Selbstausbeutung beenden: Strategien für ein erfülltes Leben

Stellen Sie sich vor, Sie hätten für Ihr Geburtstagfest 200 Euro zur Verfügung. Wo würde es stattfinden? In welcher Form? Wer würde daran teilnehmen? Schreiben Sie Ihre Gedanken dazu auf. Was das mit Real Self-Care zu tun hat, enthülle ich am Ende meines Beitrages.
Wenn man an die Verhältnisse in Amerika denkt, so sind Frauen in Österreich mehr als privilegiert: sie sind sozialversichert, es gibt Mutterschaftsurlaub und Väterkarenz, Krippen und Kindergärten, ein weitgehend kostenloses Bildungssystem, ein staatliches Pensionssystem und vieles mehr. Und trotzdem leiden viele Frauen an Überforderung, wenn sie Familie und Beruf zusammenbringen wollen und können oft nur durch massive Selbstausbeutung den stressigen Alltag bewältigen. Woran liegt das? Und was müsste geändert werden, um die Situation für Frauen auch hier in Österreich zu verbessern?


Die Psychiaterin Pooja Lakshmin bietet in ihrem Buch „Real Self-Care: A Transformative Program für Redefining Wellness” einige Vorschläge. Dabei geht es nicht um gängige Angebote wie Yoga, Meditation, Ayurveda, Reinigungskuren und Schaumbäder, die die Autorin als „False Self-Care“ bezeichnet, weil sie nur kurzfristig Erleichterung verschaffen, da sie von außen kommen. Eine Verbesserung der Situation könne nur erfolgen, wenn sie im Inneren stattfindet. Erst dann werde es zu fundamentalen Veränderungen kommen können. Leichter gesagt als getan, wenn man die täglichen To-do-Listen der Mühen des Alltags abarbeiten muss.
In ihrem Buch zeigt sie vier Prinzipien und viele Übungen, die zu einem guten, erfüllten Leben führen.

  1. Grenzen setzen und Schuldgefühle aushalten
    “Our entire system is built on the premise that women`s time doesn´t belong to them”
    Indem man Grenzen setzt (den Mitarbeitern, dem Chef, der Familie und allen Anforderungen, die an Frauen herangetragen werden), holt man sich Zeit und Energie zurück. Dabei gilt es, Schuldgefühle hintanzustellen und sich nicht verantwortlich zu fühlen für die Emotionen der anderen. Schuldgefühle sollten keine Entscheidungen bestimmen, denn sie dienten dazu, sich klein und abhängig zu fühlen. Um mit diesem Gefühl umgehen zu lernen, empfiehlt sie u. a. die Übung „Sushi Train“. Man steht als Köchin in der Mitte und sieht auf dem Laufband Sushis (Gedanken und Gefühle) vorbeiziehen. Betrachten Sie sie aus der Distanz und frage Sie sich, welche Funktion sie in Ihrem Leben haben und wohin sie Sie führen sollen.
  2. „Your are good enough“
    Sich mit Selbstmitgefühl begegnen, bedeutet, darauf zu achten, was man braucht und will. Wichtig ist, freundlich zu sich selbst zu sein, toxische Situationen und Menschen zu vermeiden oder zumindest einzuschränken. Die innere Kritikerin müsse eingedämmt („Ouch“), Perfektionismus aufgegeben und auf die Bedürfnisse des Körpers geachtet werden (sich eine Pause gönnen) und, was Frauen besonders schwerfalle, sie dürfen um Hilfe bitten.
  3. Seine Werte identifizieren und danach handeln
    Sein authentisches Selbst könne dadurch entwickelt werden, indem man sich seine Grundwerte bewusst macht und ihnen gemäß handelt. Dafür müssten Prioritäten gesetzt und Entscheidungen getroffen werden, wie man seine Zeit sinnvoll verbringt, indem man sich bei wichtigen Entscheidungen die Frage stellt: Was will ich wie und warum machen?
  4. Sich selbst Macht verleihen: Ich existiere und ich bin wichtig.
    Wenn man sich selbst mit Mitgefühl begegnet und das Steuer in die Hand nimmt, gewinnt man Macht über sein Leben und seine Entscheidungen zurück. Diese Macht gilt es zu nutzen, auch wenn sie relativ ist. Auch andere würden davon profitieren: „Giving back when you have power generates more power for everyone else”.
    Mit einfachen Worten zusammengefasst: Sein Leben danach auszurichten, was am wichtigsten ist, seine Zeit und Energie dorthin zu investieren, dass sie mit den eigenen Werten übereinstimmen, sich selbst ermächtigen, vor Entscheidungen eine Pause einzulegen („Yes“, „No“, „Negotiation“), so könne nach Lakshmin das ungerechte System, das Frauen die Hauptbürde der Care-Arbeit aufbürdet, sich zum Besseren wenden.
    Das alles werde nicht friktionslos ablaufen und es würden sich Widerstände auftun. Deshalb sei es wichtig, mutig voranzuschreiten und auch in Kauf zu nehmen, dass nicht alles perfekt ablaufen werde bzw. könne.
    Das Buch bietet eine Sicht auf die gesellschaftlichen Ursachen der Überforderung und welche Voraussetzungen es braucht, damit dies geändert werden könne. Es bietet viele Übungen, wie man sich selbst ermächtigen kann, zeigt, was man ändern kann und sollte. Es enthält eine Handlungsanleitung für Frauen, die sich aus gesellschaftlichen Zwängen und Anforderungen befreien wollen, um erfüllt und gesund leben zu können.
    Zurück zum Geburtstagsfest: Wenn Sie die Übung gemacht haben, werden Sie feststellen, welche Werte für Sie wichtig sind und sollten ab nun ihre Handlungen danach ausrichten.


