Sehnsucht Ferne

Wer jetzt eine Reise tut, braucht nicht viel auszugeben. Täglich erreichen mich Schnäppchen, die mich auf die AIDA zu einer Mittelmeerkreuzfahrt oder zum Inselhoppen nach Griechenland einladen, alles spottbillig und ab morgen („Heute noch im Büro. Morgen schon an Bord.“). Auch die Malediven reizen mit Sonderangeboten, dass einem Hören und Sehen vergeht. Nur in das Sehnsuchtsland USA besteht ein Einreiseverbot für touristische Zwecke, alle anderen Urlaubsdestinationen buhlen um Gäste. Trotzdem ist man hierzulande noch sehr vorsichtig, und ich kenne nur wenige Mutige, die sich auf nach Griechenland, Kroatien oder Italien zum Strandurlaub machen.

Was ist zu tun, wenn die Risiken zu groß scheinen und man sich im eigenen Land am sichersten fühlt? Um die Sehnsucht nach der Ferne zu stillen, hier ein paar Tipps, die helfen könnten.

Besuchen Sie die Ausstellung „Sehnsucht Ferne. Aufbruch in neue Welten“ auf der Schallaburg. Nicht nur, dass die herausgemauserte Burg samt Restaurant und Park eine Augenweide ist und man auf bunten Liegestühlen überall lange verweilen könnte, auch die Ausstellung leistet einen profunden Beitrag, wenn man über das Reisen nachdenken möchten. Unerlässlich ist, dass man sich durch die zugegebenermaßen wirklich dicht bestückte Ausstellung eine Führung leistet, um den Überblick nicht zu verlieren. Ein sehr kundiger Mann in Trachtenjacke eröffnet einen Ausblick in die Geschichte und Problematik des Reisens, von Fantasien, der mutigen Ida Pfeifer, der der große deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt Rosen streute, er berichtet uns von Österreichs Weltumsegelung, der „Novarra“, der ein breiter Raum in der Ausstellung eingeräumt wird. Man erfährt etwas vom Leben an Bord, sieht ein Seemannsmodell des legendären Schiffes und weiß endlich, wie ein Sextant funktioniert und warum viele Seeleute, nicht nur Piraten, auf einem Auge blind waren. Auch von Alexandra David-Neel wird erzählt, die schon 1911 zu einer Studienreise nach Nepal aufbrach und als Bettelnonne verkleidet Lhasa erreichte, das für Fremde verboten war. Man hat Mitleid mit den drei österreichischen Wissenschaftlern, die 14 Monate im ewigen Eis feststeckten und nur durch Vogeleier nicht verhungerten.  Besonders berührend aber sind die Berichte der österreichischen Himalaya-Expedition 1969, die den Gipfelsturm mit dem Leben bezahlte.

Nicht nur erfolgreiche oder gescheiterte Expeditionen werden vermittelt, sondern auch der Problematik der Entdeckungsfahrten und Eroberungen wird berührt. Müssen die Museen dekolonisiert werden? Darf man Mumien ausstellen? Wer erzählt Geschichte? Kolonisierung oder Völkermord? Ausbeutung und Versklavung vieler außereuropäischer Völker im Namen von Christus? Noch sehr vieles, das den heutigen Diskurs bestimmt, wird angesprochen und soll zum Nachdenken anregen.

Kaufen Sie sich den Ausstellungskatalog „Sehnsucht Ferne. Aufbruch in neue Welten“ der die Ausstellung mit reichem Bild- und Quellenmaterial ergänzt und eine wahre Fundgrube ist, über die „Sehnsucht Ferne 2.0“ anhand von Augenzeugenberichten informiert zu werden. Hier eine kleine Auswahl, die ich Ihnen empfehle.

„WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“. Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser machten sich 2013 von Freiburg auf, um die Welt ohne Flugzeug zu erkunden, nur zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, per Autostopp und Schiff. Nach 100 000 Kilometern kehrten sie dreieinhalb Jahre später mit ihrem in Mexiko geborenen Sohn in ihre Heimatstadt zurück. Beide haben ihre Reise in einem Film mit dem obigen Titel festgehalten. Unbedingt sehenswert.

„fernOst: Von Berlin nach Tokio“ (Netflix): Ein vierköpfiges deutsches Reporterteam brach 2013 mit zwei Geländewagen von Berlin auf, um auf dem „Asian Highway“ bis nach Tokyo zu fahren. Die Miniserie führt durch Länder und Gegenden, die man selbst wohl nie erkunden wird können. Sehr spannend und höchst professionell gemacht.

Sollte man nun Lust bekommen haben, etwas zu erleben, kann man sich gleich aufmachen, um Österreich zu durchwandern. Zum Beispiel den Salzkammergut BergeSeenTrail, einen Weitwanderweg, der von einem Ende (Gmunden) zum anderen (Tauplitzalm) des Salzkammerguts führt. Am Sonntag habe ich die zweite Etappe geschafft: insgesamt 18 Kilometer, jetzt bleiben nur noch um die 330. Viele Wanderlustige trifft man heuer nicht, dafür entschädigen der Märchensee (Tauplitz) und liebliche Almhütten (Ödernalm).

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