Es beginnt mit einem Säuferleben: Party, Girls und vor allem Alkohol. Das Trinken ist John Callahan (Joaquin Phoenix) bereits zu Beginn des Films ins Gesicht geschrieben, die Stimme verschwommen, der Blick glasig. Seine Sauftouren wollen nicht enden, Tag und Nacht ist er auf der Suche nach dem Rausch und Kumpanen, die ihn dabei begleiten. Mit dreizehn Jahren habe es begonnen, wird er später erklären und die Schuld dafür seiner Mutter geben, die ihn nicht haben wollte. Volltrunken wird dann eines Nachts Auto gefahren und plötzlich liegt er im Krankenhaus und kann seinen Körper nicht mehr spüren. Querschnittslähmung. Jetzt ist er bei jedem Handgriff auf Hilfe angewiesen, nicht einmal eine Whiskyflasche kann er mehr öffnen, geschweige denn aufs Klo gehen oder sich waschen. Jetzt bricht die Verzweiflung über sein vermurkstes Leben erst richtig herein, die er weiterhin mit Alkohol ertränkt. Es treibt ihn von einer Flasche zur nächsten und in genauso rasendem Tempo jagt er mit seinem Rollstuhl die Gehsteige und Kreuzungen entlang. Jetzt winkt ihm der Tod in Form von Akrobaten ganz offen zum Fenster herein und auch er kapiert endlich: sterben oder trocken werden. Und damit beginnt seine Rettung.
Gus Van Sant erzählt in „Don´t Worry, He Won´t Get Far on Foot“ die wahre Geschichte von John Callahan, die dieser in seiner gleichnamigen Autobiographie niedergeschrieben hat. Er wählt den Ausschnitt, als dieser von seiner Alkoholsucht und deren Überwindung berichtet. Das geht nicht ohne Anstrengung, aber auch nicht ohne menschliche Zuwendung. Dass Callahan sich aus den Klauen des Teufels Alkohol befreien kann, verdankt er in erster Linie seinem Mentor Donnie (Jonah Hill) und seiner Gruppe bei den Anonymen Alkoholikern. Und er entdeckt sein künstlerisches Talent als Karikaturist. Und einen Anteil hat natürlich die Liebe, die ihm in der schönen Physiotherapeutin und engelhaften Flugbegleiterin Annu (Rooney Mara) begegnet.
Joaquin Phoenix spielt die Hauptrolle und vermag es meisterhalt, die unerfüllten Sehnsüchte, die jemanden in den Alkohol treiben, zu veranschaulichen. Es ist ein ständiges Treiben am Abgrund, zwischen Leben und Tod, um dem Schmerz, der in ihm festsitzt, nicht spüren zu müssen. Erst über das Zwölf-Schritte-Programm und Donnie werden die Schichten des Selbstmitleids abgetragen und der Punkt erreicht, wo die Depression und Selbstzerstörung ihren Ursprung haben. Es geht um Verwundungen in der Kindheit, um Verzeihen und Selbstliebe, die ihn schließlich in ein suchtfreies Leben führen. Und er als Querschnittsgelähmter schert sich keinen Deut um politische Korrektheit. Immer wieder trifft sein Spott auch Behinderte. Wobei seinen Cartoons und seinem Wirken als Künstler nur relativ kurze Ausschnitte in dem Film gewidmet sind. Die meiste Zeit ist der Regisseur mit den Auswirkungen des Alkoholismus beschäftigt, wobei nicht immer klar ist, in welcher Zeit wir uns gerade befinden. Dieses Hin-und Herspringen zwischen den Siebzigern und Achtzigern mutet willkürlich an und verwirrt. Zudem fehlt das Bindeglied, woher Callahan seine bitterbösen Karikaturen speist. Aber der kaputte Phönix Callahan steigt so geläutert aus der Asche, wie der sanftmütige Hippie Donie in ihr verbrennt. Allein deswegen kann man über die Mängel des Films hinwegsehen.