Als ich am Freitagnachmittag zum Ödensee komme, wundere ich mich über die vielen Menschen und Heurigenbänke, die um die Kohlröslerhütte aufgestellt sind. Auf einem Tisch entdecke ich das Schild:

Der Tisch bleibt leer, denn die Musiker/innen haben sich schon in den VIP Bereich im oberen Stock zurückgezogen, eine ausgelassene Stimmung zurücklassend. Einem braungebrannten Hochzeitspärchen, lese ich am nächsten Tag in der Zeitung, wurde nach der Fanwanderung um den See ein Ständchen gesungen.
Also auf zum Open Air am Samstag nach Grundlsee, das einem, von Mitterndorf kommend, zuerst zu einem weit entfernten Parkplatz und von dort mit anderen den Weg hinaufführt, viele in Lederhosen und speziellen SEER-Hüten. Die Atmosphäre ist bereits um halb sechs aufgeheizt von Alkohol und Vorfreude. Im Open Air Gelände angekommen, beeindrucken die gewaltige Bühne und die drei Tribünen, die Tausende von Menschen fassen. Am Hang, noch in warmem Abendlicht, sammeln die Stehplatzgäste ihre Kräfte für einen langen Abend. Die Vorgruppen bieten exzellente Musik, die Gruppe High South aus Nashville sendet Countrymusic zum Grundlsee hinab und Backenstein hinauf und Hot Chocolate heizt mit funkigem Rock den eintrudelnden Massen mächtig ein. Langsam füllen sich die Stehplätze aus den Sonnenrängen auf. Um Punkt neun betreten DIE SEER die Bühne und ihre ausverkaufte Show „Nur das Beste“ kann beginnen. Da ist es schon dunkel und alle freuen sich darauf. Zweieinhalb Stunden werden sie singen von „Hoamatgfühl“, „Sehnsucht nach Grundlsee“, „Hätt di gern bei mir“, „Voglfonga“, „Eiskristall“, von Liebe, Natur und Gemeinschaft, ganz unverkrampft und frei von jeglichen Vereinnahmungen. All dies kann man in Zeiten wie diesen gut gebrauchen und die Menschen spüren, dass etwas Tieferes verborgen ist in den Liedern mit den Titeln „Wilds Wossa“ und „Junischnee“. Und wenn man von der Tribüne aus über die Masse von wogenden Händen, tanzenden, sich umarmenden und küssenden Menschen sieht, versteht man, warum DIE SEER in den letzten 22 Jahren Jung und Alt, Klein- und Großgewachsenen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum begeistern konnten. Mehrmals weisen sie darauf hin, dass sie an diesem Ort auf einem Traktor vor 200 Menschen begonnen haben und nicht im Traum daran zu denken war, dass so ein Großereignis einmal möglich sein werde. Und bei diesen Worten hat der Gründer der Band, Alfred Jaklitsch Tränen in den Augen und eine brüchige Stimme. Und sie sind ihm nicht zu verdenken, wenn man die vielen glücklichen Menschen um ihn herum sieht. Nicht wenig hat dazu die Landschaft und Menschen, aus denen er seine Inspirationen nimmt, beigetragen. Und natürlich nicht zu vergessen, die beiden Sängerinnen, Astrid Wirtenberger und Sabine Holzinger, deren Stimmen zusammenklingen, als wäre ABBA wiedervereinigt. Und gerade Sassy, wie sie immer angesprochen wird, hat eine so gewaltige Stimme, die Tausende so in ihren Bann ziehen kann, dass es plötzlich mucksmäuschenstill wird. Mit „Kim guat hoam“ werden wir verabschiedet, bevor Hunderte Raketen aufsteigen und ein imposantes Klangfeuerwerk den Himmel verzaubert.
Dann ist es Zeit zu gehen, es geht gegen Mitternacht zu, eine beeindruckende Masse von Menschen und Autos wälzt sich friedlich den Weg hinunter, wir verirren uns im Wald, werden aber gleich von großen Lichtkugeln und Ordnern auf den richtigen Weg zum Parkplatz gelotst. Ein berührender Abend ist zu Ende gegangen.
Danke, SEER, danke, Grundlsee!



