Die Angst geht um in Amerika: Texas 13. 2 – 1. 3. 2025

Als ich nach zweieinhalb Wochen Amerika bei klarem Sternenhimmel im Salzkammergut ankam, erwartete mich Dunkelheit, Schnee und Kälte. Als ich Houston am frühen Nachmittag des Vortages verlassen hatte, gab es sommerliche 27 Grad, der Rasen und die Blumen mussten bereits bewässert werden. Was hatte ich dort erlebt und was ist aus dem „Trumpland“ zu berichten? Hier einige wenige Eindrücke:


Fährt man mit offenen Augen und Ohren durch Texas, so scheint alles seinen normalen Gang zu nehmen. Auf den löchrigen Autobahnen rasen Menschen in zerbeulten Trucks in den Tod, in den Supermärkten wird eingekauft, als ob eine Hungersnot drohe, die Regale sind zu jeder Tageszeit bestens bestückt, nur an Eiern scheint es wegen des Ausbruchs der Vogelgrippe zu mangeln. Die teuren Restaurants und Bars sind immer ausgebucht, Menschenschlangen am Eingang und freundliche Kellnerinnen signalisieren, dass ein gemütliches Verweilen nicht erwünscht ist.
Auch die Oper von Houston war ausverkauft, sie empfing die Besucher beschwingt in der Lobby mit einer elegant gekleideten Sängerin samt Klavierspieler, die Gäste hatten sich in Ballkleidung herausgeputzt, waren aber ein bisschen weniger schick als bei uns. In der „WestsideStory“ wurde hervorragend getanzt und gesungen, kein Vergleich zur vielgelobten Volksopernproduktion, die einem nun leblos und inhaltsleer vorkam. Der tosende Schlussapplaus war schnell vorbei, denn alle hasteten hinaus, vorbei an Dutzenden von Obdachlosen, die in den Straßen und Unterführungen rund um die Oper ihr trauriges Nachtquartier aufgeschlagen hatten. Nicht nur hier werden wir daran erinnert, dass es auch ein Amerika der völligen Armut gibt.

Gemeindezentrum Alief

Natürlich wurde wieder dem NeighborhoodCenter von Alief in Houston ein Besuch abgestattet. Ein modernes Gebäude mit weitläufigem Park und Schwimmbad, mit vielen Sportmöglichkeiten und Fortbildungskursen, ganz von der Gemeinde finanziert und völlig kostenlos. Jung und Alt trifft sich hier, die Jungen draußen, um Fußball, Basketball oder Tennis (Pickleball) zu spielen, die älteren Semester drinnen, um zu Tanz-, Qi Gong-, Golden Crane oder Fortbildungskursen zu eilen oder den Valentinstag in Festkleidung ausgelassen zu feiern. Für die ärmeren Mitglieder der Gemeinde gibt es auch ein freies Mittagessen. Eine riesige Turnhalle mit einem bestens ausgestatteten Fitnesscenter steht all denen zur Verfügung, die sich an die Hausregeln halten, dafür sorgt ein allgegenwärtiger stämmiger Security mit Waffe.

Im oberen Stockwerk lockt eine futuristische Bibliothek und ein bestens ausgestatteter Computerraum mit vielfältigem Programm vom Mystery Book Club bis zum 3D Printer Workshop. Interessant wird sein, ob dieses Center die vielen Budgetkürzungen, die derzeit überall in den USA in Windeseile durchgezogen werden, überleben wird. Ja, die Angst vor steigenden Preisen und drohender Arbeitslosigkeit habe ich in Gesprächen immer wieder vernommen. Das Department of Education bietet einmalig 15 000 Dollar bei freiwilliger Kündigung an, 4 Milliarden Dollar sollen bei der Finanzierung von Forschung und Universitäten eingespart werden, vom Stopp der US-Auslandshilfen und deren Auswirkungen ganz zu schweigen, mit denen u. a. im vergangenen Jahr weltweit 1,1 Milliarden Kinder geimpft werden konnten.

Austin

Also auf nach Austin, auf den Campus der Universität von Texas. Hier werden nur 5 Prozent der besten AbsolventInnen der Schulen Texas aufgenommen und die Konkurrenz um die Aufnahme ist gnadenlos. Hat man es jedoch an die UT Austin geschafft, dann befindet man sich in bester Gesellschaft. Tausende stark motivierte junge Menschen gehen gut gelaunt von einer Vorlesung zur nächsten, fast alle schlank und rank in Sportbekleidung, denn es gibt am Campus ein umfassendes Fitnessprogramm den ganzen Tag über, ein Zentrum für mentale Gesundheit, das die StudentInnen bei Krisen unterstützt und wenn sich eine Studentin nachts nicht nach Hause traut, kann sie ein Golf Cart samt Fahrer anfordern.
Am Beginn des Campus steht das Blanton Museum of Art, von hier geht man die „Yellow Brick Road“, auch „Speedway“ genannt, hinauf zu den einzelnen Fakultäten, vorbei an vielen Ständen, die für alles Mögliche Werbung machen. Hier bietet sich die Möglichkeit, Haustiere zu streicheln, mehr über LGBTQ mit dem markigen Slogan „Join us in hell“ zu erfahren oder einer christlichen Organisation beizutreten. Der Geist des jugendlichen Aufbruchs ist so stark zu spüren, dass man sich wünscht, man könnte dort sofort zu studieren anfangen.

Vom Campus aus kann man durch großangelegte Parks in die Lyndon Baines Johnson Library § Museum gehen, ein monumentales Gebäude, in dem alles Wissenswerte über US-Präsident Lyndon B. Johnson und seine Zeit zu erfahren ist. Hier ist sein Originalbüro aus dem Oval Office zu sehen und hätte man Zeit, würde man alle Gesetze studieren, die er auf den Weg gebracht hat. Hat man noch Lust das Wirken seiner Frau Lady Bird Johnson zu erkunden, dann fahre man in den Botanic Garden of Texas, der die Besucher über die Vegetation von Texas aufklärt und dem Naturschutz dient. Im Park treffen wir auf eine Schulklasse, die einer Höhle entsteigt und dann auf den Weg ist, um zur Quelle nach Barton Springs zu fahren. Auch in Texas wird von engagierten BiologInnen Schulkindern die Wichtigkeit von Umwelt- und Wasserschutz vermittelt.
Wer nun genug über Savannen und Pflanzen in Texas weiß, kann sich auf einen der vielen Wanderwege unweit der Hauptstadt begeben. Sehr empfehlenswert und ähnlich den Wiener Stadtwanderwegen mit Blick auf eine wunderschöne Stadt.

Angela Merkel: Freiheit. Erinnerungen 1954 – 2021

Man hört sie auch in Österreich: die vielen Kritiker an der ersten Frau, die in Deutschland 16 Jahre lang Kanzlerin war. Im Nachhinein haben es alle besser gewusst. „Mutti“, wie sie von manchen abschätzig genannt wurde, zeige wenig Selbstkritik in Bezug auf ihre Zeit als Regierungschefin: beim überstürzten Atomausstieg, bei ihrem Nein eines schnellen NATO-Beitritts der Ukraine und Georgiens, bei ihrer Russland- und Flüchtlingspolitik, vom Versagen für den Klimaschutz und in der Pandemie ganz zu schweigen. Wer fundierte Einblicke in die Person und Politik von Angela Merkel gewinnen möchte, sollte ihr Buch „Freiheit“ lesen, das sie mit ihrer langjährigen Beraterin Beate Bauman verfasst hat: über 700 Seiten lang, in dem sie sich u.a. mit diesen Themen auseinandersetzt und ihre Entscheidungen ausführlich erklärt.

„Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren“


Wer Angela Merkels Kraft und Resilienz verstehen will, erfährt im ersten Drittel des Buches anschaulich über ihre Kindheit, Jugend und die ersten Jahre als Physikerin in der DDR. Und in der Tat, ist dieser Abschnitt von Erfahrungen und Erlebnissen geprägt, die ihrer steilen Karriere im wiedervereinten Deutschland geholfen haben. Als Pfarrerstocher im Waldhof in Templin glücklich aufgewachsen, musste sie einige Benachteiligungen in Kauf nehmen. Sie darf in der Schule nicht am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen, nicht auf Freizeiten mitfahren etc. Sie ist fleißig und ehrgeizig, gewinnt Wettbewerbe in Russisch, studiert Physik, promoviert, arbeitet an der Akademie der Wissenschaften, weiß aber, dass sie als kirchlich Gebundene niemals eine Lehrtätigkeit an einer Universität bekommen werde. Um im autoritären System der DDR zu überleben, arrangiert sie sich mit der Macht, ohne ihre Unbekümmertheit zu verlieren. Auch sie wird vom Staatssicherheitsdienst angeworben, sie könne aber nichts für sich behalten, haben ihr ihre Eltern früh eingebläut und sie ist Hausbesetzerin am Prenzlauer Berg nach ihrer Scheidung.

Die Erste: Ich“

Als Angela Merkel 35 Jahre alt ist, kommt der Mauerfall, sie ist jung, tatendurstig und engagiert sich in der Politik, zunächst im Demokratischen Aufbruch und innerhalb eines Jahrzehnts erfolgt ihr steiler Aufstieg in der CDU. Sie ist eine der drei Frauen, die 1991 nach der Wiedervereinigung einen Ministerposten bekommt, zunächst für Frauen und Jugend, 1994 wird sie Umweltministerin, 2000 CDU-Vorsitzende und 2005 Kanzlerkandidatin. Niemand hatte ihr, „Kohls Mädchen“, zugetraut, so viel Macht in einer von Männern dominierten Partei zu erringen. Mit klugen Schachzügen gelingt es ihr, die männlichen Mitbewerber („Andenpakt“) auszuschalten, die sie unterschätzt hatten. Diesen Teil ihrer Erinnerungen zu lesen, ist besonders spannend und gibt Einblicke, wie strategisch und kompromisslos sich Angela Merkel den Weg zu Macht geebnet hatte. Und als sie 2005 die Wahl gewinnt und Bundeskanzlerin wird, hatte der Wahlverlierer nur Verachtung für sie über. Sie erträgt diese mit stoischer Gelassenheit, auch später wird sie den Provokationen mächtiger Männer, seien es Trump, Putin oder andere Alphamänner, nur ein verschmitztes Achselzucken entgegensetzen. Sie hat bei diesen gelernt und setzt ihr Machtstreben auf ihre Art um. Nun selbst Kanzlerin wird sie ein gewichtiges Wort in der Weltpolitik mitreden.

„Deutschland dienen“


Und es sind viele Krisen, die ihre lange Regierungszeit begleiten und unsere Zeit prägen: Afghanistan, Atomkraft, Banken, Euro, Flüchtlinge, Klima, Putin, Trump, Ukraine, um nur einige wenige herauszugreifen. Dieser Abschnitt berichtet von Gipfeln, Staatsbesuchen und von der Zäsur 2015, wie sie es selbst benennt. Ihr Tagesablauf ist streng getaktet, meist hat sie Termine in einem Viertelstundenrhythmus und ist immer sehr gut vorbereitet. Nächtelange Verhandlungen, wenig Schlaf, weitreichendende Entscheidungen treffen, Druck von allen Seiten. Immer ist sie darum bemüht, durch Verhandlungen und Kompromisse ein Ergebnis zu finden. Das Ringen darüber ist nüchtern und ins Detail gehend erzählt und gibt Einblicke in die Hinterzimmer der Mächtigen, auch wenn nicht alles gelingt, wie sie bekennt. Dieser Teil ihrer Erinnerungen kommt nicht an die Brillanz von Obamas Autobiographie heran (siehe meinen Beitrag „A promised Land“).
Wenn dann nach langen Verhandlungsnächten die Nacht in den Tag übergeht und etwas ausverhandelt werden konnte, so wird berichtet, habe sie sich eine Decke gegen die Kälte übergezogen und mit Verbündeten ein Glas Rotwein getrunken, Witze erzählt und andere Politiker gekonnt parodiert. Und als der ukrainische Präsident Zelenskyi 2019 ihr seinen Antrittsbesuch abstattet, wird sie von ihrem ersten Zitteranfall geschüttelt, ein unheilvolles Vorzeichen auf die kommenden Ereignisse in seinem Land.
Auf die oft gestellte Frage, ob Merkel eine Feministin sei, antwortete Alice Schwarzer so: „Ihre ganze Existenz ist Feminismus pur“.
Für die erste Bundeskanzlerin von Deutschland soll es nun rote Rosen regnen.

„Mittagsstunde“ von Dörte Hansen

Ich muss bekennen, dass ich noch nie etwas von Dörte Hansen gehört hatte. Diese Autorin war nicht in meinen Gesichtskreis gekommen. Nun hatte mir aber eine wertschätzende Kollegin dieses Buch mit einer Widmung geschenkt: „Dörte Hansen ist eine meiner liebsten zeitgenössischen Autor:innen. Hoffentlich gefällt sie dir genauso gut wie mir“. Also begann ich das Buch zu lesen und war mehr als hingerissen. Warum?

Es behandelt kein spektakuläres Thema: eine Familien- und Dorfgeschichte in Nordfriesland, über 5 Jahrzehnte hinweg, in der sich der gesellschaftliche und ökonomische Wandel zeigt. Im Bauerndorf Brinkebüll reden in den sechziger Jahren die meisten Bewohner noch Plattdeutsch. Die Männer gehen nach Feierabend in den Gasthof von Sönke Feddersen, hier werden auch die großen Feste von Taufe, Hochzeiten bis zum Leichenschmaus gefeiert. Dort kommt die Dorfgemeinschaft zusammen, um zu feiern und der harten bäuerlichen Arbeit für kurze Zeit zu entfliehen. Sönke, seine Frau Ella und Tochter Marret führen den Gasthof mehr schlecht als recht, viel Arbeit, darüber hinaus ist auch noch ein kleiner Bauernhof zu betreuen: früh ausstehen, Kühe melken, den Tag über Gäste bewirten, am Abend wieder Stallarbeit und Bierausschenken.