					

„Führer und Verführer“ (Joachim A. lang, 2024)

Wenn man sich gerade in Berlin aufhält, dann trifft man überall auf die Zeit der Naziherrschaft. Wie in Wien laden Stolpersteine zum Hinabschauen ein, wer in diesem Haus einmal gewohnt hatte und wann und wo ermordet wurde.  Auch die Ausstellung „Berlin Global“ im Humboldt-Forum, die sich interaktiv der Frage widmet „Was ging und geht von Berlin in die Welt?“ widmet dem 2. Weltkrieg und einzelnen jüdischen Schicksalen einen „unruhigen, grauen und aufgebrochenen“ Raum. In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zeigt eine Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ und Peter Weiss` Theaterstück „Die Ermittlung“ aus dem Jahr 1965, das die Ausschwitz-Prozesse beschreibt, kam gerade als vierstündiger Ensemblefilm in die Kinos.

Hat man den Film „The Zone of Interest“ gesehen, der einem aufgrund des nicht gezeigten Grauens in Ausschwitz den Magen umdrehte, so glaubte man, dass es nicht mehr viele Möglichkeiten geben könnte, die „Banalität des Bösen“ filmisch darzustellen. So ging ich mit nicht allzu großen Erwartungen gestern am späteren Nachmittag in die Kulturbrauerei in den Film „Führer und Verführer“ von Joachim A. Lang. Ich muss einräumen, dass mich vor allem die österreichischen Schauspieler Robert Stadlober („Crazy“) als Joseph Goebbels und der viel beschäftigte Fritz Karl als Adolf Hitler motivierten, den Film zu sehen.  

Joseph Goebbels, Hitlers Propagandaminister und einer seiner engsten Vertrauten und seine Frau Magda (Franziska Weisz) mit ihren sechs Kindern genießen einen luxuriösen Lebensstil in Berlin, auch Magda hat eine freundschaftliche Beziehung zum Führer und ist immer wieder am Obersalzberg zum Essen eingeladen. Der Film zeigt die Jahre des Aufstiegs von Josef Goebbels im nationalistischem Terrorregime, die Beziehungsprobleme des Paares – Goebbels hatte immer außereheliche Liebschaften, die Magda nicht mehr akzeptieren wollte, eine Scheidung verhindert Hitler, weil er die Goebbels als Vorzeigefamilie für sein Volk braucht (nicht historisch verbürgt). Goebbels beherrscht sein manipulatives Handwerk perfekt und obwohl er anfangs nicht mit den Kriegszielen von Adolf Hitler übereinstimmt, hatte er das Volk ja auf Frieden eingestimmt, ist er loyal und befeuert seine Propagandamaschinerie, um Hitler uneingeschränkt an der Macht zu halten, bis zum bitteren Ende. Beide wissen, dass ihre Zeit vorüber ist und es kein Weiterleben für sie geben kann.

Was macht den Film so besonders? Einerseits ist es die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller: Robert Stadlober, nun auch schon über Vierzig, spielt Joseph Goebbels mit einer Vielschichtigkeit, die fasziniert. Er weiß genau, welche Propaganda, d. h. Lügen er einsetzen muss, um die Deutschen auf Hitlers Kriegs- und Vernichtungspläne einzustimmen. Am Anfang des Films hört man eine männliche Stimme, die 1942 ruhig und besonnen über den Kriegsverlauf spricht. Es ist der einzige heimliche Mitschnitt von Hitlers Stimme in einem privaten Rahmen. Die Stimme unterscheidet sich diametral von den hysterischen Reden, die Goebbels inszeniert, um Hitler die Aura eines charismatischen Führers zu geben. Jeder seiner Auftritte ist von seinem Propagandaminister genauestens vorbereitet, sei es nur, dass ein kleines Mädchen dem vorbeifahrenden Führer Blumen überreicht. Aber Goebbels erkennt auch die größenwahnsinnigen Pläne Hitlers, setzt ihnen aber nichts entgegen, weil er zu sehr auf seine Macht und seinen Einfluss bedacht ist.

