DISPLACED – Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien
Was gibt es in dem größten Flüchtlingsheim Österreichs zu sehen, das in Spitzenzeiten bis zu 1500 Refugees Aufnahme gewährt hat?
Was tun mit 90 0000 Menschen, die im letzten Jahr ihren Weg zu uns gefunden haben? Sie aus Flugzeugen ins Meer werfen, auf Almen bzw. in Hinterhöfen am Land verstecken?
Es gibt Alternativen: Menschen, die ihnen beim Einleben helfen und uns Hoffnung geben, wie es zu schaffen ist.
Was ich bei meinem Besuch im Flüchtlingsheim Vordere Zollamtsstraße 7 gelernt habe:
- Nehmen Sie zwei hochkompetente Arabisch und Farsi sprechende junge Frauen vom Roten Kreuz, die langjährige Auslandserfahrung haben, Sitten und Gebräuche der Ankommenden kennen und übertragen Sie ihnen die Leitung des Hauses. Es werden Strukturen aufgebaut werden, die Sicherheit, Ordnung und ein friedliches Miteinander garantieren. Alle Eingänge werden von freundlich aussehenden Menschen besetzt sein, immer Mann und Frau in grauen Erkennungsjacken, die streng kontrollieren, wer womit das Haus betritt und zudem abwechselnd als Patrouillen im Haus unterwegs sind. Es gelten klare Regeln, welches Verhalten man erwartet, kleinste Verstöße (siehe Taubenfüttern) werden bestraft.

- Laden Sie eine Architekturlehrveranstaltung ein, in diesem Fall das TU-Projekt „Displaced – space for change“. Ursprünglich als Festivalgebäude geplant, wurde das leerstehende Gebäude in der Zollamtsstraße im Zuge der Ereignisse zum Aufnahmequartier umfunktioniert, zunächst waren die verwaisten Büros mit nichts als blauen Feldbetten und Decken vom Roten Kreuz ausgestattet. Das reicht zum Schlafen, zu mehr nicht. Die Studenten schufen mit wenig Mitteln Kommunikations- und Beschäftigungsräume, die Sinn und Abwechslung in den deprimierenden Flüchtlingsalltag bringen. Ein leuchtendes, farbenfrohes Vintage-Cafe, eine gemütliche Bibliothek, eine Werkstatt zum innoativen Möbelbauen aus Resten wurden eröffnet, Nähmaschinen zum Ausbessern und Neuschneidern angeschafft, zum Deutschlernen Räume mit Tischen, Bänken und einer Tafel bestückt und eine pensionierte Kindergärtnerin von Kindern gefunden, die jetzt ein Spielzeugparadies zur Verfügung haben. Für das Kleiderlager im Keller zimmerte man gemeinsam Regale, schneiderte knallige Vorhänge als Umkleidekabinen und bepflanzte den grauen Innenhof. Diese „kleinen räumlichen Interventionen“, manchmal nur ein Nagel, machen einen großen Unterschied aus und zurecht wurde dieses Uni-Projekt Anfang Mai mit dem Preis „Sozialmarie 2016″ ausgezeichnet.
Viele namenlose Menschen zeigen in Österreich ihre Solidarität und Menschlichkeit. Machen Sie die Projekte bekannt und schicken Sie die Botschaft ins Land hinaus!
©a.achilles 2016