Sönke war nach russischer Gefangenschaft im Dezember 1947 heimgekehrt und Ella hatte im Juli 1948 ein Mädchen geboren, was sich rechnerisch für ihn nicht ausgehen konnte. Eine Dreiecksgeschichte wird nach und nach enthüllt und hält bis in den Tod. Tochter Marret singt gerne Schlager im Dorfsaal, sie streunt durch Felder und Fluren, sammelt tote Tiere, Federn, Steine und Blumen, presst die Blätter im Shell-Atlas, zeichnet sie und vermerkt sie in Schönschrift in ihrem DIN-A5-Heft. Sie ist „wunderlich, sehr einsam hinter ihrer Wand aus Glas“ und wird mit 17 schwanger, Vater unbekannt. Sie kann sich nicht um ihren Sohn kümmern, so übernehmen ihre Eltern die Erziehung, besonders der Großvater kümmert sich liebevoll um Ingwer. „Minsch warmt Minsch“. Der Junge ist sehr klug und wird von Lehrer Steensen als einer der ganz wenigen auserkoren, aufs Gymnasium zu gehen, um später zu studieren. Er schafft den Aufstieg, wird Prähistoriker an der Uni Kiel, trotzdem fühlt er sich nicht dazugehörig und „wie ein Schwindler mit gefälschter Vita, der nicht da war, wo er hingehörte“. Mit 48 Jahren und in einer Lebenskrise nimmt er sich ein Sabbatjahr, um seine gebrechlichen (Groß)-Eltern zu betreuen und seine Schuld abzutragen. Nicht nur er muss erkennen, dass sich alles im Dorf seit seiner Kindheit geändert hatte, dass die Störche nicht mehr kommen, es keine Tiere mehr gibt und das Baumsterben längst im Gange war.

Dörte Hanssen gelingt es mit ihrem Roman „Mittagstunde“ den Kosmos und die Entwicklung eines kleinen Dorfes atmosphärisch zu schildern. Bald kennt man die Personen, weiß über ihre Geschichten Bescheid und damit verbunden die großen strukturellen Veränderungen. Eine Künstlergruppe mit ihren selbstbewussten Kindern kommt aus Berlin zugezogen und kauft eine alte Mühle, um ein alternatives Leben zu führen. Die jungen Dorfbewohner ziehen weg, weil sie auf dem Land keine Zukunft mehr haben, die herrische Krämerin muss zusehen, wie die Bewohner nur noch im Supermarkt Vergessenes bei ihr kaufen. Die vielen Bauern, die aufgeben, weil sich das Wirtschaften für sie nicht mehr lohnt. Und einige wenige, die mit der Zeit gehen und alle Gründe aufkaufen. Die Flüsse begradigt, die Fluren bereinigt, Ulmen und Kastanien gefällt, um schnellere Straßen zu bauen mit tödlichen Folgen. Und dazwischen die Dorfbewohner, die um ein bisschen Glück ringen, um all den Veränderungen etwas entgegensetzen zu können. Mobilität und die Ökonomisierung der Landwirtschaft haben viele Fortschritte, so auch Kultur ins Dorf gebracht (das laute Trara des Bücherbusses zur Mittagsstunde!), aber auch den sozialen Zusammenhalt der dörflichen Gemeinschaft aufgebrochen.

Dörte Hansen erzählt eine Herkunftsgeschichte und den Wandel einer Dorfes mit großer poetischer Kraft („Es war so nebelig, dass sie wie durch nasse Tücher ging, als wäre oben große Wäsche“). Die Zeiten fließen ineinander und auch Ingwer sehnt sich mit 48 Jahren nach Jahrzehnten in einer Wohngemeinschaft nach mehr Verbindlichkeit, nach jemandem, der „mein Mann“ sagt.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Song- oder Schlagertitel und wenn Sie diesen vorab hören, werden Sie eingestimmt in die großen Themen und Sehnsüchte der Dorfbewohner. Und es gibt Hoffnung: eine Line Dance Gruppe, die wie Ingwer den Aufbruch wagt.

Die Saat des heiligen Feigenbaums (Iran, 2024)

Schon bei der Viennale hatte ich versucht, Karten für diesen hochgelobten Film zu bekommen. Sie waren nach wenigen Minuten ausverkauft. Viele hatten von den gefährlichen Umständen der Entstehung des Films bereits bei den Filmfestspielen in Cannes erfahren, denn er wurde heimlich im Iran gedreht. Der Regisseur konnte sich nur durch Flucht vor einer langjährigen Haftstrafe und Peitschenhieben nach Europa retten. Eines sei vorweggenommen: „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ von Mohammad Rasoulof dauert über drei Stunden und wird Sie bis in die Träume hinein verfolgen.


Dabei fängt die Geschichte recht harmonisch an. Eine Familie lebt gut situiert in Teheran, Iman, der strenggläubige Vater wird zum Ermittlungsrichter am Revolutionsgericht befördert, ein Wunsch, den er für 20 Jahre gehegt hat. Die Mutter Najmeh erhofft sich dadurch eine größere Wohnung, die beiden Töchter sollen endlich ein eigenes Zimmer bekommen. Der Aufstieg des Vaters innerhalb des Regimes würde ein luxuriöses Leben, wenn auch mehr Pflichten für die Familie ergeben. Kurze Zeit später gerät diese Hoffnung in Schieflage. Der Vater muss erkennen, dass er einen ungewollten Pakt eingegangen ist, da er nun lange Gefängnisstrafen oder Todesurteile, ohne viel Prüfung, unterschreiben muss. Wenn nicht, sei es vorbei mit dem besseren Leben. Die Mutter, ganz um das Wohl ihres Ehemannes besorgt, gibt ihm Schlaftabletten, damit er die aufschreckenden Alpträume bezwingen kann. Die beiden Töchter, Rezvan 21 und Sana 16 Jahre alt, schicken sich heimlich Videos zu, die die Proteste gegen das autoritäre Regime zeigen. Ausgelöst wurden diese durch den Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam. Der Vorfall hatte zu den größten landesweiten Protesten für Frauenrechte im Iran geführt. Entsetzt schauen sich die Töchter die brutalen Videos von Polizeiübergriffen an und sympathisieren immer mehr mit der Bewegung „Frauen. Leben. Freiheit“. Als dann noch die beste Freundin der älteren Tochter schwer verletzt wird, brechen die Gräben auch innerhalb der Familie auf und alle werden gezwungen, Farbe zu bekennen.


Jetzt nach zwei Jahren der gewaltsamen Niederschlagung scheint wieder Ruhe im Iran eingekehrt zu sein. Viele DemonstrantInnen, vor allem junge Mädchen, sind, wenn nicht ermordet, körperlich und seelisch, wie die beste Freundin, schwer gezeichnet. Darauf nimmt der Film Bezug und holt die Gräueltaten des Regimes aus dem Jahre 2022 in unsere Kinos. Rasoulof selbst saß während der Proteste in einem iranischen Gefängnis. So konnte er die Ereignisse erst im Nachhinein mittels Handyaufnahmen mitverfolgen. Diese sind in die Handlung des Films eingebaut. Auf die Freude der Frauen, die singend und tanzend mit wallenden Haaren durch die Straßen ziehen, folgen Blut und Tränen, Schüsse und Verhaftungen.
Alles, was an schönen Kindheitserinnerungen an einen liebvollen Vater vorhanden ist, wird mehr und mehr zerstört, als die beiden Töchter dem Vater widersprechen. Die Brutalität und Paranoia des Regimes finden ihre Entsprechung im Handeln des Vaters. Nun geht es um Überleben oder Tod. Der Vater kehrt in das einsame Haus seiner Kindheit zurück, vordergründig um seine Familie zu beschützen, in Wirklichkeit, um sie zu verhören.