Alte Wochenschau-Bilder sind mit Spielfilmszenen verknüpft, sodass die Übergänge nur zu erkennen sind, dass sie in Schwarz-Weiß gedreht wurden. Interviews mit Holocaustüberlebenden und Aufnahmen von amerikanischen Soldaten geben wieder, welche Folgen diese menschenverachtende Politik für die Opfer hatte. Sie erzählen, wohin der Wille zum totalen Krieg, die Propaganda von unwertem Leben und der Erweiterung des deutschen Lebensraums geführt hatte: 60 Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg getötet und das ganze jüdische Volk sollte „ausgerottet“ werden, wie Goebbels es in seiner Sportpalastrede bewusst als Versprecher ausspricht.

Nicht verwunderlich war, dass immer wieder Weinen im Publikum zu hören war und dass man anhand des Aufstiegs und der Propaganda von Goebbels erkennen konnte, dass diese historische Tragödie von Menschen gemacht wurde, denen es vor allem um Macht und Einfluss ging und denen alle Menschlichkeit abhandengekommen war.

Als wir bei der Führung „Berlin global“ gefragt wurden, wovor wir derzeit Angst hätten, antwortete eine Teilnehmerin: „Vor der AfD“.

Ein Satz von Promo Levi steht dem Film als Warnung voran: „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“.

Führer und Verführer

Haruki Murakami: Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

Schon der Titel ist sperrig: Man erwartet doch eher das Wort „unsichtbar“? Was es mit der ungewissen Mauer auf sich hat, erfährt man möglicherweise in dem Roman gar nicht. Denn Realität und Fiktion vermischen sich ineinander, die Übergänge verschwimmen wie die Figuren in einem Nebel von Ungewissheiten.

Die Handlung ist rasch zusammengefasst. Ein Siebzehnjähriger ist unsterblich in eine Sechzehnjährige verliebt, die ihm von einer fiktiven Stadt erzählt, in der ihr wahres Ich lebt. Nach einigen Spaziergängen am Fluss einen Sommer lang ist sie plötzlich verschwunden. Der namenlose Erzähler wird diese erste große, unschuldige Liebe niemals vergessen und sich zeitlebens nach ihr sehnen. Er studiert und ist viele Jahre im Buchhandel in Tokyo erfolgreich tätig, hat Liebschaften, bleibt aber ein Einsamer, da er für sich keine Frau findet, die dem jungen Mädchen gleicht.

Eines Tages findet er sich in der Stadt der ungewissen Mauern wieder, wie er dorthin gelangt ist, ist ungewiss, der Torwächter empfängt ihn und verätzt seine Augen, da er nun als Traumleser tätig sein wird. Dort trifft er das junge Mädchen wieder, aber sie erkennt ihn nicht mehr, da er gealtert, sie aber jung geblieben ist. Sie bereitet ihm  täglich einen Tee für seine schmerzenden Augen zu, er darf sie abends nach Hause begleiten, that’s it. Er ist eine raue und trostlose Stadt, die Menschen sind arm, essen nur einmal am Tag und tragen zerschlissene Kleidung, es gibt keine Bücher und kein Zeitempfinden. Die Einzigen, die die Stadt verlassen können, sind die Einhörner, aber die meisten verenden auf schreckliche Weise, wenn es Winter ist. Man muss beim Betreten der Stadt seinen Schatten abgeben, der ab nun von dem Torwächter bewacht wird und langsam stirbt. Dieser bittet den Erzähler flehentlich, die Stadt wieder zu verlassen und in seine alte Welt zurückzukehren, was ihm auf gefährliche Weise auch gelingt. Dort findet er sich aber nicht mehr zurecht, er kündigt seinen Job und bewirbt sich für eine Stelle als Bibliotheksleiter in der kleinen Stadt Z. in der Präfektur Fukushima.

Realität und Fiktion werden hier wieder verwoben, es taucht ein freundlicher Geist auf und ein Junge mit einem gelben Pullover, der eines Tag spurlos verschwindet und den er in der Stadt mit den ungewissen Mauern wiederfindet.

Auch wenn man als Leserin zeitweise den Überblick verlieren und sich fragen könnte, was nun wirklich ist und was nicht, folgt man den Erzählsträngen der beiden Welten und der meditativen Sprache des Romans gerne. Alles fließt letztlich ineinander, ergibt (k)einen Sinn und ist kunstvoll gestaltet.

Man wird sich fragen müssen, wofür dieser Sehnsuchtsort „Die Stadt und ihre ungewissen Mauern“ steht, dem die Figuren im Roman verfallen, der sich dann doch aber als unwirtlicher Ort entpuppt und nicht als Paradies.

Was auffällt ist, dass die männlichen Figuren unter der Kälte und Einsamkeit der Gesellschaft leiden. Sie sind anders und können sich nicht einfinden in dem ständigen Druck, der ihnen von außen auferlegt wird, sie sehnen sich nach Liebe, Erlösung und Zugehörigkeit. Fast alle sind begeisterte Leser und haben von Berufs wegen mit Literatur zu tun. Weibliche Figuren spielen hingegen nur eine Nebenrolle, sie werden begehrt, sie verschwinden, begehen aufgrund widriger Umstände Selbstmord oder haben sich ganz in sich verschlossen.

