Die Angst geht um in Amerika: Texas 13. 2 – 1. 3. 2025

Als ich nach zweieinhalb Wochen Amerika bei klarem Sternenhimmel im Salzkammergut ankam, erwartete mich Dunkelheit, Schnee und Kälte. Als ich Houston am frühen Nachmittag des Vortages verlassen hatte, gab es sommerliche 27 Grad, der Rasen und die Blumen mussten bereits bewässert werden. Was hatte ich dort erlebt und was ist aus dem „Trumpland“ zu berichten? Hier einige wenige Eindrücke:


Fährt man mit offenen Augen und Ohren durch Texas, so scheint alles seinen normalen Gang zu nehmen. Auf den löchrigen Autobahnen rasen Menschen in zerbeulten Trucks in den Tod, in den Supermärkten wird eingekauft, als ob eine Hungersnot drohe, die Regale sind zu jeder Tageszeit bestens bestückt, nur an Eiern scheint es wegen des Ausbruchs der Vogelgrippe zu mangeln. Die teuren Restaurants und Bars sind immer ausgebucht, Menschenschlangen am Eingang und freundliche Kellnerinnen signalisieren, dass ein gemütliches Verweilen nicht erwünscht ist.
Auch die Oper von Houston war ausverkauft, sie empfing die Besucher beschwingt in der Lobby mit einer elegant gekleideten Sängerin samt Klavierspieler, die Gäste hatten sich in Ballkleidung herausgeputzt, waren aber ein bisschen weniger schick als bei uns. In der „WestsideStory“ wurde hervorragend getanzt und gesungen, kein Vergleich zur vielgelobten Volksopernproduktion, die einem nun leblos und inhaltsleer vorkam. Der tosende Schlussapplaus war schnell vorbei, denn alle hasteten hinaus, vorbei an Dutzenden von Obdachlosen, die in den Straßen und Unterführungen rund um die Oper ihr trauriges Nachtquartier aufgeschlagen hatten. Nicht nur hier werden wir daran erinnert, dass es auch ein Amerika der völligen Armut gibt.

Gemeindezentrum Alief

Natürlich wurde wieder dem NeighborhoodCenter von Alief in Houston ein Besuch abgestattet. Ein modernes Gebäude mit weitläufigem Park und Schwimmbad, mit vielen Sportmöglichkeiten und Fortbildungskursen, ganz von der Gemeinde finanziert und völlig kostenlos. Jung und Alt trifft sich hier, die Jungen draußen, um Fußball, Basketball oder Tennis (Pickleball) zu spielen, die älteren Semester drinnen, um zu Tanz-, Qi Gong-, Golden Crane oder Fortbildungskursen zu eilen oder den Valentinstag in Festkleidung ausgelassen zu feiern. Für die ärmeren Mitglieder der Gemeinde gibt es auch ein freies Mittagessen. Eine riesige Turnhalle mit einem bestens ausgestatteten Fitnesscenter steht all denen zur Verfügung, die sich an die Hausregeln halten, dafür sorgt ein allgegenwärtiger stämmiger Security mit Waffe.

Im oberen Stockwerk lockt eine futuristische Bibliothek und ein bestens ausgestatteter Computerraum mit vielfältigem Programm vom Mystery Book Club bis zum 3D Printer Workshop. Interessant wird sein, ob dieses Center die vielen Budgetkürzungen, die derzeit überall in den USA in Windeseile durchgezogen werden, überleben wird. Ja, die Angst vor steigenden Preisen und drohender Arbeitslosigkeit habe ich in Gesprächen immer wieder vernommen. Das Department of Education bietet einmalig 15 000 Dollar bei freiwilliger Kündigung an, 4 Milliarden Dollar sollen bei der Finanzierung von Forschung und Universitäten eingespart werden, vom Stopp der US-Auslandshilfen und deren Auswirkungen ganz zu schweigen, mit denen u. a. im vergangenen Jahr weltweit 1,1 Milliarden Kinder geimpft werden konnten.

