
Wir waren bereits bis Frankfurt gekommen und saßen im Flugzeug. Dann begann das Warten; der Kapitän informierte, dass über Porto, der größten Stadt in Nordportugal, dichter Nebel läge, weshalb sich unser Abflug um eine Stunde verzögere. Schließlich waren es fast vier.
Porto zeigt sich dann doch noch von der sonnigen Seite, die beiden Schwesternstädte Porto und Vila Nova da Gaia liegen in die Hügel hineingeschmolzen, nur vom Fluss Douro getrennt. Befindet man sich im Zentrum, geht es hinauf und hinab, Lärm und Staus begleiten einen. Die Stadt ist zu klein geworden für die vielen Touristen aus aller Welt, die in der Altstadt von Porto unterwegs sind, um den bis nach oben hin gekachelten Bahnhof Sao Bento und die über der Stadt thronende Kathedrale zu bestaunen. Von dort hinunter zur eindrucksvollen Ponte Dom Luis I und der Kirche Sao Francisco, deren barocke Innenausstattung so überladen ist, dass man davor zurückschreckt. Umso stilvoller ist die Börse von Porto, in der ein Schlagzeuger um sein Leben trommelt, sodass der „Maurische Saal“ nur bei geschlossenen Türen seine ganze Pracht entfalten kann.

Der zweite Morgen beginnt wieder im dichten Nebel. Nun geht es in nach Guimaraes, Weltkulturerbe und erste Hauptstadt des Königreiches Portugal. Das Kastell und der Palast, oberhalb der Stadt, noch immer mächtig und uneinnehmbar. Ein Rundgang in der Altstadt führt uns vorbei an wackeligen mittelalterlichen Häusern und farbenprächtigen Gauklern, die den Largo de Toural beleben.



Weiter geht es nach Braga, ein schmuckes barockes Städtchen, wo eine Kathedrale und ein Bischofspalast uns erwarten. Aber die Schönheit des Tages ist die Wallfahrtskirche Bom Jesus da Monte, die nicht nur über eine bequeme Straße oder eine alte Standseilbahn zu erreichen ist, sondern auch über eine monumentale barocke Zickzacktreppe mit über 581 Stufen. Am Abend führt man uns in die Geheimnisse der Portweinerzeugung in der Kellerei Sandeman ein mit anschließender hochprozentiger Verkostung.

Der dritte Tag bringt uns zunächst über Aveiro, ein kleinen Städtchen mit bunten Fischerbooten, großen Gondeln gleich, nach Coimbra, einer alten Universitätsstadt, in der eine hübsche Studentin im Talar Bleistifte der Universität feilbietet. Dann geht es zur Christusritterburg nach Tomar, deren älteste Teile auf die Templer zurückgehen, hier bestaunen wir die „Charola“, die Gebetskapelle der Tempelritter. Nun sind wir gerüstet für Fatima, das wir an einem sehr kalten, windigen Spätnachmittag erreichen. Von den hunderttausenden Pilgern auf dem größten Kirchenvorplatz der Welt ist nichts zu sehen, er ist fast menschenleer. Nur einige wenige Pilgerinnen rutschen auf Knien den langen Weg zur Kathedrale hinunter, damit die Jungfrau Maria ihre Bitten erhöre.

Nach der Besichtigung der Klöster Batalha und Alcobaca, letzteres war lange Zeit das geistliche Zentrum Portugals und gilt als die größte Kirche des Landes, gelangen wir nach Obidos, in ein schmuckes mittelalterliches Städtchen, das von einer intakten Stadtmauer umgeben ist, deren Begehung nicht ungefährlich ist. Trotz heftigen Regens und Sturms machen wir uns auf, um zum Cabo da Roca zu fahren, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes, aber hier ist kein Verweilen möglich. Ab ins vibrierende Lissabon, das Leben und gute Laune verspricht.

Aber Belem, das Torre de Belem, das Denkmal der Entdecker, und das riesige Hieronymus-Kloster versinken in Nieselregen und Menschenschlangen, sodass man gleichsam durchgehetzt wird und sich mit einer Gruppe von Italienerinnen einen Kampf um drei kümmerliche Toiletten liefern muss. Dann hinauf zum Kastell Sao Jorge mit schönem Ausblick über die Stadt, hinunter durch die engen Gassen der Alfama in die Baixa. Anschließend Besuch der Oberstadt, des Künstlerviertels, in dem wir auf einen jungen Musiker treffen, der mit gewaltiger Stimme das Publikum mit Songs von Simone Simon bis hin zu kapverdischen Volksliedern anrührt. Und dann endlich der ersehnte Fadoabend, die Musiker haben noch immer Freude und Spaß am Singen und Musizieren. Beschwingt und versöhnt durch diese künstlerischen Darbietungen verlassen wir am nächsten Tag die portugiesische Hauptstadt.

Nun tasten wir uns immer weiter in den Süden vor, wir fahren durch den Alentejo, vorbei an gerade geernteten Korkeichen und kilometerlangen Olivenhainen und Weinbergen, werden eingeweiht in das Leben und Werk von Jose Samarago, des portugiesischen Literaturnobelpreisträgers und in die Politik von Salazar, gehen durch die Altstadt von Evora, besteigen den Turm der gotischen Kathedrale und erreichen am 7. Tag unserer Rundreise endlich die Algarve, bei Sonnenschein, tiefblauem Atlantik und warmen Temperaturen. Am Cabo Sao Vicente bildet sich eine lange Schlange bei der „Letzten Bratwurst vor Amerika“, dann erreichen wir die Festung Sagres, von Heinrich dem Seefahrer errichtet, der uns die ganze Reise begleitet hat. Jetzt, nach so vielen beeindruckenden Kirchen, Kathedralen, Klöstern, Festungen und Burgen, nach so vielen spannenden Vorträgen über portugiesische Geschichte, Eroberer, Kultur, Politik und Wirtschaft hat man den sehnlichen Wunsch, die bizarre Steilküste entlangzuwandern, Sonne und Wind im Gesicht zu spüren und dankbar zu sein für diese erlebnisreiche Reise durch Portugal im September 2024.