Was den Film so beklemmend macht, ist, dass man in einem warmen Grazer Kino sitzt, um sich herum die Vielfalt der österreichischen Bevölkerung, auch einige IranerInnen. Wir, mit all unseren Rechten und Freiheiten, werden mit einer patriarchalischen Gesellschaft konfrontiert, in der Frauen mit all ihrem Mut und Einsatz um Freiheit und Würde kämpfen und wieder einmal scheitern.
Gibt es Hoffnung für die Frauen im Iran? (Siehe meine Filmkritik zu „Hit the Road“) Nach der Aussage des Filmes auf jeden Fall. Der Film wird im zweiten Teil zu einem Psychothriller, ist so spannend und verwirrend, gleich einem Labyrinth, dass man ganz erstarrt, dort selbst lange feststeckt.


Mohammad Rasoulof sagte in einem Interview, dass er zwei Stunden Zeit hatte, um vor der drohenden Verhaftung das Land zu verlassen. Er habe die Tür seines Hauses in Teheran abgeschlossen, Abschied von seinen geliebten Pflanzen genommen und sei dann aufgebrochen, um weiterhin Geschichten aus seiner Heimat erzählen zu können.

Selbstausbeutung beenden: Strategien für ein erfülltes Leben

Stellen Sie sich vor, Sie hätten für Ihr Geburtstagfest 200 Euro zur Verfügung. Wo würde es stattfinden? In welcher Form? Wer würde daran teilnehmen? Schreiben Sie Ihre Gedanken dazu auf. Was das mit Real Self-Care zu tun hat, enthülle ich am Ende meines Beitrages.
Wenn man an die Verhältnisse in Amerika denkt, so sind Frauen in Österreich mehr als privilegiert: sie sind sozialversichert, es gibt Mutterschaftsurlaub und Väterkarenz, Krippen und Kindergärten, ein weitgehend kostenloses Bildungssystem, ein staatliches Pensionssystem und vieles mehr. Und trotzdem leiden viele Frauen an Überforderung, wenn sie Familie und Beruf zusammenbringen wollen und können oft nur durch massive Selbstausbeutung den stressigen Alltag bewältigen. Woran liegt das? Und was müsste geändert werden, um die Situation für Frauen auch hier in Österreich zu verbessern?


Die Psychiaterin Pooja Lakshmin bietet in ihrem Buch „Real Self-Care: A Transformative Program für Redefining Wellness” einige Vorschläge. Dabei geht es nicht um gängige Angebote wie Yoga, Meditation, Ayurveda, Reinigungskuren und Schaumbäder, die die Autorin als „False Self-Care“ bezeichnet, weil sie nur kurzfristig Erleichterung verschaffen, da sie von außen kommen. Eine Verbesserung der Situation könne nur erfolgen, wenn sie im Inneren stattfindet. Erst dann werde es zu fundamentalen Veränderungen kommen können. Leichter gesagt als getan, wenn man die täglichen To-do-Listen der Mühen des Alltags abarbeiten muss.
In ihrem Buch zeigt sie vier Prinzipien und viele Übungen, die zu einem guten, erfüllten Leben führen.

  1. Grenzen setzen und Schuldgefühle aushalten
    “Our entire system is built on the premise that women`s time doesn´t belong to them”
    Indem man Grenzen setzt (den Mitarbeitern, dem Chef, der Familie und allen Anforderungen, die an Frauen herangetragen werden), holt man sich Zeit und Energie zurück. Dabei gilt es, Schuldgefühle hintanzustellen und sich nicht verantwortlich zu fühlen für die Emotionen der anderen. Schuldgefühle sollten keine Entscheidungen bestimmen, denn sie dienten dazu, sich klein und abhängig zu fühlen. Um mit diesem Gefühl umgehen zu lernen, empfiehlt sie u. a. die Übung „Sushi Train“. Man steht als Köchin in der Mitte und sieht auf dem Laufband Sushis (Gedanken und Gefühle) vorbeiziehen. Betrachten Sie sie aus der Distanz und frage Sie sich, welche Funktion sie in Ihrem Leben haben und wohin sie Sie führen sollen.
  2. „Your are good enough“
    Sich mit Selbstmitgefühl begegnen, bedeutet, darauf zu achten, was man braucht und will. Wichtig ist, freundlich zu sich selbst zu sein, toxische Situationen und Menschen zu vermeiden oder zumindest einzuschränken. Die innere Kritikerin müsse eingedämmt („Ouch“), Perfektionismus aufgegeben und auf die Bedürfnisse des Körpers geachtet werden (sich eine Pause gönnen) und, was Frauen besonders schwerfalle, sie dürfen um Hilfe bitten.
  3. Seine Werte identifizieren und danach handeln
    Sein authentisches Selbst könne dadurch entwickelt werden, indem man sich seine Grundwerte bewusst macht und ihnen gemäß handelt. Dafür müssten Prioritäten gesetzt und Entscheidungen getroffen werden, wie man seine Zeit sinnvoll verbringt, indem man sich bei wichtigen Entscheidungen die Frage stellt: Was will ich wie und warum machen?
  4. Sich selbst Macht verleihen: Ich existiere und ich bin wichtig.
    Wenn man sich selbst mit Mitgefühl begegnet und das Steuer in die Hand nimmt, gewinnt man Macht über sein Leben und seine Entscheidungen zurück. Diese Macht gilt es zu nutzen, auch wenn sie relativ ist. Auch andere würden davon profitieren: „Giving back when you have power generates more power for everyone else”.
    Mit einfachen Worten zusammengefasst: Sein Leben danach auszurichten, was am wichtigsten ist, seine Zeit und Energie dorthin zu investieren, dass sie mit den eigenen Werten übereinstimmen, sich selbst ermächtigen, vor Entscheidungen eine Pause einzulegen („Yes“, „No“, „Negotiation“), so könne nach Lakshmin das ungerechte System, das Frauen die Hauptbürde der Care-Arbeit aufbürdet, sich zum Besseren wenden.
    Das alles werde nicht friktionslos ablaufen und es würden sich Widerstände auftun. Deshalb sei es wichtig, mutig voranzuschreiten und auch in Kauf zu nehmen, dass nicht alles perfekt ablaufen werde bzw. könne.
    Das Buch bietet eine Sicht auf die gesellschaftlichen Ursachen der Überforderung und welche Voraussetzungen es braucht, damit dies geändert werden könne. Es bietet viele Übungen, wie man sich selbst ermächtigen kann, zeigt, was man ändern kann und sollte. Es enthält eine Handlungsanleitung für Frauen, die sich aus gesellschaftlichen Zwängen und Anforderungen befreien wollen, um erfüllt und gesund leben zu können.
    Zurück zum Geburtstagsfest: Wenn Sie die Übung gemacht haben, werden Sie feststellen, welche Werte für Sie wichtig sind und sollten ab nun ihre Handlungen danach ausrichten.


