Paterson


Ein junger Mann (Adam Driver) mit dem Namen Paterson fährt als Busfahrer von Montag bis Freitag durch die Stadt Paterson. Er wacht jeden Morgen um 6:15 auf, gibt seiner schlafenden Frau (Golshifteh Farahani) eine zärtliche Berührung, zieht sich an, isst seine Serials und macht sich in blauer Uniform vom Vorstadthäuschen auf den Weg zur Arbeit. Wir begleiten seinen langen Weg zur Busgarage. Vor dem Arbeitsbeginn, am Busfahrersitz, nimmt er sein Notizbuch und schreibt. Auf der Leinwand sehen wir in zierlicher Schrift ein Gedicht über die Streichholzschachtel entstehen, die er beim Frühstück durch seine Finger hat gleiten lassen. Der Bus fährt aus der Garage, biegt ab, bleibt stehen, um Passanten ein- und aussteigen zu lassen. Wir schauen auf die Straßen hinunter, hören, was die Insassen erzählen und erleben aus Patersons Mimik seine Gedanken dazu. Sein Tag ist lang. In der Mittagspause sitzt er mit seiner Lunchbox auf einer Bank vor einem Wasserfall und schreibt. Am Abend geht er den langen Weg zurück, richtet den Briefkasten und tritt ins Haus ein, wo er von seiner Frau und der Bulldogge Marvin erwartet wird. Danach schreibt er im Keller weiter, geht mit dem Hund Gassi, kehrt in eine Bar ein, trinkt ein Bier. Dieser Rhythmus wiederholt sich Tag für Tag, es ist ein ruhiges, beschauliches Leben, das Paterson führt. Nicht viel mehr ereignet sich in dem Film und doch wird alles gesagt.

Am Samstag, als Paterson mit Laura im Kino ist, passiert ein Unglück, das alle schon erwartet haben. Er strauchelt, verliert für einen kurzen Moment seine Fassung, um durch eine mystische Fügung auf seinen Weg zurückzufinden.

Wie fängt man das Leben eines Menschen ein, über den es nichts Großartiges zu erzählen gibt? Man zeigt es. Paterson ist sanftmütig, geduldig, aufmerksam gegenüber seinen Mitmenschen und erduldet jeden kreativen Ausbruch seiner schönen Frau. Sein Wesen findet in Gedichten Ausdruck, die den Alltag verzaubern, indem sie ihn zu Poesie machen.

„Paterson“ ist ein sehr langsamer, stiller Film, der einen Blick auf ein glückliches Paar und die Menschen einer amerikanischen Kleinstadt wirft. Was ist wichtig? Was ist möglich? Worum geht es? Jim Jarmusch zeigt als Antwort einen dichtenden Busfahrer, der auf einer Bank vor einem herabstürzenden Wasserfall sitzt, über den eine Eisenbahnbrücke führt, durch den Vögel fliegen und der Tag für Tag ein neues Gedicht beginnt.

Amerika

Joachim Meyerhoff ist einer der großen Stars des Burgtheaters. Aber kann dieser großartige Schauspieler auch schreiben? Jahrelang drückte ich mich davor, eines seiner Bücher zu lesen, denn ich wollte nicht enttäuscht werden. Meyerhoff zu lesen sei ein Muss drängte mich eine Freundin und überreichte mir gleich zwei seiner Bücher.

Ich startete mit „Amerika. Alle Toten fliegen hoch“.

Ein junger Mann bereitet sich auf ein Austauschjahr in Amerika vor. Man lernt seine Familie kennen, seine beiden Brüder, seine Freundin und die Kleinstadt in Deutschland, wo er wohnt. Er weiß nicht warum, nur dass er weg will, die Großeltern finanzieren die Reise. Er kommt nicht wie erhofft nach New York oder Los Angeles, sondern nach Laramie, Wyoming. Die Gasteltern Stan und Hazel sind nette Durchschnittsamerikaner, sie haben drei Söhne, von denen nur der jüngste noch zu Hause lebt. Seinem Gastbruder Don wird es gelingen, den Aufenthalt in der Familie empfindlich zu stören.

Der Erzähler lebt sich schnell in das amerikanischen Leben ein, das er als Deutscher aus der Distanz beobachtet: Das Schulleben und dessen Protagonisten, Parties, die in Sexorgien und Zerstörung münden, aber vor allem Basketball mit Coach Carter. Die Aufnahme in das Team ist der Höhepunkt dieses Jahres. Er muss hart trainieren, wird aber kaum in einem Spiel eingesetzt. Dies stört ihn nicht, da er dazu gehört und allein dadurch Ruhm und Ehre erhält. Die meiste Zeit verbringt er mit hartem Training und sein Körper verändert sich. The German, wie er genannt wird, wiegt bei seiner Rückkehr 10 Kilo mehr und ist gänzlich durchtrainiert.