Murakami schreibt in einem Nachwort, dass der Stoff dieses Romanes eine gleichnamige Kurzgeschichte ist, die er 1980 veröffentlicht hatte. Vierzig Jahre lang sei er damit unzufrieden gewesen, denn er habe als junger Mann noch nicht die schriftstellerischen Fähigkeiten besessen, den Stoff auf künstlerische Weise zu bewältigen. Erst in der Zeit der Pandemie, als er drei Jahre lang fast gänzlich zurückgezogen in seinem Haus lebte, konnte er die Geschichte in eine für ihn passende Form bringen. Dass Realität und Fiktion so sehr ineinandergreifen, könnte ein Hinweis darauf sein, wie sehr die Welt damals aus den Fugen geraten ist und die Grenzen zwischen innen und außen verschwommen sind. Die Einsamkeit der Menschen ist nie so sehr ins Auge gerückt, wie damals, eine ungewisse Mauer, als man glaubte in einem Traum zu leben, der aber erschreckende Realität war.

Wie Murakami es ausdrückt: „Die Wahrheit liegt nicht im unveränderlichen Stillstand, sondern im steten Wandel. Das ist das Wesen des Erzählens, wie ich es sehe.“

All The Beauty And The Bloodshed (Laura Poitras)

Ich wartete seit ewigen Zeiten auf diese Dokumentation. Sebastian hatte sie mir schon im September 2022 dringlich nach seinem Marathonbesuch bei den Filmfestspielen in Venedig ans Herz gelegt. Nach dem Goldenen Löwen und dem Oscar für den besten Dokumentarfilm nutzte ich gleich die erste Gelegenheit Anfang Juni, um die Premiere in Wien zu besuchen. Im Filmcasino gab Felix Hoffmann, Leiter von Arsenal Wien, eine kundige Einführung, der mit der Künstlerin selbst in Berlin zusammengearbeitet hatte. Das vollbesetzte Kino versank tief in das Leben und Wirken von Nan Goldin, einer berühmten amerikanischen Fotografin und Aktivistin. Jedoch war die Zeit für diesen Text noch immer nicht reif. Es brauchte noch einen ganzen Monat und einen erneuten Kinobesuch, das stete Schluchzen meiner Sitznachbarin, um mich an die Veröffentlichung zu wagen.

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht Goldins Kampf gegen die mächtige Familie Sackler, die mit ihrem Medikament Oxycontin der Opoidkrise in den USA den Weg bahnte. Dieses Medikament, das nach Operationen als Schmerzmittel eingesetzt wird, führt rasch in eine starke Abhängigkeit, der in den USA bereits 500 000 Menschen zum Opfer gefallen sind und noch immer fallen. Die Familie Sackler hatte damit ein Milliardenvermögen gemacht und unterstützte mit großzügigen Beträgen berühmte Museen, Theater und Universitäten. Als Gegenleistung schmückte der Name Sackler ganze Abteilungen von Museen. Dagegen trat Nan Goldin und ihr Verein PAIN an. Sie veranstalteten Aufsehen erregende Kunstaktionen in den Räumen und vor den Museen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Millionen, mit denen Kunstförderung betrieben wird, Blutgeld sind, womit Menschen mit ihrem Leben bezahlt haben. Als Symbol dafür dienten orange Pillendöschen, Rezepte von Oxycotin, die wie Schneeflocken von den Rängen des Guggenheim- Museums flatterten, Aktivisten, die leblos am Boden lagen und Sprechchöre.

Der zweite Erzählstrang der Dokumentation ist dem Leben und künstlerischem Schaffen von Goldin gewidmet. Die Motive der weltberühmten Fotografin waren immer Freunde und Bekannte aus der queeren Szene zunächst in Boston, dann in New York. Nan Goldin, die aus einer dysfunktionalen Familie stammt, litt ein Leben lang unter dem Selbstmord ihrer 17-jährigen Schwester Barbara. Um nicht ebenso traumatisiert zu werden wie die Schwester, rät ein Psychiater ihrem Vater sie zu einer Pflegefamilie zu geben, die sie aber bald verlässt. Sie findet ihre eigentliche Familie dann in der queeren Kunstszene. Sie fotografiert ihre Freunde in allen Lebenssituationen und gibt ihnen so Sichtbarkeit, Schönheit und Würde. Denn, wie Goldin in der Dokumentation erzählt, waren in den siebziger Jahren die Repressalien so groß, dass sich ihre Freunde tagsüber nicht auf die Straße trauten, weil sie Angst haben mussten, verhaftet oder verprügelt zu werden. Um ihre Kunst zu finanzieren, arbeitet sie als Stripperin in New Jersey und als Prostituierte. Aids wird viel Leid und Sterben über diese Gemeinschaft bringen. Als Nan Goldin eine Kunstaktion veranstaltet, um auf die Aidstragödie und das massenhafte Sterben aufmerksam zu machen, kommt es zu heftigen Protesten von Seiten konservativer Kräfte und es werden Unterstützungsgelder gestrichen. Aber auch dagegen wird lautstark auf den Straßen protestiert.

