Samir, genannt Sam

Er ist der neue Shootingstar der niederländischen Literatur: Mano Bouzamour. In Amsterdam als Sohn marokkanischer Einwanderer aufgewachsenen, erzählt sein Buch „Samir, genannt Sam“, wie es ist, in dem Einwanderungsviertel De Pijp aufzuwachsen.

Die Geschichte endet mit der Matura von Samir, die er an einem Elitegymnasium abschließt. Damit hat er sein Versprechen, das er seinem Bruder gegeben hatte, eingelöst. Durch Begabung, die richtigen Gönner, aber auch Betrug kann er die Schule erfolgreich abschließen.

Was uns Bouzamour in dem stark autobiografisch geprägten Roman erzählt, ist, wie Samir diesen ungewöhnlichen Weg aus dem Ghetto in die Villen der Reichen schafft. Wie sehr sein Aufstieg mit einem verbunden ist: Bildung. Wie wichtig es ist, eine gute Schule zu besuchen, die richtigen Freunde zu haben, deren reiche Eltern ein armes Einwandererkind unterstützen. Wie sehr auch heute noch das Umfeld über Erfolg und Scheitern entscheidet.

Samirs älterem Bruder ist dieser Weg nicht gelungen: Er gerät auf die schiefe Bahn, wie viele andere Söhne der ersten Einwanderergeneration aus dem Viertel, die die Jagd nach dem schnellen Geld ins Gefängnis führt.

Die Eltern dieser Jungen leben schon seit Jahrzehnten im Land, können aber meist weder lesen noch schreiben, viele nicht einmal die Landessprache sprechen. Sie haben ihr marokkanisches Dorf zwar verlassen, nicht aber die Lebensweise von dort. Samir kann weder mit dem Islam noch mit den Werten, die die Eltern einfordern, etwas anfangen. Er will nicht in die Moschee gehen und beten, die lange ausgesuchte Braut heiraten, will sich nicht unterordnen und kuschen wie die Alten es tun. Stattdessen spielt er Klavier, trainiert seine Muskeln, um sich im Viertel Respekt zu verschaffen, geht auf Partys und verführt die reichen blonden Mädchen der Schule.

Er rast mit seiner Vespa zwischen den Welten hin und her, zwischen Luxus und Armut, zerrissen zwischen der Liebe zu seiner Familie und den Verlockungen der Reichen und Schönen. Wohin gehört er? Was muss er aufgeben? Wie wird er einmal leben?

All diese Fragen behandelt das Buch. Nichts wird beschönigt, teilweise beschreibt der Ich-Erzähler die dort herrschende Gewalt und Frauenfeindlichkeit so krass, dass alle bestehenden Ängste vor diesen Jugendlichen weit übertroffen werden. Ja, was in den Vierteln dort heranwächst, kann einem das Fürchten lehren.

Den Roman zeichnet eine bilderreiche Sprache aus, die sich aus großer Unmittelbarkeit und Wut nährt. Man ist mitten drin im multikulturellen Amsterdam und kann gespannt darauf sein, was uns von dort als Nächstes erreicht.