Das Buch hat viel Humor, der dadurch entsteht, dass the american way of life für uns Europäer oft wie eine Parodie eines Unterhaltungsfilms wirkt. Die Bilder, die wir uns von Amerika gemacht haben, werden auf liebevolle Art und Weise bestätigt. Alles scheint irgendwie verrückt zu sein, zu viel, zu dick aufgetragen, wie die hoch aufgetürmten Frisuren und das Make-up der Mädchen. Als der Erzähler die Trainingsmethoden nach seiner Rückkehr auch in Deutschland einsetzen will, um eine Siegesmannschaft zu formen, sind alle entsetzt und schnell weg. Sie wollten doch nur ein bisschen Spaß haben, erklären sie dem Jungcoach, der seinen Kampfgeist rasch aufgibt.

Marie Curie

Mutter zweier Kinder, glückliche Ehefrau, zweifache Nobelpreisträgerin und das bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts? Das, was heute noch unwahrscheinlich klingt, gelang der Wissenschaftlerin Marie Curie. Den Namen kennt jeder, da damit die Entdeckung der Radioaktivität in Verbindung steht. Und auch sie wusste bereits um die heilbringende Wirkung dieser in der Krebstherapie. Wer aber war diese Frau, die das scheinbar Unmögliche wahr werden hat lassen?
Der Film „Marie Curie“ zeigt den kurzen Abschnitt zwischen den Nobelpreisen, handelt von den Siegen und Niederlagen dieser erstaunlichen Frau.
Er setzt mitten in ihrer Karriere ein: Marie Curie (Karolina Gruszka) forscht mit ihrem Mann Pierre (Charles Berling) in einem Pariser Labor, als die Wehen zur Geburt ihres zweiten Kindes einsetzen. Sie befindet sich am Höhepunkt ihrer Karriere. 1903 wurde ihr und ihrem Mann der Nobelpreis für Physik verliehen. Eineinhalb Jahre später fahren die beiden erst nach Stockholm, um den Preis entgegenzunehmen. Man sieht ein harmonisches Paar, das nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Freuden der Liebe im Bett miteinander teilt. Kurze Zeit später stirbt ihr Mann bei einem Unfall. Nun ist sie Alleinerzieherin zweier Kleinkinder. Sie geht täglich ins Labor, bewirbt sich als erste Frau um eine Professorenstelle an der Sorbonne, treibt Geld auf, um ihre Forschungen voranzutreiben. Sie begegnet viel Borniertheit und Frauenfeindlichkeit, aber auch Männern und Frauen, die ihre Intelligenz bewundern und sie unterstützen, darunter Albert Einstein. Und sie erlebt eine zweite große Liebe mit einem verheirateten Mann (Arieh Worthaler), die ihr fast die Karriere kosten wird. Die „Lonegrin Affaire“ wurde ein großer Skandal, als die Pariser Presse mit der Veröffentlichung von Liebesbriefen eine Hetzjagd gegen Marie Curie lostrat.
Marie Curie wird von Karolina Gruszka so gezeigt, als gäbe es für eine junge Frau Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nichts Selbstverständlicheres als Kinder alleine großzuziehen und eine Ikone der Wissenschaft zu werden. Sie lebt ihre Berufung in der Forschung, erzieht ihre Töchter in einem fortschrittlichen Geiste und leidet an Liebe und Verlust. Sie überwindet viele Hindernisse, nicht alle, aber sie schreitet mit eisernem Willen und festem Schritt voran und ist ihrer Zeit weit voraus: Sie weiß um ihre einzigartige Begabung, erhebt selbstverständlich Forderungen, die sie in ihrer Karriere voranbringen und erzieht in diesem Geiste ihre Töchter. Sie ist die einzige Frau, die in zwei Fachbereichen einen Nobelpreis gewonnen hat, und ihre älteste Tochter wird ihr 1936 mit dem Nobelpreis für Chemie nachfolgen.
Bemerkenswert, dass diese Erfolgsgeschichte von der französischen Regisseurin Marie Noëlle in einen schönen, berührenden Film umgesetzt wurde. So kann das Wirken von Marie Curie weite Kreise ziehen und vielleicht andere inspirieren.