Natürlich hatte ich zum ersten Mal vom Widerstand im Salzkammergut während meiner Studienzeit in den achtziger Jahren gehört. Damals dachte ich, das Thema wäre sicherlich eine Diplomarbeit oder Dissertation wert. Diese schrieb der Bad Ausseer Historiker Helmut Kalss in den Nullerjahren an der Universität Graz.

Die Neuauflagen von „Widerstand im Salzkammergut“ von Helmut Kalss, „Salzkammergut – Ausseerland. Widerstand und Partisanenbewegung 1943- 1945“ von Peter Kammerstätter, Ausschnitten aus der Dokumentation „Ich habe nur meine Pflicht getan“ (1988, Gestaltung Max Stelzhammer) wurden am Nationalfeiertag im Kur- und Amtshaus in Altaussee präsentiert. Günther Kaindlstorfer moderierte, viel Prominenz war anwesend und die Veranstaltung wurde von der Sigl Hausmusi stimmungsvoll untermalt. Der Abend hätte nicht widersprüchlicher sein können.
Breiter Widerstandsbegriff
Auf die Frage, welche Voraussetzungen der Widerstand im Ausseerland hatte, nannte Helmut Kalss die Ausseer Mentalität als konservativ und liberal, das Tragen von Trachten, die Brauchtumspflege und enge Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen seien identitätsstiftend gewesen und hätten der nationalsozialistischen Ideologie entgegengewirkt („Eine gewisse Gelassenheit gegenüber Obrigkeiten“).
Welcher Art der Widerstand im Ausseerland war, kam in der anschließenden Diskussionsrunde rasch auf. Viele hätten sich nach dem Krieg als Widerstandskämpfer geoutet, obwohl Teile der Bevölkerung der Meinung waren, dass es keine Widerstandsbewegung gegeben habe, da nur einige Regimegegner im Gebirge versteckt wurden. Man einigte sich auf einen breiten Widerstandsbegriff, es habe keinen militärischen Widerstand gegeben, aber eine „im Entstehen begriffene Partisanengruppe“ und individuellen Widerstand wie demonstrativer Kirchenbesuch, Gehorsamsverweigerung, Sabotage, Absentismus, Schwarzhören, antinazistische Äußerungen… Am gefährlichsten für die beteiligten Menschen war, dass Regimegegner (ab 1945 Freiheitskämpfer genannt) versteckt wurden.
Resi Pesendorfer
In der Anfangszeit hatten vor allem Kommunist*innen die Bewegung getragen. Gegen Ende des Krieges unterstützten immer mehr Menschen über alle Parteigrenzen hinweg den Widerstand, dabei spielten Frauen eine wichtige Rolle. In der Dokumentation „Ich habe nur meine Pflicht getan“ berichtet die Kommunistin Resi Pesendorfer, wie sie mit großem Einsatz und unter Lebensgefahr Quartiere für aus Gefängnissen oder KZ geflohene Genossen gesucht, sie bei sich versteckt und in den Bergen mit Nahrungsmitteln versorgt hatte: „Einen ganzen Tag bin ich herumgerannt bei den Genossen, ob sie nicht einen Freiheitskämpfer (gemeint ist Sepp Pleiseis) behalten würden.“ Dabei kam den Frauen zugute, dass man ihnen von Seiten des nationalsozialistischen Regimes wenig zutraute, und Pesendorfer hatte sich geschworen, dass sie die Nazis niemals kriegen würden. Sie leistete Kurierdienste und war im ganzen Salzkammergut als Netzwerkerin unterwegs.
Laut den Aussagen von Alois Straubinger, dem die Flucht aus dem Gefängnis gelang, war es der Widerstandsbewegung wichtig, mehr Sympathisanten zu gewinnen, die bereit waren, die Bewegung zu unterstützen und sei es nur, dass man eine Lebensmittelmarke abgab. Das oberste Ziel der Widerstandsbewegung im Salzkammergut – an die 600 Personen – sei gewesen, Voraussetzungen für ein unabhängiges Österreich zu schaffen und eine friedliche Übergabe des Ausseerlandes an die Alliierten zu gewährleisten, was auch gelang.
Unschätzbare Kunstwerke
Es kam auch die Frage auf, wer die unschätzbaren Kunstschätze im Altausseer Bergwerk gerettet habe („Ein Dorf wehrt sich“). Hier versuchte die Kunsthistorikerin Monika Löscher, die als Provenienzforscherin arbeitet, mehr Klarheit zu schaffen. Es hätten viele von der Vernichtung der Kunstschätze gewusst und zur Rettung beigetragen, vor allem die Ausseer Bergleute, die die Bomben, mit denen der Stollen gesprengt werden sollten, hinaustrugen.
Maria Haim
Ein Gastbeitrag brachte am Ende des Abends ein, dass die erste Widerstandskämpferin im Ausseerland Maria Haim gewesen sei, die als Einzige in Altaussee mit einem Nein zum Anschluss gestimmt hatte. (Siehe meinen Blog „Sommerfrische 2020. Literarischer Spaziergang durch Altaussee„)
Ihr sollte ein Weg in Altaussee gewidmet werden.
Hymne an das Salzkammergut
Im Anschluss gab es bei empfindlichen Temperaturen im Kurpark das schwungvolle Konzert „Eine Hymne an das Salzkammergut“ mit Bernadette La Hengst und die Präsentation des Magazins „Narzissenpost“, ein Litfasssäulenmagazin, das sich mit Natur und Tradition im Ausseerland auseinandersetzt.
Sieht man sich die Wahlergebnisse der letzten Nationalratswahl an, so gab es auch im Ausseerland satte Gewinne für die FPÖ, ein Umstand, auf den der Moderator in seinem Schlusswort warnend hinwies.
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