					

Widerstand im Salzkammergut (Altaussee, 26. 10. 2024)

Natürlich hatte ich zum ersten Mal vom Widerstand im Salzkammergut während meiner Studienzeit in den achtziger Jahren gehört. Damals dachte ich, das Thema wäre sicherlich eine Diplomarbeit oder Dissertation wert. Diese schrieb der Bad Ausseer Historiker Helmut Kalss in den Nullerjahren an der Universität Graz.

Die Neuauflagen von „Widerstand im Salzkammergut“ von Helmut Kalss,Salzkammergut – Ausseerland. Widerstand und Partisanenbewegung 1943- 1945“ von Peter Kammerstätter, Ausschnitten aus der Dokumentation „Ich habe nur meine Pflicht getan“ (1988, Gestaltung Max Stelzhammer) wurden am Nationalfeiertag im Kur- und Amtshaus in Altaussee präsentiert. Günther Kaindlstorfer moderierte, viel Prominenz war anwesend und die Veranstaltung wurde von der Sigl Hausmusi stimmungsvoll untermalt. Der Abend hätte nicht widersprüchlicher sein können.

Breiter Widerstandsbegriff

Auf die Frage, welche Voraussetzungen der Widerstand im Ausseerland hatte, nannte Helmut Kalss die Ausseer Mentalität als konservativ und liberal, das Tragen von Trachten, die Brauchtumspflege und enge Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen seien identitätsstiftend gewesen und hätten der nationalsozialistischen Ideologie entgegengewirkt („Eine gewisse Gelassenheit gegenüber Obrigkeiten“).

Welcher Art der Widerstand im Ausseerland war, kam in der anschließenden Diskussionsrunde rasch auf. Viele hätten sich nach dem Krieg als Widerstandskämpfer geoutet, obwohl Teile der Bevölkerung der Meinung waren, dass es keine Widerstandsbewegung gegeben habe, da nur einige Regimegegner im Gebirge versteckt wurden. Man einigte sich auf einen breiten Widerstandsbegriff, es habe keinen militärischen Widerstand gegeben, aber eine „im Entstehen begriffene Partisanengruppe“ und individuellen Widerstand wie demonstrativer Kirchenbesuch, Gehorsamsverweigerung, Sabotage, Absentismus, Schwarzhören, antinazistische Äußerungen… Am gefährlichsten für die beteiligten Menschen war, dass Regimegegner (ab 1945 Freiheitskämpfer genannt) versteckt wurden.

Resi Pesendorfer

In der Anfangszeit hatten vor allem Kommunist*innen die Bewegung getragen. Gegen Ende des Krieges unterstützten immer mehr Menschen über alle Parteigrenzen hinweg den Widerstand, dabei spielten Frauen eine wichtige Rolle. In der Dokumentation „Ich habe nur meine Pflicht getan“ berichtet die Kommunistin Resi Pesendorfer, wie sie mit großem Einsatz und unter Lebensgefahr Quartiere für aus Gefängnissen oder KZ geflohene Genossen gesucht, sie bei sich versteckt und in den Bergen mit Nahrungsmitteln versorgt hatte: „Einen ganzen Tag bin ich herumgerannt bei den Genossen, ob sie nicht einen Freiheitskämpfer (gemeint ist Sepp Pleiseis) behalten würden.“ Dabei kam den Frauen zugute, dass man ihnen von Seiten des nationalsozialistischen Regimes wenig zutraute, und Pesendorfer hatte sich geschworen, dass sie die Nazis niemals kriegen würden. Sie leistete Kurierdienste und war im ganzen Salzkammergut als Netzwerkerin unterwegs.

Laut den Aussagen von Alois Straubinger, dem die Flucht aus dem Gefängnis gelang, war es der Widerstandsbewegung wichtig, mehr Sympathisanten zu gewinnen, die bereit waren, die Bewegung zu unterstützen und sei es nur, dass man eine Lebensmittelmarke abgab. Das oberste Ziel der Widerstandsbewegung im Salzkammergut – an die 600 Personen – sei gewesen, Voraussetzungen für ein unabhängiges Österreich zu schaffen und eine friedliche Übergabe des Ausseerlandes an die Alliierten zu gewährleisten, was auch gelang.

Unschätzbare Kunstwerke

Es kam auch die Frage auf, wer die unschätzbaren Kunstschätze im Altausseer Bergwerk gerettet habe („Ein Dorf wehrt sich“). Hier versuchte die Kunsthistorikerin Monika Löscher, die als Provenienzforscherin arbeitet, mehr Klarheit zu schaffen. Es hätten viele von der Vernichtung der Kunstschätze gewusst und zur Rettung beigetragen, vor allem die Ausseer Bergleute, die die Bomben, mit denen der Stollen gesprengt werden sollten, hinaustrugen.

Maria Haim

Ein Gastbeitrag brachte am Ende des Abends ein, dass die erste Widerstandskämpferin im Ausseerland Maria Haim gewesen sei, die als Einzige in Altaussee mit einem Nein zum Anschluss gestimmt hatte. (Siehe meinen Blog „Sommerfrische 2020. Literarischer Spaziergang durch Altaussee„)

Ihr sollte ein Weg in Altaussee gewidmet werden.

Hymne an das Salzkammergut

Im Anschluss gab es bei empfindlichen Temperaturen im Kurpark das schwungvolle Konzert „Eine Hymne an das Salzkammergut“ mit Bernadette La Hengst und die Präsentation des Magazins „Narzissenpost“, ein Litfasssäulenmagazin, das sich mit Natur und Tradition im Ausseerland auseinandersetzt.

Sieht man sich die Wahlergebnisse der letzten Nationalratswahl an, so gab es auch im Ausseerland satte Gewinne für die FPÖ, ein Umstand, auf den der Moderator in seinem Schlusswort warnend hinwies.

Ein Blick hinter die Kulissen des Schreibens

Benedict Wells: Die Geschichten in uns. Vom Schreiben und vom Leben

Wer ein Benedict Wells Fan ist – und ich bin einer, siehe Rezension zu „Hard Land“ – , wartete gespannt auf dieses Buch, das Anfang September in Österreich erschienen ist. Und ich wurde nicht enttäuscht. Und auch Sie werden dieses Buch immer wieder lesen wollen.

Im ersten Teil („Der Weg zum Schreiben“) setzt sich Wells damit auseinander, wie seine Biografie Einfluss auf seinen Weg als Schriftsteller genommen hat. Im zweiten („Über das Schreiben“) beschäftigt er sich mit der Theorie, dieser ist gleichsam eine Anleitung zum Schreiben für junge AutorInnen. Und der dritte Teil („Aus der Werkstatt)“ zeigt konkret anhand von „Hard Land“ und „Vom Ende der Einsamkeit“ verschiedene Überarbeitungen.