Das Leben von Nan Goldin ist mit ihren Kunstaktionen verwoben, ihre Bilder halten die Schönheit und Zerbrechlichkeit ihrer Community fest. Nan Goldin ist ihrer Zeit weit voraus: Niemand hielt es damals für wichtig, Bilder aus dem Leben von queeren Menschen zu zeigen. Es ist ein großes Vermächtnis, das die Künstlerin geschaffen hat und wohl nur wenige der jungen Menschen im Kino können sich wohl vorstellen, wie fremd und unsichtbar diese Welt noch in den neunziger Jahren in Österreich war.

Nan Goldin fotografierte sich selbst beim Sex, als schwer misshandelte Frau mit blutunterlaufenen Augen, erzählt von ihrer Drogenabhängigkeit und ihrer Überdosis, die ihr fast das Leben gekostet hätte und vom Selbstmord ihrer Schwester, der in der Familie ein Tabu war. Die Künstlerin versucht zu ergründen, warum sich ihre Schwester mit 17 Jahren vor den Zug gelegt hat. War es eine Geisteskrankheit oder waren es die Verhältnisse, die ihre jugendliche Rebellion im Keim erstickten und in schweren Depressionen endeten? Nan Goldin wird den Kampf ihrer Schwester gegen Konformität und Repression wieder aufnehmen und erfolgreicher weiterführen. Denn die Freude der Aktivisten ist groß, als bekannt wird, dass der Name der Familie Sackler aus vielen großen Museen dieser Welt verschwunden ist und dass ein große Summe Geld an die Opfer gezahlt werden muss.

Laura Poitras gelingt es einfühlsam, diesen Weg spannend zu dokumentieren und uns ein Portrait einer Frau zu zeigen, die mit ihren Bildern und Worten den Schmerz und die Schönheit eines Künstlerlebens offenbart. Man hätte ihr noch stundenlang zuhören können. Auch beim zweiten Mal.

Jonathan Franzen: Crossroads (2021)

Crossroads
  1. Der Titel des Romans „Crossroads“ von Jonathan Franzen bezieht sich auf eine kirchliche Jugendorganisation in den siebziger Jahren in einem Vorort von Chicago. „Crossroads“, gegründet von dem charismatischen Rick Ambrose, hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Mitglieder radikal offen und ehrlich miteinander umgehen. Nicht mehr das Wort Gottes steht im Mittelpunkt, sondern Gott soll in der Liebe und Unterstützung zueinander erlebt werden.
  2. Der Titel ist mehrdeutig: Die Familie Hildebrandt, von der der Roman handelt, befindet sich ebenfalls an einem Wende- und Scheidepunkt (Crossroads). Die Hildebrandts wollen gute Menschen gemäß den Lehren des Christentums sein, ehrlich und aufrichtig, und kommen in Bedrängnis mit ihrer unaufgearbeiteten Vergangenheit und den Begierden und Wünschen, die das Leben für sie bereithält.

Die Hildebrands bestehen aus Vater Russ, überzeugter Pazifist, der zweiter Gemeindepfarrer von New Prospect ist und in einer Midlife-Crisis steckt, seiner Frau Marion, die eine frustrierte Hausfrau ist und ihr Leben ändern will und den vier gemeinsamen Kindern: Clem, der bereits auf dem College ist und nun in den Vietnamkrieg ziehen will, seiner siebzehnjährigen Schwester Betty, eine noch unberührte Cheerleaderin, die sich in einen vergebenen Musiker verliebt, dem fünfzehnjährigen hochbegabten Perry, der dealt, um seinen wachsenden Drogenkonsum zu finanzieren und dem 8-jährigen Jay, der kaum zu Wort kommt.  Die Hälfte des Romans spielt an einem einzigen Tag, dem 23. Dezember 1971, einem Tag vor Weihnachten. Von Kapitel zu Kapitel erfährt man aus der Perspektive eines Familienmitgliedes Genaueres über seine Geschichte, welche Konflikte er hat und wie es ihm Familiengefüge geht.