Austin

Also auf nach Austin, auf den Campus der Universität von Texas. Hier werden nur 5 Prozent der besten AbsolventInnen der Schulen Texas aufgenommen und die Konkurrenz um die Aufnahme ist gnadenlos. Hat man es jedoch an die UT Austin geschafft, dann befindet man sich in bester Gesellschaft. Tausende stark motivierte junge Menschen gehen gut gelaunt von einer Vorlesung zur nächsten, fast alle schlank und rank in Sportbekleidung, denn es gibt am Campus ein umfassendes Fitnessprogramm den ganzen Tag über, ein Zentrum für mentale Gesundheit, das die StudentInnen bei Krisen unterstützt und wenn sich eine Studentin nachts nicht nach Hause traut, kann sie ein Golf Cart samt Fahrer anfordern.
Am Beginn des Campus steht das Blanton Museum of Art, von hier geht man die „Yellow Brick Road“, auch „Speedway“ genannt, hinauf zu den einzelnen Fakultäten, vorbei an vielen Ständen, die für alles Mögliche Werbung machen. Hier bietet sich die Möglichkeit, Haustiere zu streicheln, mehr über LGBTQ mit dem markigen Slogan „Join us in hell“ zu erfahren oder einer christlichen Organisation beizutreten. Der Geist des jugendlichen Aufbruchs ist so stark zu spüren, dass man sich wünscht, man könnte dort sofort zu studieren anfangen.

Vom Campus aus kann man durch großangelegte Parks in die Lyndon Baines Johnson Library § Museum gehen, ein monumentales Gebäude, in dem alles Wissenswerte über US-Präsident Lyndon B. Johnson und seine Zeit zu erfahren ist. Hier ist sein Originalbüro aus dem Oval Office zu sehen und hätte man Zeit, würde man alle Gesetze studieren, die er auf den Weg gebracht hat. Hat man noch Lust das Wirken seiner Frau Lady Bird Johnson zu erkunden, dann fahre man in den Botanic Garden of Texas, der die Besucher über die Vegetation von Texas aufklärt und dem Naturschutz dient. Im Park treffen wir auf eine Schulklasse, die einer Höhle entsteigt und dann auf den Weg ist, um zur Quelle nach Barton Springs zu fahren. Auch in Texas wird von engagierten BiologInnen Schulkindern die Wichtigkeit von Umwelt- und Wasserschutz vermittelt.
Wer nun genug über Savannen und Pflanzen in Texas weiß, kann sich auf einen der vielen Wanderwege unweit der Hauptstadt begeben. Sehr empfehlenswert und ähnlich den Wiener Stadtwanderwegen mit Blick auf eine wunderschöne Stadt.

Weihnachtswunder (Texas 24. 12. 2023 – 5. 1. 2024)

Westtexas

Seit vielen Jahren reisen wir zu dritt durch die Welt: wir waren in Asien, Amerika und besuchten viele Länder in Europa. Nun scheint dies ein natürliches Ende zu finden. All das wurde uns während unseres Weihnachtsurlaubs bewusst, als wir zu viert im Westen Texas unterwegs waren, der von gewaltigen Naturschönheiten zeugt, aber auch von großer Armut, verwaisten Autobahnen durch verlorene Landschaften, von der Wüste und wilden Tieren. Davon will ich berichten.

Der Ausgangspunkt war wieder einmal Houston, das man von Wien aus nach einem 14-stündigen Flug erreicht. Die viertgrößte Stadt Amerikas ist von vielspurigen Autobahnen durchschnitten, auf denen vor allem Trucks unterwegs sind. Will man ein Sandwich kaufen, fährt man in rasendem Verkehr mindestens 20 Minuten auf einer dieser unzähligen Stadtautobahnen, um in einen Park zu gelangen, nicht weniger als 30 Minuten. Es scheint, dass immerzu Hundertausende Autos von da nach dort fahren, um irgendetwas an einem weit entfernten Ort zu besorgen. Ja, hier besuchen wir am Weihnachtsabend das wirklich wohlhabende Viertel, dessen Häuser so geschmackvoll und ästhetisch beleuchtet sind, dass wir mit Tausenden anderen im Stau stehen. Kommt man dann in die Viertel der nicht mehr ganz so Reichen, ufert die Festbeleuchtung aus, wird überbordend und kitschig. Mir wurde gesagt, dass die Besitzer dort beleuchten müssen, wenn nicht, sei eine Strafe zu bezahlen.

