Einmal Hallstatt hin und zurück

Was führt täglich Tausende, hauptsächlich sehr junge, perfekt geschminkte Mädchen und androgyne junge Männer aus Asien nach Hallstatt? Ist es nur die Sehnsucht nach dem Original? Sie kommen mit dem Zug angereist, warten geduldig in Zweierreihe auf die Überfahrt und haben von dem Moment, wo das Schiff startet, ihre Handys gezückt und fotografieren. In Hallstatt angekommen schwärmen sie in den kleinen Ort aus, um jeden Winkel des pittoresken Ortes festzuhalten. Ich habe gehört, dass die Hallstätter nicht mehr in Hallstatt wohnen, weil sie sich wie die Venezianer in Venedig fühlten, reißaus genommen haben und dem Fremdenverkehr den Ort übergeben haben. Und es dürfte stimmen. Der Ort, den ich aus meiner Jugend noch recht heruntergekommen und lieblich in Erinnerung habe, ist herausgeputzt, in jedes Haus ist ein Hotel und ein Restaurant eingekehrt mit dementsprechend hohen Preisen. Entlang der Hauptstraße reiht sich ein Kunsthandwerksladen an den nächsten, es gibt sogar einen Dirndl(kleid)-Verleih, auch eine Schnellimbissstube findet ihre zahlreichen Kunden. Dabei gibt sich der Ort wirklich Mühe, den Besuchern etwas von der großen Vergangenheit des Ortes zu zeigen. Es wären überall im Ort Schautafeln zu lesen, die auf das frühere Leben verweisen, es gäbe ein Museum, das zu besichtigen wäre und den steilen Aufstieg zum Salzberg, der mit elf Infotafeln in englischer und deutscher Sprache die große Vergangenheit und Bedeutung von Hallstatt zum Leben erweckt. Man liest über die Geschichte des Bergbaus, zu den Bergleuten, über die beschwerliche Arbeit der Trägerinnen und die Habsburger. Wer dem Rummel im Tal entkommen will, gehe diesen steilen, einsamen Serpentinenweg hinauf, zuerst über Treppen und dann durch den kühlenden Wald, immer wieder bietet sich ein herrlicher Ausblick. Oben angekommen, völlig verschwitzt, trifft man sie dann wieder die Massen, schick gekleidet und leichtbeschuht haben sie den Weg auf den Rudolfsturm über die Seilbahn genommen. Dann schnell ein Erinnerungsfoto auf dem spektakulären Aussichtsplateau, dem 2013 errichteten „Welterbeblick“ und wenn noch Zeit und Kraft bleibt die Salzwelten erkunden.

Wieder im Ort angekommen, reiht man sich am Landungssteg ein und hofft noch einen Platz auf der Fähre zu bekommen. Auf der Fahrt blickt man zurück auf Hallstatt, das seine Farbenpracht verloren hat. Ein Gewitter ist aufgezogen. Der Bahnsteig ist überfüllt, aber als der Zug nach Attnang abgefahren ist, sitzt man alleine da, verstört darüber, was man an diesem Montag im Juli 2017 in Hallstatt erlebt hat. Sogar der Topfenstrudel mit Vanillesauce hat anders geschmeckt.