„Warum man anfängt“

Einiges aus Wells chaotischer Kindheit ist bekannt – die Mutter bipolar, immer wieder Psychiatrieaufenthalte, der Vater bankrott und überfordert – und so wird er nach der Trennung der Eltern mit 6 Jahren in staatliche Heime verabschiedet. Für ihn ein Segen und doch ein tiefer Schmerz, aus dem sich sein Schreiben nährt. („Ich habe Geschichten erfunden, weil ich meine eigene nicht erzählen konnte“). So berichtet er, dass er sich schon im Alter von sieben Jahren um seine Wäsche kümmern musste. Weder Vater noch Mutter sind in der Lage, für das Kind zu sorgen. Aber er erzählt auch, dass es immer wieder gute Momente innerhalb der Familie gab, Momente der Liebe, Zärtlichkeit und Freude.

Als Kind flüchtet er sich in die Welt der Fantasie und liest viel – „Lesen kann einen retten“. Wells beschreibt sich auch als vorlaut und nicht immer gut in der Schule. Eine literarische Begabung attestiert ihm sein Deutschlehrer nicht, trotzdem beschließt er nach dem Abitur nach Berlin zu gehen, um ein armer Schriftsteller zu werden. Er schreibt die ganze Nacht, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, bekommt in dieser Zeit über 400 Absagen von Verlagen. Auch in dunklen Zeiten hält er durch, schickt seine Entwürfe an Freunde und Bekannte, die ihm hartes Feedback geben. Und er ist nicht zimperlich, er erkennt die Schwächen seiner Romanentwürfe und überarbeitet sie unermüdlich. Diese Anstrengung zeigt Früchte und als er 2007 in seinem Lieblingsverlag Diogenes unter Vertrag kommt, ist er erst 23. „Becks letzter Sommer“, 2008 erschienen, wird ein großer Erfolg, „Spinner“ ein Jahr später, diesen Roman hatte Wells mit 19 geschrieben, ein Reinfall. 2016 erscheint „Vom Ende der Einsamkeit“, der Roman wird in 38 Sprachen übersetzt und steht monatelang auf der Beststellerliste. Wells hatte nach eigenen Angaben 7 Jahre daran geschrieben. 2021 kommt „Hard Land“ in die Buchhandlungen, ein Coming- of- Age-Roman, der ihn auch bei SchülerInnen und LehrerInnen bekannt macht. Insgesamt hat der Autor über 2 Millionen Bücher verkauft und gehört zu den Stars unter den jungen deutschsprachigen Literaturschaffenden.  

„Show up to Work“

Im 2. Teil „Über das Schreiben“ zeigt er anhand der Entstehungsgeschichte von „Hard Land“ die vier Phasen seines Schreibprozesses: Vom „Funken“, der auf einer Amerikareise 2008 in einem kleinen Dorf in Missouri entzündet wurde, es folgt „Das Davor“, das eineinhalb Jahre dauert. Er schaut Filme, hört Musik, um in die Atmosphäre der achtziger Jahre einzutauchen, hier kommen seine Figuren zu ihm. Die dritte Phase „Das Aufschreiben“ bedeutet 14 Stunden Schreiben, nach Wells meistens eine Qual, noch kein Lesen und Bewerten, denn „Erste Fassungen sind oft grauenhaft“. Der Schluss „Das Überarbeiten“, ist der längste und wichtigste Teil für ihn, fünf Jahre habe er für „Hard Land“ gebraucht.

„Kill your Darlings“

Und in der Tat: Im dritten Teil „Aus der Werkstatt“ sehen wir anhand verschiedener Überarbeitungsphasen, wie sehr die Geschichten immer mehr an Dichte und Schönheit gewinnen.

Das Buch „Die Geschichten in uns“ zeigt auch die Herangehensweise berühmter AutorInnen ans Schreiben, allen voran Stephen Kings „On Writing“, der über eine Milliarde Bücher verkauft hat. Wie findet man seine Geschichte, wie entwickeln sich Charaktere und Dialoge, was bedeutet guter Stil? Was ist eine gute Story? Hier gibt der Autor viele Beispiele, wie man sein Schreiben verbessern könne, vor allem ist ihm wichtig zu zeigen, wie schwer es selbst für ihn ist, eine wirklich gute, stimmige Geschichte zu schreiben, die funktioniert und glaubwürdig ist.

Sollte man je geglaubt haben, dass Schreiben leicht ist, wird klar, dass es für Wells eine harte, oft frustrierende Arbeit ist. Und auch der erste Satz von „Hard Land“, der mich sofort in das Buch hineinzog, kam ihm erst nach einigen Jahren des Überarbeitens in den Sinn.

Und wie stellt der Autor sein Buch vor?

Von Kathedralen, Nebel und Seefahrern: Portugal 21. – 28. 9. 2024

Kloster Batahla Westfassade

Wir waren bereits bis Frankfurt gekommen und saßen im Flugzeug. Dann begann das Warten; der Kapitän informierte, dass über Porto, der größten Stadt in Nordportugal, dichter Nebel läge, weshalb sich unser Abflug um eine Stunde verzögere. Schließlich waren es fast vier.

Porto zeigt sich dann doch noch von der sonnigen Seite, die beiden Schwesternstädte Porto und Vila Nova da Gaia liegen in die Hügel hineingeschmolzen, nur vom Fluss Douro getrennt. Befindet man sich im Zentrum, geht es hinauf und hinab, Lärm und Staus begleiten einen. Die Stadt ist zu klein geworden für die vielen Touristen aus aller Welt, die in der Altstadt von Porto unterwegs sind, um den bis nach oben hin gekachelten Bahnhof Sao Bento und die über der Stadt thronende Kathedrale zu bestaunen. Von dort hinunter zur eindrucksvollen Ponte Dom Luis I und der Kirche Sao Francisco, deren barocke Innenausstattung so überladen ist, dass man davor zurückschreckt. Umso stilvoller ist die Börse von Porto, in der ein Schlagzeuger um sein Leben trommelt, sodass der „Maurische Saal“ nur bei geschlossenen Türen seine ganze Pracht entfalten kann.

Porto

Der zweite Morgen beginnt wieder im dichten Nebel. Nun geht es in nach Guimaraes, Weltkulturerbe und erste Hauptstadt des Königreiches Portugal. Das Kastell und der Palast, oberhalb der Stadt, noch immer mächtig und uneinnehmbar. Ein Rundgang in der Altstadt führt uns vorbei an wackeligen mittelalterlichen Häusern und farbenprächtigen Gauklern, die den Largo de Toural beleben.

Weiter geht es nach Braga, ein schmuckes barockes Städtchen, wo eine Kathedrale und ein Bischofspalast uns erwarten. Aber die Schönheit des Tages ist die Wallfahrtskirche Bom Jesus da Monte, die nicht nur über eine bequeme Straße oder eine alte Standseilbahn zu erreichen ist, sondern auch über eine monumentale barocke Zickzacktreppe mit über 581 Stufen. Am Abend führt man uns in die Geheimnisse der Portweinerzeugung in der Kellerei Sandeman ein mit anschließender hochprozentiger Verkostung.

Der dritte Tag bringt uns zunächst über Aveiro, ein kleinen Städtchen mit bunten Fischerbooten, großen Gondeln gleich, nach Coimbra, einer alten Universitätsstadt, in der eine hübsche Studentin im Talar Bleistifte der Universität feilbietet. Dann geht es zur Christusritterburg nach Tomar, deren älteste Teile auf die Templer zurückgehen, hier bestaunen wir die „Charola“, die Gebetskapelle der Tempelritter. Nun sind wir gerüstet für Fatima, das wir an einem sehr kalten, windigen Spätnachmittag erreichen. Von den hunderttausenden Pilgern auf dem größten Kirchenvorplatz der Welt ist nichts zu sehen, er ist fast menschenleer. Nur einige wenige Pilgerinnen rutschen auf Knien den langen Weg zur Kathedrale hinunter, damit die Jungfrau Maria ihre Bitten erhöre.

