dieser Welt zu überleben, Mister Verhoeven?