Power to the people

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Warum dreht Spike Lee heute einen Film über einen schwarzen Cop, der ein Mitglied des Ku-Klux-Klans in den Siebzigern war? Und warum beendet er den Film mit den Ereignissen in Charlottesville?

Der Zusammenhang ist unschwer zu erkennen: Die Gefahr von Seiten der Rechten, die den Weißen die Vorherrschaft sichern wollen, findet ihren Ausdruck in Trumps Amerika. Die Progressiven wären zu selbstgefällig gewesen, sagt Spike Lee in einem Interview mit der „Zeit“, hätten sich zu sehr auf den Triumph von Obama ausgeruht und es nicht geschafft, dem rechten Ansturm etwas entgegenzusetzen. Deshalb hätte er Gas geben müssen. Aus all diesen Gründen hat Spike Lee die autobiographische Geschichte des Polizisten Ron Stallworth in einen packenden Film gekleidet, der uns eine Lektion über Rassismus und die gefährliche Ideologie der Rechten erteilt.

In BlacKkKlansman selbst ereignet sich etwas ganz Absurdes: Der Afroamerikaner Ron Stallworth, gespielt von John David Washington, ermittelt gegen Aktivitäten der „Organisation“, wie sich die Anhänger des Ku-Klux-Klans selbst nennen. Über das Telefon nimmt er Kontakt auf, signalisiert Interesse und wird prompt zu einem geheimen Treffen eingeladen. Natürlich schickt er seinen weißen Kollegen Flip Zimmermann (Adam Driver) hin. Somit beginnt ein intelligentes Verwirrspiel der Polizisten mit dem Klan, das in ein Aufnahmeritual mit dem extra angereisten Großmeister David Duke (Topher Grace) mündet. Das Ganze führt zu einem gefährlichen Wettlauf mit der Zeit, da ein Anschlag auf die schwarze Studentenführerin (Laura Harrier) geplant ist.

Was zeigt uns der Film? Großteils gute Polizisten, die gegen Rassisten den Kampf aufnehmen. Die ihr Leben riskieren, um dem Bösen entgegenzutreten. Die „Organisation“ ist einerseits von trinkenden Dummköpfen und andererseits von Extremisten, die zum Äußersten bereit sind, bevölkert. Nur in der Führungsriege befinden sich Männer, die zu strategischem Planen und Vorgehen fähig sind, was sie umso gefährlicher macht. Breite Aufmerksamkeit wird der Ideologie und dem spektakulären Treiben des Ku-Klux-Klans gewidmet, immer wieder werden ihnen Trumps Worte in den Mund gelegt. Parallel zu den Vorgängen in der „Organisation“ wird die Geschichte des Rassismus gezeigt. Der Film beginnt mit einem Ausschnitt aus „Vom Winde verweht“ und findet in dem Auszug aus „The Birth of Nation“, dessen rassistischer Inhalt die Klans Mitglieder begeistert, ihren Höhepunkt. Wie sich die Gewaltspirale hochschraubt und auch vor Mord nicht zurückgeschreckt wird, weiß Spike Lee spannend in Szene zu setzen. Den alltäglichen Rassismus in der Polizei erträgt Ron Stollworth meist stoisch und mit einigem Humor. Washington, Sohn eines berühmten Vaters, spielt ihn als einen recht lässigen Schwarzen mit schönem Afrolook, der seine Rolle als Polizist erst finden muss. Er wird als Spitzel bei einer Veranstaltung der Black Student Union eingesetzt, was ihn etwas zum Nachdenken bringt. Aber die meiste Zeit ist er mit dem Klan beschäftigt, witzig und eloquent, aber immer auf der Hut, nichts Falsches zu sagen, um seinen Stellvertreter nicht auffliegen zu lassen. Denn Flip Zimmermann (Adam Driver) befindet sich in immer größerer Gefahr und riskiert Kopf und Kragen in dem riskanten Einsatz.

Am Ende, nach den schockierenden Bildern in Charlottesville, kommt Donald Trump ins Bild und was er dazu zu sagen hat. Danach bekundet der echte David Duke seine Ideologie und Sympathie für den Präsidenten. Dieses Ende hätte es gar nicht bedurft. Die Botschaft war ohnehin klar.

