Von Fjorden, Stabkirchen und Kreuzfahrern: Südnorwegen 31. 7. – 8. 8. 2023

Südnorwegische Berglandschaft

Wenn jemand eine Reise tut, hat er etwas zu erzählen. So auch ich, die Anfang August in Südnorwegen mit einer illustren Reisegruppe unterwegs war. Unterwegs ist nicht untertrieben, denn wir haben mit einem österreichischen Reisebus rund 2000 Kilometer zurückgelegt, an Fjorden entlang, auf Fähren und engen Gebirgsstraßen hinauf und hinunter, sahen Gletscher, die bereits auf 1400 Metern liegen, vorbei an Stabkirchen und Häfen mit unzähligen malerischen Fischerbooten und Yachten. So verbrachten wir täglich viele Stunden reisend, um die norwegische Landschaft zu erkunden, durchfuhren einsame Gebirgsketten und gerieten in Hafenrummel, weil überall ein riesiges Kreuzfahrtschiff seine Gäste entlassen hatte.

Oslo war der Beginn unserer Erlebnisreise, es ist, wie die geringe Einwohnerzahl, räumlich überschaubar und rasch besichtigt: Beeindruckt von der modernen Oper, der Deichmann-Bibliothek und dem Munch-Museum, die aus dem Meer herauszuragen scheinen, befinden sich gegenüber mietbare Saunahäuschen, deren Besucher im sauberen Hafenbecken Abkühlung vom heißen Aufguss suchen.

Opernhaus Oslo

Von dort hinauf auf die Festung Akerhus, hinüber zum monumentalen Rathaus, über das bescheidene königliche Schloss hinunter zur Hauptstraße, der Karl Johans gate, in der Restaurants und bunte Blumenarrangements zum Verweilen locken, schon hat man das Gefühl, Wichtiges von Oslo gesehen zu haben. Nein, es gibt noch den Holmenkolen, die gewaltige Sprungschanze, die einem gleichsam mit einem Sprung in die Stadt befördert und den berühmten Frognerpark mit seinen 200 Skulpturen von Gustav Vigeland, die aus der Zeit gefallen scheinen. Hier fallen die hart trainierenden Soldaten und Soldatinnen mehr ins Auge, denn in Norwegen müssen nicht nur Männer, sondern auch Frauen dem Vaterland dienen.

Frognerpark

Als Nächstes wird die Museumshalbinsel Byfdo angefahren, dort kam man das schwankende Polarschiff Fram betreten, den tobenden Wind und die eisige Kälte spüren und erleben, was mutige Männer aus früheren Zeiten in ihrer Abenteuer- und Entdeckungslust bereit waren zu ertragen, den Tod miteingeschlossen.

Friedhof Vradal

Über die Notodden erreichen wir die Heddaler Stabkirche, die größte in Norwegen, umrahmt von einem Friedhof mit zierlichen Grabsteinen und kargem Blumenschmuck.

Durch die südnorwegischen Berge geht es über die Sirdalsheide nach Starvanger, berühmt auch als Ölstadt. Hier erwartet uns nicht nur ein hübsches Altstadtzentrum mit schmucken weißen Häusern, sondern auch ein riesiges Kreuzfahrtschiff, das den alten Hafen eingenommen hat. Kein Verweilen ist möglich, denn Partymusik und dichtes Gedränge vertreiben alle, die gerade aus der Gebirgseinsamkeit kommen.

Hafen Stavanger

Am nächsten Tag lockt der berühmte Preikestolen, dessen steilen Aufstieg wir im dichten Nebel gemeinsam mit tausend anderen Aussichtssehnsüchtigen wagen.

Oben angekommen ist die Plattform bummvoll, einige besonders Wagemutige lassen die Beine über den hunderte Meter senkrecht in die Tiefe gehenden Felsen baumeln oder kommen beim ausgelassenen Fotoshooting dem Abgrund gefährlich nahe. Wie erleichtert ist man, weil man nicht schmerzverzerrt humpelt, als die Preikestolen-Hütte im Tal erreicht wird.

Am 5. Tag kommen wir endlich nach Bergen, den eigentlichen Anlass meiner Reise. Seit ich „Min Kamp“, die sechs autobiografischen Romane von Karl Ove Knausgard gelesen habe, sehne ich mich nach dieser Stadt, in der der Schriftsteller seine prägenden Jahre erlebt und an deren Glück und Elend er sein Lesepublikum intensiv teilhaben lässt. Groß war die Enttäuschung, als ich alleine durch das kalte, windige Bergen auf Entdeckung ging, mir kam es schmutzig, überlaufen und baulich heruntergekommen vor. So flüchtete ich mich auf den Floyen, den Aussichtsberg, stellte mir beim Auf- und Abstieg vor, dass hier der berühmte Knausgard gegangen sein könnte und versöhnte mich mit der Stadt hoch oben mit Blick auf die sich im Meer spiegelnde Sonne.

Stabkirche Hopperstad

Die Fahrt geht am nächsten Morgen weiter, über Voss wird Vik mit einer der schönsten Stabkirchen des Landes erreicht, dann über den Sognefjord in steilen Serpentinen hinauf auf das Sognefjellet (1397 Meter), schon befindet man sich wieder umringt von den schneebedeckten Bergen des Jotunheimer Nationalparks. Kurze Fotostopps und wieder sitzt man im Bus, hier eine Wanderung zu unternehmen scheint mehr als unwirtlich.

Von Lom geht es am nächsten Tag hinunter zu dem weltberühmten Geiranger- Fjord, auch hier treffen wir auf viele Kreuzfahrer, die den Zwischenstopp wie wir zum Einkaufen in den zahlreichen Souvenirläden nutzen, auch hier zeigt sich die ganze Pracht des Fjords vor allem von der Höhe aus. Am Abend erreichen wir Alesund, am Hausberg Aksla erahnen wir schon, was uns den Rest der Reise begleiten wird.

Alesund

Der Starkregen, der in Slowenien und der Südsteiermark zu folgenschweren Überschwemmungen und Murenabgängen geführt hat, ist nun auch in Südnorwegen angekommen. Wir werden die Sehenswürdigkeiten der nächsten zwei Tage, Romsdalsjord, die abenteuerliche Trollstiege, Romsdalberge, Dombas, Lillehammer mit Regen zugeschüttet, sodass nur noch ein Betrachten vom Busfenster aus möglich ist. Auf der Fahrt gibt es von nun an immer wieder schrille Warnmeldungen auf unsere Handys, dass man unnötige Reisen sein lassen sollte. Mutig fährt der unbeirrbare Busfahrer auf den nun teslafreien Straßen gen Oslo, riesige Pfützen, die gewaltig spritzen, begleiten uns. Geschafft, das Flugzeug hebt ab und kurze Zeit später fliegt es bereits über ein leicht bewölktes Wien, vom Westen kommend, landet und man ist bass erstaunt, dass es in unserem Land so schön warm ist.

Meinen liebenswerten, stets pünktlichen Mitreisenden von „Südnorwegen: Fjorde“ gilt für das Gelingen dieser wunderschönen Reise ein kräftiger Applaus.

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