Basilika Unserer Lieben Frau des Rosenkranzes

Nach der Besichtigung der Klöster Batalha und Alcobaca, letzteres war lange Zeit das geistliche Zentrum Portugals und gilt als die größte Kirche des Landes, gelangen wir nach Obidos, in ein schmuckes mittelalterliches Städtchen, das von einer intakten Stadtmauer umgeben ist, deren Begehung nicht ungefährlich ist. Trotz heftigen Regens und Sturms machen wir uns auf, um zum Cabo da Roca zu fahren, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes, aber hier ist kein Verweilen möglich. Ab ins vibrierende Lissabon, das Leben und gute Laune verspricht.  

Aber Belem, das Torre de Belem, das Denkmal der Entdecker, und das riesige Hieronymus-Kloster versinken in Nieselregen und Menschenschlangen, sodass man gleichsam durchgehetzt wird und sich mit einer Gruppe von Italienerinnen einen Kampf um drei kümmerliche Toiletten liefern muss. Dann hinauf zum Kastell Sao Jorge mit schönem Ausblick über die Stadt, hinunter durch die engen Gassen der Alfama in die Baixa. Anschließend Besuch der Oberstadt, des Künstlerviertels, in dem wir auf einen jungen Musiker treffen, der mit gewaltiger Stimme das Publikum mit Songs von Simone Simon bis hin zu kapverdischen Volksliedern anrührt. Und dann endlich der ersehnte Fadoabend, die Musiker haben noch immer Freude und Spaß am Singen und Musizieren. Beschwingt und versöhnt durch diese künstlerischen Darbietungen verlassen wir am nächsten Tag die portugiesische Hauptstadt.

Nun tasten wir uns immer weiter in den Süden vor, wir fahren durch den Alentejo, vorbei an gerade geernteten Korkeichen und kilometerlangen Olivenhainen und Weinbergen, werden eingeweiht in das Leben und Werk von Jose Samarago, des portugiesischen Literaturnobelpreisträgers und in die Politik von Salazar, gehen durch die Altstadt von Evora, besteigen den Turm der gotischen Kathedrale und erreichen am 7. Tag unserer Rundreise endlich die Algarve, bei Sonnenschein, tiefblauem Atlantik und warmen Temperaturen. Am Cabo Sao Vicente bildet sich eine lange Schlange bei der „Letzten Bratwurst vor Amerika“, dann erreichen wir die Festung Sagres, von Heinrich dem Seefahrer errichtet, der uns die ganze Reise begleitet hat. Jetzt, nach so vielen beeindruckenden Kirchen, Kathedralen, Klöstern, Festungen und Burgen, nach so vielen spannenden Vorträgen über portugiesische Geschichte, Eroberer, Kultur, Politik und Wirtschaft hat man den sehnlichen Wunsch, die bizarre Steilküste entlangzuwandern, Sonne und Wind im Gesicht zu spüren und dankbar zu sein für diese erlebnisreiche Reise durch Portugal im September 2024.

Nata, what else?

Salt Lake Cities STOPS and STATIONs

Tauplitz

Markus Moser: Seeyou #2

Als ich zum ersten Mal von dem Ausstellungskonzept „Überwachungskameras“ des Künstlers Markus Moser im Bahnhof Tauplitz hörte, war ich nicht begeistert. Das Thema deprimierte mich, also musste ich allen Mut und neue Kraft für den richtigen Augenblick sammeln. Der war letzten Samstag, nach einer anstrengenden Wanderung. Gleich an der Eingangstür begrüßte mich der Künstler freundlich und stand mir über längere Zeit Rede und Antwort. Die über 40 Kameras aus Eisendraht, hergestellt im Nebenraum in seinem temporären Atelier, verstören tatsächlich. Ein bedrohliches Gefühl entsteht, verstärkt durch die Sound-Installation des Schwenkens und Fokussierens der Kameras. Man fühlt sich gesehen, überwacht und eingeengt. Dies kann sowohl Fluch als auch Segen sein. In Wiens U-Bahnen, auf großen Bahnhöfen, wo sie allgegenwärtig sind, sollen sie den Reisenden Schutz und Sicherheit bieten. In öffentlichen Räumen helfen Überwachungskameras Verbrechen aufzuklären und zu verhindern. Dies ist die große Errungenschaft, die mit den Überwachungskameras vor einigen Jahrzehnten in die Welt gekommen ist.

Anders ist es jedoch, wenn man an Wohnungstüren und Toren vorbeigeht oder sich in privaten Räumen befindet, die mit Kameras ausgestattet sind. Hier wird einem mit Argwohn begegnet und man meidet sie. Wenn eine Kamera im privaten Raum zugegen ist, beobachtet sie, löst Misstrauen und Angst aus. Diese Gefühle vermitteln auch die vielen Kameras im ehemaligen Tauplitzer Fahrdienstleiterraum. Man will von Überwachungskameras beschützt, nicht beobachtet werden.

Bad Aussee

Adriana Torres Topaga: Rufzeichen (!)

Betritt man den Warteraum im Bahnhof von Bad Aussee, um eine Fahrkarte zu lösen, fällt einem gleich die große Glasscheibe auf, die die Besucherin einlädt, den kleinen, länglichen Nebenraum zu betreten. Nicht ganz sicher, ob man hier richtig ist, sieht man gegenüber der Tür eine Wand mit vielen Postings auf die Frage in orangen Lettern: „Was kann ich tun für die Pflege und Erhaltung des Lebens“. Gleich befindet man sich im Dialog mit Unbekannten, die darauf Antworten haben. „Mehr spielen“, „Alle Ängste zum Teufel jagen“, „Prosecco trinken“ und natürlich „Klima schützen“, so ist man aufgerufen, sich selbst Gedanken zu machen, zu bejahen oder zu widersprechen auf Posts wie „Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion des Planeten und Zerstörer von allem“. Auf dem Boden befindet sich eine großräumige bunte Textil-Skulptur, in der nach einigem Suchen das Wort „Leben“ zu erkennen ist. Der Raum lädt zur Auseinandersetzung darüber ein, zum Gespräch mit den Menschen, die ihn betreten.

Judith Lilla Molnar: Trainsition

Blickt man in diesen Raum hinein, sieht man ein Baukonstrukt, das unschwer als Dachgiebel zu dekonstruieren ist. Eine Holztreppe führt einen Stock höher, man glaubt sich auf einem Dachboden, der sich im Ausbau befindet. Beeinflusst von der Bauordnung der achtziger Jahre verweist diese Holzinstallation auf die traditionellen Häuser im Ausseerland und soll den Besuchern „eine neue Perspektive auf diesen Raum und seine Umgebung vermitteln“. Durchbrochen wird dieses Konzept von Verkehrszeichen, die auf den Tourismus, der die Region in den Sommermonaten beherrscht, hinzielen. Denn der Bahnhof Bad Aussee ist einer dieser Übergangsorte, wo Sommerfrischler von allem aus Wien ankommen oder abgeholt werden, meist von Menschen in teuren Trachten.

