Der Film feiert in Amerika große Erfolge, da ihm gleichsam eine Identitätsstiftung für das „schwarze Amerika“ zugesprochen wird. Taugt der Film aber dafür? Und was hätte Nelson Mandela, der große südafrikanische Freiheitskämpfer, dessen Akzent die Schauspieler sprechen, darüber gesagt? Eines muss vorab gesagt werden: Alle wichtigen Rollen sind mit schwarzen Schauspielern besetzt, auch der Bösewicht Erik Killmonger.
Wakanda, der technologische fortschrittlichste Staat der Erde, liegt irgendwo in Ostafrika und dort besteigt gerade Prinz T`Challa den Thron, auf den wichtige Entscheidungen über die Zukunft des Landes warten. An der Oberfläche ist es ein Dritte-Welt-Land, aber im Inneren schweben Raumschiffe über riesige Wolkenkratzer. Der Fortschritt beruht auf dem magischen Metall Vibranium, das Entwicklungen ermöglicht hat, die in der übrigen Welt noch nicht einmal gedacht werden. Raumschiffe mit Überschallgeschwindigkeit, virtuelle Autos, Wunderwaffen, auch Black Panthers unzerstörbares Katzenkostüm ist daraus gemacht, ein lilafarbenes Kraut verleiht ihm zudem die Kraft des Black Panthers. Damit Wakanda in Frieden leben kann, hat es sich von der Welt abgeschottet, denn man fürchtet, dass die Entdeckung des Metalls den Zusammenbruch der friedlichen Gemeinschaft herbeiführen würde. Einerseits ist die Gesellschaft Wakandas der Welt weit voraus, andererseits ist sie noch tief in alten afrikanischen Riten und Herrschaftsvorstellungen verankert. Der König gibt seine Macht an seinen Sohn weiter, der durch einen speziellen Trank zum Superhelden wird. Er kann jedoch jederzeit zu einem Kampf herausgefordert werden, der an einem Wasserfall im Beisein des Volkes stattfindet, allein die körperliche Stärke entscheidet über Sein oder Nichtsein.
Sein Gegner Killmonger ist ein US-Amerikaner mit wakanischen Wurzeln, der ihn herausfordert, weil er mit Hilfe des Krautes eine schwarze Rebellion in seiner Heimat anzetteln will. Auch dafür gibt es historische Vorbilder.
So wird viel gekämpft und viel Blut im Namen der Freiheit vergossen. Der König unterliegt im Zweikampf und wird in den Abgrund gestürzt. Der Rest der Königsfamilie muss ins Exil gehen. Das Volk und das Heer verhalten sich dem neuen König loyal, so verlangt es die Tradition. Alle Hoffnung auf ein befreites Wakanda ruht nun auf den Frauen der Königsfamilie und einem CIA-Agenten.
Was erwartet man sich von einem schwarzen Superhero-Film? Ein Held, der mit übernatürlichen Kräften gegen das Böse antritt, ist gegeben, aber er ist im Vergleich zu dem charismatischen Killmonger allzu farblos und bieder geraten. Immerhin wird er von einigen klugen, starken Frauen unterstützt, ohne die er kein Held sein könnte. Seine kleine Schwester leitet das Hightech-Labor, sie ist ein technisches Genie, supercool, frech und fesch. Dann gibt es die Anführerin der glatzköpfigen Elitegarde, eine Amazone, die sich mit ihren Kämpferinnen furchtlos in den Kampf stürzt. Und als letzte sei noch die Geliebte des Prinzen erwähnt, eine Agentin, die im Ausland gegen alles Unrecht dieser Welt ankämpft. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese drei Frauen dem Prinzen die Show stehlen und ihn recht kümmerlich aussehen lassen. Im Gegensatz zu seinem Erzrivalen Killmonger, der gar keine Frauen braucht.
Der Rede kurzer Sinn: Mandela hätte sich für seinen Freiheitskampf wohl eine andere Gründungsgeschichte gewünscht, „Black Panther“ ist zu vorhersehbar und um Sinn bemüht. Nämlich eine Geschichte, die weniger von blutigen Machtkämpfen erzählt und mehr von Menschenwürde und wahren Führungsqualitäten. Ob der Film als „Leuchtfeuer für das schwarze Amerika“ taugt, wage ich zu bezweifeln. Aber vielleicht wollte der junge Regisseur Ryan Coogler ohnehin nur eine Superheldengeschichte drehen, die mit schönen Schauspielern, Farben und guter Musik unterhält. Das ist ihm definitiv gelungen.