Russ kommt aus einer strengen Mennonitengemeinde, aus der er verstoßen wurde, weil er die „geschiedene“ Marion heiratet, die er nun nicht mehr begehrt, weil sie dick und unattraktiv geworden ist. Es gibt jedoch in der Gemeinde eine junge Witwe, der er den Hof macht, weil er sich nach sexueller Erfüllung sehnt. Seine Frau weiß davon und arbeitet bei ihrer Psychiaterin ihr Jugendtrauma auf, um wieder eine freiere Sicht auf die Möglichkeiten in ihrem Leben zu bekommen. Allen drei Kinder, Clem, Becky und Perry, stehen große Veränderungen bevor, die ihre Zukunft zeichnen werden. Die weiteren 400 Seiten, vor allem Ostern 1972, die Zeit in einem Ferienlager bei den Navajos in Arizona, widmet Franzen den Entwicklungen innerhalb der Familie, im Epilog Ostern 1974 kommen noch einmal alle Familienmitglieder zusammen, weil Russ seine Stelle in New Prospect aufgibt und eine neue antritt.

Die genaue Zeichnung der Charaktere und ihrer Gewissenskonflikte macht das über 800 Seiten lange Buch lesenswert. Mit jedem Kapitel erfährt man mehr über die Figur, erkennt die Spuren, warum sie so geworden ist und das vorgezeichnete Scheitern aufgrund der rigorosen Moralvorstellungen im Kopf und den Möglichkeiten der Zeit. Es wird wenig kommuniziert innerhalb der Familie, jeder ist mit seinen eigenen Träumen und seinen Lügen so sehr beschäftigt, dass es keine Zeit für ein ehrliches Miteinander gibt. So schreitet jeder seinem eigenen Glück bzw. Unglück entgegen.

Jonathan Franzen deckt mit viel Einfühlungsvermögen und Menschkenntnis die Verlogenheit in dieser streng christlichen Gemeinschaft und Familie auf, in der es nicht um Nächstenliebe und Dienen, sondern vor allem um Macht, Egoismus und Betrug geht.  

Der Roman greift viele Themen auf: Vietnam, Indianerreservate, Umweltschutz, Unterprivilegierte, Drogen, Ehe, Frauenemanzipation, Liebe und Hass, Unversöhnlichkeit, Scham und Vergebung, zeigt auf, dass vieles komplexer ist, als man es oberflächlich erahnen würde. Diese streng christliche Familie zeigt in den siebziger Jahren schon gewaltige Risse und da Franzen eine Trilogie mit dem vielversprechenden Titel „Einen Schlüssel zu allen Mythologien“ versprochen hat, ist man neugierig, wie sich die Welt der Hildebrandts und somit die Figuren des Romans weiterentwickeln werden. Man wartet gespannt, welches Leben vor allem die vier Hildebrandtkinder in den weiteren Jahrzehnten erwartet, welche Chancen sie ergreifen und welche Niederlagen sie erleiden.

Franzen hat mit „Crossroads“ ein Sittenbild der siebziger Jahre gezeichnet, das einen in den Bann zieht, da es so weit weg ist und doch so nah. Es lässt die Welt der Siebziger auferstehen, ohne Internet und Handy, mit all seine Chancen und Nöten, der beginnenden Psychologisierung und Wachsamkeit den eigenen Gefühlen und Lebensmöglichkeiten gegenüber. Wie wird die Familie Hildebrand die weiteren Jahrzehnte erleben, welche Themen der Zeit wird Franzen aufgreifen? Um es mit einem Satz zu sagen: Es wird spannend und man freut sich auf die Fortsetzung der maroden Familiengeschichte.

  • 3. Möglichkeit der Deutung des Titels: Bezug nehmend auf den Bluessong „Crossroads“ von Robert Johnson und das Cover des Romans hier die kraftvolle Version von „Cream“ aus dem Jahre 1968, als die Hippies Frieden und Freiheit in die Welt verkündeten.
Cream: Crossroads

A Promised Land

Barack Obama: A Promised Land

Nicht, dass das Buch eine kurze Freizeitbeschäftigung wäre, denn die deutsche Ausgabe mit dem vielversprechenden Titel „Ein verheißenes Land“ umfasst 1024 Seiten und die Kindle-Version in Originalsprache zeigt stolze 64 Stunden an, auch für eine ambitionierte Leserin wie mich ein wochenlanges Unterfangen. Was bekommt man dafür?

Einen guten Einblick in die politische Karriere von Barack Obama, beginnend mit dem Wahlkampf 2008 und den ersten vier Jahre seiner Präsidentschaft bis 2011. Man kann teilhaben an wichtigen Entscheidungen, von der Finanzkrise 2008/2009, die mit hoher Arbeitslosigkeit und dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes einherging, bis zur Ermordung des Erzfeindes Osama bin Laden. Er lässt uns miterleben, was im Weißen Haus passierte in dieser Zeit, die man selbst nur durch österreichische Medien vermittelt bekam. Man ist hautnah dabei, blickt hinter die Kulissen von historischen Ereignissen, viele sind heute schon fast in Vergessenheit geraten, und ist dann doch sehr überrascht, wie schwierig und komplex die Ereignisse von Washington aus zu bewältigen waren, immer im Hinterkopf, dass es keine perfekten Entscheidungen gibt. Man begleitet einen Präsidenten, der sich nicht nur innenpolitisch, sondern auch außenpolitisch permanent in einem Krisenmodus befand, Entscheidungen treffend bzw. veranlassend, die mehr oder weniger das Leben vieler auf der ganzen Welt berührten.

