Bei der letzten Starmaniastaffel im österreichischen Fernsehen bezeichnete ein Kärntner Kandidat Elvis Presley als Schlagersänger. Dieser Spruch brachte ihm einen empörten Aufschrei eines im Musikgeschäft erfolgreichen Jurors einbrachte. Elvis sei nie und nimmer ein solcher gewesen. Verlegenes Lächeln des Kärntners, der sich damit immerhin einen Platz als Vorsänger von Melissa Naschenweng sichern konnte. Nein, ein Schlagersänger war Elvis Presley nie gewesen, dafür zeugt schon, dass er mit dem Verkauf von einer Milliarde Tonträger der erfolgreichste Solokünster aller Zeiten ist. Wer Elvis Presley war und was er geleistet hat, will nun die Filmbiographie „Elvis“ unter der Regie von Baz Luhrmann der ganzen Welt in Erinnerung bringen.
Im Fokus und als Erzähler der Geschichte steht sein Manager Colonel Tom Parker, der von Tom Hanks als diabolischer Gegenpart zu Elvis verkörpert wird. Er will beweisen, dass er allein für die Karriere und den Aufstieg von Elvis verantwortlich sei und nicht sein Untergang. Sehr schnelle Schnitte zeigen, wie Parker sich an den blutjungen, unsicheren Elvis heranmacht, seine große Chance wittert und auf den richtigen Moment lauert, um Elvis und seine Familie zu überzeugen, dass nur er der richtige Manager sein könne. In Rückblenden verfolgt man rasant das Heranwachsen von Elvis, seine bitterarme Kindheit, seine Scham, dass sein Vater wegen Scheckbetrugs im Gefängnis sitzt und seinen großen Wunsch, seiner Mutter einen rosa Cadillac zu schenken. Er wird ihr auch Graceland schenken, über das ich in einem früheren Blogbeitrag („On The Road again“) bereits berichtet habe. In seiner Jugend kommt er im vibrierenden Memphis mit vielen Strömungen der schwarzen Musik in Berührung, saugt alles auf und wird damit im weißen Amerika in den Fünfzigerjahren zum Superstar. Die Zeit als Soldat in Deutschland ist nicht nur wegen Priscilla von Bedeutung, er kommt auch in Verbindung mit dem Schmerz über den plötzlichen Tod seiner über alles geliebten Mutter. Parker wollte, laut seinen Aussagen, Elvis eigentlich nur vor einer Strafverfolgung in den USA schützen, weil er die dortige Jugend, vor allem die weibliche, mit seinen ekstatischen Bewegungen zu Unzucht und Ungehorsam auffordere. Alles Weitere ist hinlänglich bekannt: Nach der Rückkehr lockt Hollywood, sein Traum, ein neuer James Dean zu werden, geht in schlechten Drehbüchern unter und auch die Ehe beginnt trotz der Geburt von Lisa-Maria zu kriseln, da Elvis vor allem sein Publikum liebt. Und dann der Anfang von Ende: Tourneen durch ganz Amerika, Las Vegas mit seinen Hunderten von Shows, Scheidung, Drogentod mit nur 42 Jahren.
Fast alles aus der Lebensgeschichte von Elvis Presley ist den Älteren unter uns bekannt, interessant ist aber zu sehen, wie der Film uns Elvis und seine historische Leistung näherbringt. Tom Hanks zeigt Tom Parker als skrupellosen und spielsüchtigen Manager, dem der naive Elvis völlig ausgeliefert ist und der alle Ausbruchsversuche seines Schützlings zunichtemachte machen wird. Immer wieder wird es ihm gelingen, sein Herrschaftssystem mit Drohungen und Manipulationen aufrechtzuerhalten, um noch mehr Geld aus dem Künstler herauszupressen. Austin Butler, der Elvis spielt, sieht zwar nicht aus wie Elvis, vermag aber mit Mimik, Gestik und vor allem mit Hüftschwung und Moves das zu vermitteln, was Elvis berühmt und unsterblich gemacht hat: seine starke Bühnenpräsenz. Butler spielt Elvis so intensiv, dass man glaubt, Elvis zu hören und zu sehen. Der Schauspieler erzählt in einem Interview, er habe zwei Jahre lang Elvis Presley studiert, sich seine Mimik, Gestik und Stimme angeeignet und wurde nach Drehende wegen Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert. Dass auch er nur einen kleinen Einblick in das, was Elvis ausmachte, geben kann, zeigt eine Originalaufnahme am Ende des Films. Nichts ist mehr von dem attraktiven jungen Mann geblieben, er ist aufgedunsen und äußerlich fast nicht mehr zu erkennen, aber seine Stimme entführt in eine Welt, die voller Glanz, Schönheit und Hoffnung ist.
Baz Luhrmanns Filmbiographie zeigt, warum Elvis` das prüde Amerika wachgerüttelt hat, welche Sehnsüchte er wecken konnte und wie hoch der Preis für seinen Erfolg war. Dieser Film ist so gut gemacht, dass er auch junge Menschen, die Elvis` Musik nicht einordnen können, überzeugen wird.
Hier noch einmal den „King“ selbst und sein politisches Vermächtnis, ein Traum aus dem Jahre 1968.