Die erste Station unserer Reise ist Fredericksburg, eine von Deutschen gegründete Stadt, die eine schmucke Architektur aufweist und in der laut Reiseprospekt noch Deutsch gesprochen wird. Wir gehen die Straßen auf und ab, besuchen Lokale und Shops und vernehmen kein einziges deutsches Wort, nach dem wir uns so sehr sehnten.

Brewery Fredericksburg

Also weg, hinein in die Wüste, zu einem einsamen Prada Shop im Nirgendwo, natürlich Fake und ein Kunstwerk, vorbei an Valentine, der für mich ärmsten Stadt der Welt mit seinen kümmerlichen 78 Einwohnern, über einen Abstecher in die Künstlerkolonie in Marfa zurück nach Alpine, einer Universitätsstadt mitten in der Wüste. Hier wird, wie in ganz Westtexas Spanisch gesprochen, denn man ist der Grenze sehr nahe und es wird überall gewarnt, Autostopper mitzunehmen, es könnten Flüchtlinge sein. Überraschend ist, dass es immer wieder eine „Border control“ gibt, an der wir unsere Pässe herzeigen müssen und befragt werden, was wir in diesem unwirtlichen Teil der USA wollten. Schaut man in die unendliche Weite hinein, ist der Gedanke, dass irgendwer die Hitze, Grenzzäune, Posten und Trockenheit überwinden könnte, völlig abwegig, sogar im Winter. Wir hingegen suchen das Abenteuer und haben eine Zeltübernachtung in der Wüste gebucht, mit Lagerfeuer und riesigem Bett, kuschelig warm und zu einem stolzen Preis. Glamping heißt diese Form von Luxus, so übersteht man auch eine Nacht bei Minus vier Grad im Zelt und wacht erholt und sicher am nächsten Morgen auf, denn an diesem schönen Tag wird im Nationalpark „Big Bend“ eine Wanderung unternommen.

Wer Einsamkeit und wilde Tiere sucht, kann sie hier finden, gemeinsam mit einer Landschaft, die einem den Atem verschlägt, so schön und fremdartig breitet sie sich vor unseren Augen aus. Danach wird die Ghosttown Terlingua, eine ehemalige Minenstadt, besucht, dort essen wir, bärenhungrig von der anstrengenden Wanderung, die besten Enchiladas der Welt. In Alpine, wo wir übernachten, geraten wir in ein Konzert von zwei Gitarristen, die spanische Lieder singen und träumen davon, welche Sehnsucht in ihnen verborgen ist.

Am nächsten Morgen geht es vorbei am riesigen Lake Amistat, an unzähligen Publik Storages und Werbungen für „Breakfast all day“, „Margarithas to go“ und „Learn to code – get hired“ nach San Antonio, das wir schon auf einer früheren Reise besucht haben. Hier gehen wir in den „Botanischen Garten“, eine Augenweide und mit stolzen Eintrittspreisen. Wir können uns nicht sattsehen an den blühenden Pflanzen, lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und bewundern die fröhlichen, stilvoll gekleideten spanischen Familien, die im Garten Ruhe und Erholung suchen.

Danach brechen wir auf, nach langer Fahrt kehren wir zurück nach Houston, das wir begleitet von einer Schar von Schutzengeln, dankbar, alle Gefahren überstanden zu haben, wohlbehalten am letzten Tag des Jahres erreichen. Wir sind zurück in der hellbeleuchteten Zivilisation und im rauschenden Stadtlärm. Auch davon gibt es noch einiges zu berichten …