Beginnen wir mit seinem Wahlkampf: Kaum jemand hätte es ihm zugetraut, als Politneuling innerhalb von wenigen Jahren an die Spitze der Macht zu kommen und die Hürden waren enorm. Nicht nur seine Frau Michelle leistete erbitterten Widerstand, sondern auch viele in der Demokratischen Partei und nicht zu vergessen, die gegnerische Partei, die bis ans Ende seiner achtjährigen Amtszeit ihm jedes nur mögliche Hindernis in den Weg legte. Mit großer Spannung verfolgt man diesen Wahlkampfkrimi und bewundert nicht nur den hohen Kraftverschleiß der tausenden von Wahlkampfauftritten, sondern vor allem die vielen höchst engagierten und begabten Menschen um ihn herum, die ihm mit Rat und Tat Tag und Nacht zur Seite standen. Und immer wieder reflektiert Obama über dieses Geschehen, über seine Siege und Niederlagen, über falsche Entscheidungen und Verletzungen, die er erlitten oder anderen zugefügt hat. Eines wird aber von Anfang an klar: Hier ist ein Sieger unterwegs, dem es auf fast magische Weise gelingt, andere und vor allem viele junge Menschen für sich und seine Vision von Amerika als ein verheißenes Land zu begeistern. Was viele nicht für möglich gehalten haben: Obama wird mit einem großen Vorsprung zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Der Jubel und die Freude bei seinem Auftritt mit seiner Familie in Chicago sind überwältigend. Fast hat es dein Eindruck, die Beatles wären auferstanden. Mit dem Umzug ins Weiße Haus nimmt der Zug eine Geschwindigkeit auf, die atemberaubend ist. Die wichtigsten Posten müssen mit fähigen Leuten besetzt werden, loyale Mitarbeiter gefunden und viele von ihnen sind in Obamas Alter mit noch kleinen Kindern zuhause. Stellt man seine ganze Zeit und Energie in den Dienst des Präsidenten oder schenkt man sie Frau und Kindern? Denn die Herausforderungen an sein Team sind enorm: die Finanzkrise hatte Millionen Jobs gekostet und vielen Menschen Hab und Gut genommen, eine Krankenversicherung für alle Amerikaner musste unter vielen Widerständen verhandelt und durchgesetzt werden. Über falsche Entscheidungen, die getroffen wurden, die Hilfspakete, die geschnürt wurden, dass er und sein Team zu Wallstreet nah gehandelt hätten, über Einwände und Zweifel in Bezug auf seine Politik lässt er den Leser / die Leserin nicht im Unklaren. Er ist zur Selbstkritik fähig und zeigt, dass das Weltgeschehen von Menschen bestimmt wird, die zwar möglicherweise aus bestem Wissen und Gewissen handeln, aber nicht frei von falschen Entscheidungen und Handlungszwängen sind. Nach der Finanzkrise hält die „Deepwater Horizon“ die ganze Nation in Atem, über 800 Millionen Öl strömten über Monate hinweg in den Ozean und führten zur schwersten Umweltkatastrophe in der Geschichte. Darauf folgte die Griechenlandkrise, die die ganze Weltwirtschaft abermals schwer in Mitleidenschaft zog, die allgegenwärtige Klimakrise, der Arabische Frühling, und immer in der vordersten Front die Kriege in Irak und Afghanistan und sein im Wahlkampf gegebenes Versprechen, den Krieg dort zu beenden, dazu die Probleme, Guantánamo zu schließen und auch Donald Trump bekommt mehr und mehr politisches Gehör mit seiner kruden Theorie, dass Obama nicht im Land geboren sei. Vieles lässt sich nicht so rasch lösen wie erhofft, auch dem mächtigsten Mann der Welt sind Grenzen der Macht gesetzt. Und am Schluss berichtet er von dem intensiven Geheimdienstbemühen auf die Spur von Osama bin Laden zu kommen und ihn zur Verantwortung für die Opfer von 9/11 zu ziehen. Dass dies nach jahrelangem Bemühen gelingt, bezeichnet er als großen Sieg seiner Präsidentschaft und damit endet auch der erste Teil seiner Autobiografie.

Es ist eine fesselnde Lektüre, die einen gefangen nimmt und mitreißt. Schon immer eine große Bewunderin von Obamas Redetalent, kommt nun dazu, dass er auch kluge Biografien schreiben kann. Die Mischung aus Privatem und Politischen, Ernst und Humor, Stärke und Schwäche macht das Buch besonders lesenswert.

Als er von seiner Frau erfährt, dass er den Friedensnobelpreis bekommen habe, fragt er lakonisch: „For What?“

Tschick – ein Roman, der unter die Haut geht

Dies ist eine Rezension von Elena Janic, die unseren Wettbewerb zum Thema Jugendbuch gewonnen hat. Herzliche Gratulation!

Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow, zwei vierzehnjährige Jungen, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, begeben sich in einem alten Lada auf eine Reise voller Gefahren und Abenteuer, bewältigen gemeinsam Hindernisse, lernen neue Menschen kennen, werden durch Probleme zusammengeschweißt und schließen dadurch eine tiefgehende Freundschaft.

Beide Protagonisten kommen aus vernachlässigten Elternhäusern und suchen verzweifelt nach sich selbst: Tschick, der russische Wurzeln hat, im Ghetto lebt und asozial ist, kompensiert dies mit täglichem Konsum von Alkohol. Er kommt mitten im Schuljahr in Maiks Klasse, ist nicht sehr gesprächig und erscheint täglich betrunken im Unterricht. Nüchtern ist dieser jedoch hochbegabt und schreibt gute Noten. Maik, der zwar im Überfluss geboren und aufgewachsen ist, jedoch von seinen Eltern komplett im Stich gelassen wird, in der Schule gemobbt und als Psycho bezeichnet wird, zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Seine Introvertiertheit und sein Mangel an Selbstbewusstsein halten ihn ebenfalls davon ab, Tatjana, einem Mädchen, auf das er schon seit Jahren heimlich steht, seine Gefühle zu offenbaren oder in irgendeiner Art mit ihr zu kommunizieren. Da er aber weiß, dass diese bald Geburtstag hat, fertigt er in mühevoller und stundenlanger Arbeit eine Zeichnung ihrer Lieblingssängerin an und plant, sie auf ihrer Geburtstagsparty damit zu überraschen. Als jedoch alle außer ihm und Tschick eine Einladung erhalten, zerreißt er die Arbeit. Nachfolgend fährt seine Mutter in die Entzugsklinik und sein Vater auf Geschäftsreise mit seiner zwanzig Jahre alten Assistentin. Er lässt Maik 200 Euro da und informiert ihn, dass er die restlichen zwei Wochen alleine verbringen wird. Emotional völlig am Boden verbringt dieser den Rest des Tages im Garten, bis Tschick in einem alten Lada in der Auffahrt auftaucht und ihn dazu auffordert einzusteigen. In diesem Moment beginnt die Geschichte erst richtig und nimmt zügig an Fahrt auf – im wahrsten Sinne des Wortes. Der schrottreife Lada droht jeden Moment in sich zusammenzubrechen und bietet kaum genug Platz für die beiden Jugendlichen noch für ihr Gepäck. Doch weder dies noch die brütende Hitze hält die beiden Vierzehnjährigen davon ab, sich ins Ungewisse zu begeben. Auf ihrer Reise begegnen sie nicht nur sehr schrägen, sondern auch freundlichen und hilfsbereiten Menschen, welche das Weltbild der Jugendlichen auf den Kopf stellen beziehungsweise  komplett ändern. Sie landen in den abgelegendsten Teilen Deutschlands und reisen über kaum mehr begehbare Feldwege. Ständig auf der Flucht vor der Polizei und anderen, die sie als Kinder entlarven könnten.

Die Coming-of-Age-Road-Novel handelt jedoch nicht nur von Abenteuern der beiden, sondern thematisiert auch ernste Themen, wie zum Beispiel: Drogen, Sex, Kriminalität, ein schlechtes familiäres Umfeld und weitere. Wie vorher schon erwähnt, stammt Tschick aus einem zerrütteten Elternhaus, weshalb auch beschrieben wird, wie der Jugendliche mit dieser Situation umgeht und sich in Folge dessen verhält. Wie man also sieht, ist dies kein gewöhnlicher Jugendroman, sondern eine lehrreiche Lektüre für das zukünftige Leben. Oftmals war ich während des Lesens auch zu Tränen gerührt, woran das traurige Schicksal des Autors, Wolfgang Herrndorf, nicht ganz unbeteiligt ist. Bei diesem wurde nämlich in jungen Jahren ein Hirntumor diagnostiziert, woraufhin er sich selbst das Leben genommen hat. Doch ist der Roman nicht nur traurig, sondern auch originell und vergnüglich und ich war etliche Male zutiefst amüsiert. „Tschick“ ist eine Roadnovel für jedermanns Geschmack und ein echtes Lesevergnügen, welches ich vollstens empfehlen kann.

Über mich

Mein Name ist Elena Janic und ich besuche derzeit die fünfte Klasse einer AHS in Wien. Ich bin leidenschaftliche Leserin und schreibe in meiner Freizeit sehr gerne. Zwar habe ich schon viele Schreibprojekte gestartet, manche auch beendet, aber noch nie etwas veröffentlicht, was ich in der nächsten Zeit aber unbedingt ändern will. Meine Leidenschaft gegenüber dem Lesen habe ich schon in jungen Jahren durch Harry Potter und die Tintenwelt-Triologie entwickelt, welche in den folgenden Jahren durch weitere fantastische Bücher noch gesteigert wurde.