Greta Gerwig zählt zu meinen absoluten Lieblingsschauspielerinnen. Sie ist jung, schön und sehr begabt. Jetzt hat sie auch als Regisseurin einen sensationellen Erfolg gefeiert und für „Lady Bird“ sogar fünf Oscarnominierungen bekommen. Der Oscar für die beste Regie war ihr nicht vergönnt, der Film wurde jedoch zu einem großen Erfolg bei Kritikern und Publikum. Wovon erzählt er?
Die Coming-of-Age-Geschichte spielt in Sakramento, dem Geburtsort von Greta Gerwig. Lady Bird ist der selbstgewählte Name der Jugendlichen Christine McPherson (Saoirse Ronan) und ihrem letzten Jahr in einer katholischen High-School. Sie ist rebellisch, eigensinnig und in ständigem erbitterten Streit mit ihrer Mutter (Laurie Metcalf), die sie immer wieder in die Realität zurückholen will. Ladybird ist aber mit anderen Dingen beschäftigt als mit der Sorge um die Finanzen der Familie. Sie möchte dem entschlafenen Sakramento entfliehen und in New York Kunst studieren. Sie möchte einen Freund haben, mit dem sie zum Abschlussball gehen kann. Sie möchte wie ihre Schulkameraden reich sein und in einem schönen blauen Haus mit der amerikanischen Flagge leben. Diese Wünsche sind nur allzu verständlich, da in ihre Schule viele reiche Kids gehen, denen es an nichts zu fehlen scheint. Aber wie wir alle wissen, hängt das Glück nicht unmittelbar am goldenen Faden, sondern steht mit Werten wie Freundschaft, Vertrauen, Fürsorge und vor allem Aufmerksamkeit in Verbindung. Wer aus einem recht bescheidenen Heim wünscht sich nicht ein Leben, das nicht von Geld- oder Jobproblemen bedrückt ist? Ihr fürsorglicher Vater hat seinen Job verloren und muss nun mit seinem top-ausgebildeten Adoptivsohn auf dem engen Arbeitsmarkt konkurrieren. Die Mutter muss als Krankenschwester doppelte Schichten arbeiten, um die Familie überhaupt über Wasser halten zu können. Und Ladybird sitzt zwischen den Stühlen ihrer grellen Träume und dem harten Existenzkampf ihrer Familie.
Was zeigt uns der Film, der im Jahre 2002 angesiedelt ist: eine junge Frau mit schlecht gefärbten roten Haaren und Akne auf der Suche nach Unabhängigkeit und ihrer Bestimmung in der Welt. Zunächst gilt es gegen die strengen Regeln der Schule zu rebellieren, gegen die kontrollierende Mutter anzukämpfen, ihre Freunde richtig zu wählen und ihr erstes Mal zu erleben. Nichts davon gelingt ihr einwandfrei, sie enttäuscht andere und wird enttäuscht. Aber ihr Leben dreht sich nicht um die einzig wahre Liebe, die gefunden werden will. Sie schwimmt durch die Irrungen der Jugend und findet sich immer wieder am Ufer wieder. Um einiges erfahrener und vielleicht auch gewappneter. Worauf sie sich wirklich verlassen und bauen kann, sind Familie, wahre Freunde und eine Heimatstadt, auf die sie sehnsuchtsvoll zurückblickt, so lautet die frohe Botschaft des Filmes.
Ende gut, alles gut? Man wird sehen. Greta Gerwig hat es in New York geschafft. Mit „Lady Bird“ ist ihr ein passabler Film in warmen Farben und sehr gutem Cast gelungen. Interessant wäre nun zu sehen, wie die Heldin in der großen Stadt an der Ostküste ihre Träume von Freiheit und Unabhängigkeit verwirklicht.