Zwar wird von Experten immer wieder betont, dass Trumps Wahlsieg das letzte Aufbäumen des weißen Mannes sei, denn das Amerika in 20 Jahren werde viel eher das von Obama gleichen. Und die Obamas hatten ihr allererstes Date bei Spike Lees „Do the Right Thing“, was Anlass zu Hoffnung gibt.

Wie man den Alkohol besiegt oder weglaufen geht nicht

Es beginnt mit einem Säuferleben: Party, Girls und vor allem Alkohol. Das Trinken ist John Callahan (Joaquin Phoenix) bereits zu Beginn des Films ins Gesicht geschrieben, die Stimme verschwommen, der Blick glasig. Seine Sauftouren wollen nicht enden, Tag und Nacht ist er auf der Suche nach dem Rausch und Kumpanen, die ihn dabei begleiten. Mit dreizehn Jahren habe es begonnen, wird er später erklären und die Schuld dafür seiner Mutter geben, die ihn nicht haben wollte. Volltrunken wird dann eines Nachts Auto gefahren und plötzlich liegt er im Krankenhaus und kann seinen Körper nicht mehr spüren. Querschnittslähmung. Jetzt ist er bei jedem Handgriff auf Hilfe angewiesen, nicht einmal eine Whiskyflasche kann er mehr öffnen, geschweige denn aufs Klo gehen oder sich waschen. Jetzt bricht die Verzweiflung über sein vermurkstes Leben erst richtig herein, die er weiterhin mit Alkohol ertränkt. Es treibt ihn von einer Flasche zur nächsten und in genauso rasendem Tempo jagt er mit seinem Rollstuhl die Gehsteige und Kreuzungen entlang. Jetzt winkt ihm der Tod in Form von Akrobaten ganz offen zum Fenster herein und auch er kapiert endlich: sterben oder trocken werden. Und damit beginnt seine Rettung.

Gus Van Sant erzählt in „Don´t Worry, He Won´t Get Far on Foot“ die wahre Geschichte von John Callahan, die dieser in seiner gleichnamigen Autobiographie niedergeschrieben hat. Er wählt den Ausschnitt, als dieser von seiner Alkoholsucht und deren Überwindung berichtet. Das geht nicht ohne Anstrengung, aber auch nicht ohne menschliche Zuwendung. Dass Callahan sich aus den Klauen des Teufels Alkohol befreien kann, verdankt er in erster Linie seinem Mentor Donnie (Jonah Hill) und seiner Gruppe bei den Anonymen Alkoholikern. Und er entdeckt sein künstlerisches Talent als Karikaturist. Und einen Anteil hat natürlich die Liebe, die ihm in der schönen Physiotherapeutin und engelhaften Flugbegleiterin Annu (Rooney Mara) begegnet.

Joaquin Phoenix spielt die Hauptrolle und vermag es meisterhalt, die unerfüllten Sehnsüchte, die jemanden in den Alkohol treiben, zu veranschaulichen. Es ist ein ständiges Treiben am Abgrund, zwischen Leben und Tod, um dem Schmerz, der in ihm festsitzt, nicht spüren zu müssen. Erst über das Zwölf-Schritte-Programm und Donnie werden die Schichten des Selbstmitleids abgetragen und der Punkt erreicht, wo die Depression und Selbstzerstörung ihren Ursprung haben. Es geht um Verwundungen in der Kindheit, um Verzeihen und Selbstliebe, die ihn schließlich in ein suchtfreies Leben führen. Und er als Querschnittsgelähmter schert sich keinen Deut um politische Korrektheit. Immer wieder trifft sein Spott auch Behinderte. Wobei seinen Cartoons und seinem Wirken als Künstler nur relativ kurze Ausschnitte in dem Film gewidmet sind. Die meiste Zeit ist der Regisseur mit den Auswirkungen des Alkoholismus beschäftigt, wobei nicht immer klar ist, in welcher Zeit wir uns gerade befinden. Dieses Hin-und Herspringen zwischen den Siebzigern und Achtzigern mutet willkürlich an und verwirrt. Zudem fehlt das Bindeglied, woher Callahan seine bitterbösen Karikaturen speist. Aber der kaputte Phönix Callahan steigt so geläutert aus der Asche, wie der sanftmütige Hippie Donie in ihr verbrennt. Allein deswegen kann man über die Mängel des Films hinwegsehen.