Faszination Feuer: Burning

Der Film von dem in Cannes ausgezeichneten Regisseur Chang-dong Lee spielt in Seoul und in der Nähe der Grenze zu Nordkorea, die von nordkoreanischer Propaganda beschallt wird. Er handelt von drei jungen Südkoreanern, ihren brennenden Sehnsüchten und Widrigkeiten in einer Welt, die auch die unsrige sein könnte.

Die Hauptfigur ist Jong-Su, der auf dem Land an der Grenze lebt, Schriftsteller werden möchte und sich in seine ehemalige Klassenkameradin Nae-mi verliebt. Seine Angebetete ist nach einer Schönheitsoperation sehr schön geworden, die beiden verbringen eine Liebesnacht in ihrer unaufgeräumten Wohnung mit Blick auf den Fernsehturm, danach reist sie nach Afrika ab und überträgt ihm die Fürsorge für ihre Katze. Als er sie am Flughafen wieder abholt, ist sie in Begleitung des gutaussehenden reichen Ben. Die drei verbringen immer mehr Zeit miteinander und Jong-Su muss erkennen, dass Ben in einer viel höheren Liga spielt, zu der er keinen Zutritt hat. Zudem eröffnet ihm dieser sein Geheimnis: er liebe es alle zwei Monate Gewächshäuser in Brand zu setzen. Dies setzt in Jong-Su eine Aufwärtsspirale von Paranoia in Gang, der auch wir uns nicht entziehen können.

Warum wurde der Film von der Kritik in Cannes so frenetisch gefeiert? Erst einmal durch den Stoff, einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami. Eine Dreiecksgeschichte, die zunehmend außer Kontrolle gerät, erzählt wird sie aus der Perspektive des schwächsten Gliedes, des arbeitslosen Jong-Su. Die Gewissheiten lösen sich zunehmend auf, die Fantasie gewinnt zunehmend an Fahrt. Bald weiß man nicht mehr, was Realität ist oder Einbildung.  Die Welt gerät, je verworrener die Ereignisse werden, zunehmend aus den Fugen, die Ängste kommen an die Oberfläche und verbrennen diese. Tiere und Menschen verwinden, Vergangenheit kann nicht mehr erschlossen werden, da die Erinnerungen verloren gegangen sind. Dem reichen Ben, von dem niemand weiß, wie er zu seinem Geld gekommen ist, liegen die schönsten Frauen zu Füßen, er kann sich nehmen, was er will. Seine Welt ist eine Anhäufung von Luxus und Feiern, von Schönheit, aber auch rascher Langeweile. Um sich lebendig zu fühlen, braucht es einen besonderen Kick. Die schöne Hae-mi leidet an Geldmangel und Melancholie. Auch wenn sie ausgelassen halbnackt im Abendrot tanzt und den Vogelflug imitiert, bricht sie kurze Zeit später an Weltschmerz und seelischer Erschöpfung zusammen. Und Jung-su ist nur ein Beobachter und Getriebener dieser Szene, der von niemandem gesehen oder gehört wird. Er ist ein Ausgestoßener, findet keine Arbeit und auch sein Roman keinen Stoff. Alle seine Fragen werden nicht oder widersprüchlich beantwortet, weit und breit ist niemand, der sich seiner annimmt und ihn auffängt.

Möglicherweise kann man dies als die große Kunst des Regisseurs bezeichnen: In jeder Phase des Filmes, sei es durch die Schauspieler, die Kamera, die Musik wird schmerzlich festgehalten, was die große Tragödie dieser jungen Menschen ist. Nichts ist beständig, es gibt keinen Verlass auf das ewige Glück, auf Liebe, Familie und Tradition, die Gesellschaft teilt sich scharf in Reiche und Arme, die nichts gemeinsam haben.

Obwohl der schöne Schein zu überwiegen scheint, ist darunter das Feuer verborgen, das jederzeit zum Ausbruch drängt. Aus welchen Gründen auch immer.