The Girls

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Viele Mädchen, die in den siebziger Jahren erwachsen wurden, hatten einen Sehnsuchtsort: Kalifornien. Dort herrschte Freiheit, dort wurde gefeiert und die alte Gesellschaft über Bord geworfen. Der Roman „The Girls“ von der jungen Autorin Emma Cline zeigt uns einen Sommer lang, was möglich gewesen wäre und in Erinnerung an die Manson-Familie auch tatsächlich passiert ist.

Die 14-jährige Evie Boyd langweilt sich in ihrem schönen Haus in einem noblen Vorort von Los Angeles, das ihre berühmte Großmutter errichtet hat. Ihre frisch geschiedenen Eltern sind in neue Beziehungen verstrickt und sie hat außer einer langweilige Freundin niemanden, der ihr Beachtung schenkt. Dann aber begegnet sie den Girls und wird von der um fünf Jahre älteren Suzanne in den Bann gezogen: Die Mädchen tragen lange Haare, Hippiekleidung, sind dreckig, laut und gefährlich. Sie leben mit ihren Kindern in einem heruntergekommenen Bauernhaus in den Hügeln Kaliforniens mit Russel, einem verkannten Musiker und dem Guru der Gruppe. Sie stehlen, brechen in Häuser ein, nehmen Drogen, haben Sex und verachten die Spießer der bürgerliche Gesellschaft. Genau das ist es, was Evie fasziniert. Sie verfällt Suzanne mehr und mehr und verstrickt sich in die Abgründe menschlichen Handelns, die in eine bestialische Bluttat münden.

Der Roman wird als Rückblende von der bereits in die Jahre gekommenen Evie erzählt. Das ermöglicht uns, dass wir an den lebenslangen Folgen dieses kurzen Sommers 1969 teilhaben können. Wir erleben die kleine Welt der Protagonistin, ihre Sehnsucht nach Liebe, die Gefahren und auch ambivalenten Gefühle, die mit der Pubertät und dem Ausbruch einhergehen. Wir erkennen, wie abhängig Jugendliche von anderen sind, denen sie blind vertrauen. Auch wenn es nur wenige Monate sind, gibt das Buch einen authentischen Einblick in die Hippiezeit, in der alles möglich war und viele in Chaos und Tod gestürzt sind.

Die Atmosphäre der beginnenden siebziger Jahre mit dem Zusammenbruch konservativer Werte und Familienstrukturen wird in eine bilderreiche Sprache umgesetzt. Man befindet sich mitten drin und atmet den heißen Wind ein, der aus der Wüste herüber weht.

Die alte Evie spiegelt sich in einem jungen Mädchen wider, mit dem sie kurz in einem Ferienhaus zusammenlebt. Sie muss erkennen: Vieles und doch wenig hat sich im Leben von jungen Frauen seither geändert.