Die Verlegerin

Der Film von Starregisseur Steven Spielberg mit den wohl besten Schauspielern unserer Zeit, Meryl Streep und Tom Hanks, führt uns in die Zeit des Vietnamkrieges und könnte nicht aktueller sein. Es ist die Geschichte der reichen Verlegerin Katharine „Kay“ Graham, die durch den Selbstmord ihres Mannes aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wird und an die Hebel der Macht gerät. Sie wird durch ihre mutige Entscheidung, die Pentagon-Papiere in der Washington Post zu veröffentlichen, der Pressefreiheit in Amerika einen wichtigen Dienst erweisen.

Nicht allzu schwer sind die Parallelen zwischen Amerikas heutigem Präsidenten und der liberalen Presse zu entdecken. Damals wie heute geht es darum, den Mächtigen auf die Finger zu schauen und Lügen aufzudecken. In den sechziger und siebziger Jahren jedoch scheinen die Verstrickungen zwischen Journalisten und Politikern komplizierter gewesen zu sein. Katharine (Meryl Streep) ist eine sehr gute Freundin von Ex-Außenminister McNamara, der die Pentagon-Papiere für die Nachwelt erstellen hat lassen. Ihr Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) hingegen war ein enger Freund von Jack Kennedy und anderen Präsidenten, eine Krähe kratzt der anderen wohl kein Auge aus. Umso mutiger kann man Grahams Entscheidung sehen, als sie die Veröffentlichung des Berichts über ihre Freundschaft und ihren Besitz stellt.

Dabei kann man sie lange nicht als feministische Vorkämpferin sehen. Erst die Schlussszene, nach dem Sieg vor dem Obersten Gerichtshof, als die Männer wichtige Interviews geben, geht sie nur von Frauen umringt, die breite Treppe hinunter und man erahnt, wie wichtig diese Frau sein wird. Denn ihre Bestimmung sah sie selbst lange Zeit in ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau eines genialen Mannes. Sie hatte nichts dagegen, als ihr Vater ihm die Zeitung vererbt, sie vertraut ihren Freunden in der hohen Politik bedingungslos und schickt ihren eigenen Sohn nach Vietnam. Bis ins Alter hinein gefällt sie sich in der Rolle der charmanten Gastgeberin für die Reichen und Mächtigen in Washington. Erst als erste Berichte über das Lügengebäude der Regierung über den Vietnamkrieg durchsickern, erkennt sie, dass auch sie von belogen worden ist. Erst jetzt merkt sie, dass sie als einzige Frau unter Männern keine Stimme hat. Erst jetzt beansprucht sie die Macht, die ihr als Herausgeberin zusteht.

Meryl Streep zeigt mit jedem Satz, mit jeder Geste, wie schwierig es war, sich als Frau Gehör zu verschaffen. Letztendlich trifft aber sie die Entscheidung, die Papiere zu veröffentlichen, mit klarer Stimme, aber unsicherem Ausgang. Dieser Prozess wird von Steven Spielberg und Meryl Streep atemberaubend in Szene gesetzt. Tom Hanks dient dabei als Katalysator, der für die Freiheit der Presse kämpft, aber bei einer Niederlage nur seinen Job verlieren würde. Die Verlegerin Graham riskiert alles: ihre Freiheit, die Zeitung und das Erbe ihrer Kinder. Die Chancen stünden fünfzig zu fünfzig, sagt sie einmal. Die Geschichte hat ihr Recht gegeben.

„Die Verlegerin“ zeigt, wie eine Frau ihre Bestimmung in einer von weißen Männern beherrschten Welt findet, erfrischend ist auch, dass sich Graham und Bradlee dafür nicht ineinander verlieben müssen. Und der Film ist eine Liebeserklärung Spielbergs an den unabhängigen Journalismus in Amerika. Thank you, Mister Spielberg!