Reiseeindrücke aus dem ehemaligen Ostblock

3. – 14. August 2017

Während meiner Studienzeit in den frühen achtziger Jahren besuchte ich Ostberlin, Prag und immer wieder das sich wirtschaftlich öffnende Ungarn. An den Grenzen wurde man streng kontrolliert und von da an konnte man auch als Besucherin an jeder Ecke spüren, was Kommunismus bedeutete. Die Supermärkte luden nicht zum Einkaufen ein, der Mode fehlte der Chic, die Städte waren grau und verfallen, die Hotels triste Bettenburgen und das Personal so motiviert, dass man froh sein konnte, wenn überhaupt ein bescheidenes Mahl serviert wurde. Über Politik wurde mit einer jungen Frau aus dem Westen nicht diskutiert. Die Beklemmung war allerorts spürbar und beim Grenzübertritt ins kapitalistische Österreich zurück atmete man hörbar auf. Man fühlte sich wieder in der Freiheit angekommen. Was hat sich seit dem Fall des Eisernen Vorhanges 1989 verändert? Anhand einiger ausgewählter Stationen meiner Reise werden einige Eindrücke mitgeteilt. Beginnen wir unsere Reise in Berlin:

Zunächst geht es auf ein Schiff, das uns bei Regenwetter rund um den Wannsee führt. Das Wetter könnte nicht treffender sein. Vorbei an der grauen Villa, in der im Januar 1942 die Endlösung der Judenfrage von hochrangigen Vertretern der nationalsozialistischen Regierung beschlossen wurde, weiter zu den leuchtenden Villen, in denen die Siegermächte des 2. Weltkrieges, unter der Führung Churchills, Stalins und Trumans, während der Potsdamer Konferenz Quartier bezogen hatten. Hier, in dieser mondänen Welt mit Blick auf den idyllischen Wannsee wurde die akribische Organisation der Ermordung der europäischen Juden geplant und im Juli / August 1945 die Teilung Deutschlands und der Anfang des Kalten Krieges gestartet. Der geschichtsträchtige Wannsee war für uns kein Ort zum Verweilen und wir flüchteten zurück in das leichtlebige junge Berlin.

Wie sehr das geteilte Deutschland in den letzten dreißig Jahren zusammengewachsen ist, zeigt die Gedenkstätte in der Bernauer Straße. Dort, wo einst der Todesstreifen verlief, geht man nun eine 1,4 Kilometer lange Freifläche entlang und wird durch Bilder und Text über die Mauer informiert: an den Bau, an Menschen, die beim Fluchtversuch gestorben sind, an Fluchttunnels, an Stäbe rostenden Stahls, an ein 70 Meter langes Originalmauerstück, an wichtige Ereignisse, die in der Bernauer Straße stattgefunden haben.

Der Weg führt uns zur Kapelle der Versöhnung, einem runder Lehmbau auf den Fundamenten der 1945 gesprengten Versöhnungskirche. Hier kann man einkehren, um der Opfer zu gedenken und für den Frieden zu beten. Rings um die Kapelle sind Weizenfelder angelegt, sie bieten nicht nur einen sonnigen Anblick, sondern stehen auch symbolhaft für den Prozess der Veränderung. Als Nächstes kehre man ins 2009 errichtete Besucherzentrum ein und nehme viel Zeit mit, denn es gibt hier viel zu erfahren. Augenzeugen berichten vom Alltag vor, während und nach dem Mauerbau, sie erzählen von ihren Hoffnungen, die sie in Kennedy gesetzt und wie wenig sie sich von den Politikern der BRD unterstützt gefühlt haben. In der ersten Zeit verabredeten sich die Menschen an der Mauer, um sich gegenseitig zuzuwinken. Man kann die Rede des empörten Willy Brandt hören, der den Mauerbau mit schärfsten Worten verurteilt und die Grenzsoldaten auffordert, nicht auf ihre deutschen Brüder zu schießen. Wer einen tieferen Einblick in die Geschichte der Teilung Berlins bekommen will, für den ist diese Gedenkstätte ein unbedingtes Muss, der Rummel am Checkpoint Charlie zieht zwar die Massen an, ist jedoch zu Show und Business verkommen. Hier kann jeder Besucher spüren, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind und mit allen Mitteln zu verteidigen sind.

Unsere Reise wird der 2. Weltkrieg und seine Folgen weiterhin begleiten, im nächsten Blog besuchen wir Weimar und Dresden. Seien Sie gespannt, welcher Welt wir dort begegnen.