Die beste aller Welten

Der Titel wäre vielversprechend, hätte man nicht vorab von dem Film gehört, dass er eine wahre Geschichte aus dem Salzburger Drogenmilieu erzählt. Obwohl der Film schon einige Monate in den Kinos läuft, war der Andrang an der Kassa groß, viele sympathische junge Menschen strömten vom Adventrummel herein in den ausverkauften Kinosaal. Und das zu einem Film, bei dem ein Unbekannter Drehbuch und Regie geführt hat: der erst 26-jährige Salzburger Adrian Goiginger.

Es ist seine Kindheit, die er uns in drastischen Bildern vor Augen hält. Er wächst bei seiner drogenabhängigen Mutter in einer ärmlichen und meist von Schmutz zugemüllten Wohnung auf. Als der Film einsetzt, ist er gerade sieben Jahre alt und man kann an seinen Alpträumen erahnen, welche Zeiten er schon hinter sich hat. Meist ist er auf sich allein gestellt, da die Mutter mit Drogen vollgepumpt ist und dahindämmert. Alleine ist sie dabei nicht, denn ihre Drogenfreunde sind mit auf dem Trip, der kleine Adrian wirkt zerbrechlich und sonderbar erwachsen innerhalb dieser Gruppe. An den guten Tagen spielt die Mutter mit ihm und vertreibt mit fantasievollen Geschichten seine Ängste, die ihn im Schlaf heimsuchen. In seinen Träumen wird er zum Helden, der mit Pfeil und Bogen unterwegs zum schwarzen Dämon ist, der die Menschen in Untote verwandelt. Dieser rasselt aber schon wütend an den Ketten und wird sich bald losgerissen haben. Es ist ein Wettlauf gegen den Tod, der in der Realität seine Entsprechung findet. Auch die Mutter gerät immer mehr in den Suchtkreislauf hinein, ihr Dealer, der Grieche, will auch Adrian mitnehmen. Ansehen zu müssen, wie die Mutter zulässt, dass ihr Kind völlig unkontrollierbaren Situationen ausgesetzt ist, gehört zu den stärksten Aussagen des Filmes. Die immer mehr aus den Fugen geratende Situation muss in die Katastrophe führen. Wieder einmal von der Mutter alleingelassen und panisch vor Angst, jagt Adrian den Dämon in der eigenen Wohnung.

Die ganze Zeit über erlebt man, dass ein drogenabhängiges Milieu kein guter Nährboden für eine schöne Kindheit ist. Und fragt sich, wie dies über so viele Jahre möglich sein konnte und niemand eingegriffen hat. Der Vertreter vom Jugendamt kündigt jedes Mal seinen Besuch an, sodass die Mutter Ordnung in das Chaos bringen und dem Jungen einbläuen kann, was er zu sagen hat. Es gibt keine Nachbarn, die eingreifen, und auch die Schule reagiert erst dann, als Adrian einen Schweizer Kracher im Hof explodieren lässt, ist aber rasch mit kleinen Zugeständnissen der Mutter zufriedengestellt. Der größte Skandal ist, dass niemand hinschaut und die Verwahrlosung in einem Inferno enden muss.

„Die beste aller Welten“ ist ein traurig-schöner Film über eine schreckliche Kindheit. Berührend umso mehr, da das Kind trotz allem seine Mutter liebt und ihr immer wieder verzeiht. Der Film ist unbedingt sehenswert, denn Mutter (Verena Altenberger) und Sohn (Jeremy Miliker) spielen so gut, dass einem die Geschichte tief unter die Haut geht.