Hans Ostapenko: ohne Titel

Der Titel des Raumes, den Hans Ostapenko gestaltet hat, ist Programm. Man betritt eine schwarze Rauminstallation, einem Bunker ähnlich, eng, dunkel und verwinkelt, wo überall Gefahr drohen könnte. Der Künstler setzt sich in sehr persönlicher Weise mit dem Krieg in seiner Heimat Ukraine auseinander. Er, der mit Ausflugsschiffen auf den idyllischen Seen im Salzkammergut unterwegs ist, schickt Videobotschaften am Beginn der Residency an seinen Bruder, der als Marinesoldat in einem Patrouillenboot auf dem Dnipro zu sehen ist. An einigen Stellen sind Erinnerungsfotos aufgehängt, die die beiden Brüder in glücklichen Kindheitstagen zeigen. Die Diskrepanz zwischen Krieg und Frieden, einer unbeschwerten Bootsfahrt im Salzkammergut und der tödlicher Gefahr in einem Kriegsgebiet kommt dadurch umso mehr zur Geltung. Sein Bruder gilt seit einiger Zeit als vermisst, jeglicher Kontakt ist zu ihm abgebrochen. Dieser Raum habe ihm, so erfahre ich in einem Beiblatt, seither als emotionaler Rückzugsort gedient, für Trauer und Verzweiflung, die diese Hiobsbotschaft in ihm auslöste, die die Tränen sind allgegenwärtig.

Salt Lake Cities STOPS and STATIONs, “regionale Leerstände als Erlebnisorte und Treffpunkte für Kunst“ sind noch bis 20. 9. 2024 auf der steirischen Seite des Salzkammergutes zu besichtigen. Sie sind eine Reise wert.

„Führer und Verführer“ (Joachim A. lang, 2024)

Wenn man sich gerade in Berlin aufhält, dann trifft man überall auf die Zeit der Naziherrschaft. Wie in Wien laden Stolpersteine zum Hinabschauen ein, wer in diesem Haus einmal gewohnt hatte und wann und wo ermordet wurde.  Auch die Ausstellung „Berlin Global“ im Humboldt-Forum, die sich interaktiv der Frage widmet „Was ging und geht von Berlin in die Welt?“ widmet dem 2. Weltkrieg und einzelnen jüdischen Schicksalen einen „unruhigen, grauen und aufgebrochenen“ Raum. In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zeigt eine Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ und Peter Weiss` Theaterstück „Die Ermittlung“ aus dem Jahr 1965, das die Ausschwitz-Prozesse beschreibt, kam gerade als vierstündiger Ensemblefilm in die Kinos.

Hat man den Film „The Zone of Interest“ gesehen, der einem aufgrund des nicht gezeigten Grauens in Ausschwitz den Magen umdrehte, so glaubte man, dass es nicht mehr viele Möglichkeiten geben könnte, die „Banalität des Bösen“ filmisch darzustellen. So ging ich mit nicht allzu großen Erwartungen gestern am späteren Nachmittag in die Kulturbrauerei in den Film „Führer und Verführer“ von Joachim A. Lang. Ich muss einräumen, dass mich vor allem die österreichischen Schauspieler Robert Stadlober („Crazy“) als Joseph Goebbels und der viel beschäftigte Fritz Karl als Adolf Hitler motivierten, den Film zu sehen.  

Joseph Goebbels, Hitlers Propagandaminister und einer seiner engsten Vertrauten und seine Frau Magda (Franziska Weisz) mit ihren sechs Kindern genießen einen luxuriösen Lebensstil in Berlin, auch Magda hat eine freundschaftliche Beziehung zum Führer und ist immer wieder am Obersalzberg zum Essen eingeladen. Der Film zeigt die Jahre des Aufstiegs von Josef Goebbels im nationalistischem Terrorregime, die Beziehungsprobleme des Paares – Goebbels hatte immer außereheliche Liebschaften, die Magda nicht mehr akzeptieren wollte, eine Scheidung verhindert Hitler, weil er die Goebbels als Vorzeigefamilie für sein Volk braucht (nicht historisch verbürgt). Goebbels beherrscht sein manipulatives Handwerk perfekt und obwohl er anfangs nicht mit den Kriegszielen von Adolf Hitler übereinstimmt, hatte er das Volk ja auf Frieden eingestimmt, ist er loyal und befeuert seine Propagandamaschinerie, um Hitler uneingeschränkt an der Macht zu halten, bis zum bitteren Ende. Beide wissen, dass ihre Zeit vorüber ist und es kein Weiterleben für sie geben kann.

Was macht den Film so besonders? Einerseits ist es die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller: Robert Stadlober, nun auch schon über Vierzig, spielt Joseph Goebbels mit einer Vielschichtigkeit, die fasziniert. Er weiß genau, welche Propaganda, d. h. Lügen er einsetzen muss, um die Deutschen auf Hitlers Kriegs- und Vernichtungspläne einzustimmen. Am Anfang des Films hört man eine männliche Stimme, die 1942 ruhig und besonnen über den Kriegsverlauf spricht. Es ist der einzige heimliche Mitschnitt von Hitlers Stimme in einem privaten Rahmen. Die Stimme unterscheidet sich diametral von den hysterischen Reden, die Goebbels inszeniert, um Hitler die Aura eines charismatischen Führers zu geben. Jeder seiner Auftritte ist von seinem Propagandaminister genauestens vorbereitet, sei es nur, dass ein kleines Mädchen dem vorbeifahrenden Führer Blumen überreicht. Aber Goebbels erkennt auch die größenwahnsinnigen Pläne Hitlers, setzt ihnen aber nichts entgegen, weil er zu sehr auf seine Macht und seinen Einfluss bedacht ist.

Alte Wochenschau-Bilder sind mit Spielfilmszenen verknüpft, sodass die Übergänge nur zu erkennen sind, dass sie in Schwarz-Weiß gedreht wurden. Interviews mit Holocaustüberlebenden und Aufnahmen von amerikanischen Soldaten geben wieder, welche Folgen diese menschenverachtende Politik für die Opfer hatte. Sie erzählen, wohin der Wille zum totalen Krieg, die Propaganda von unwertem Leben und der Erweiterung des deutschen Lebensraums geführt hatte: 60 Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg getötet und das ganze jüdische Volk sollte „ausgerottet“ werden, wie Goebbels es in seiner Sportpalastrede bewusst als Versprecher ausspricht.

Nicht verwunderlich war, dass immer wieder Weinen im Publikum zu hören war und dass man anhand des Aufstiegs und der Propaganda von Goebbels erkennen konnte, dass diese historische Tragödie von Menschen gemacht wurde, denen es vor allem um Macht und Einfluss ging und denen alle Menschlichkeit abhandengekommen war.

Als wir bei der Führung „Berlin global“ gefragt wurden, wovor wir derzeit Angst hätten, antwortete eine Teilnehmerin: „Vor der AfD“.

Ein Satz von Promo Levi steht dem Film als Warnung voran: „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“.

Führer und Verführer