Was bleibt von 2020?

Um es gleich vorwegzunehmen: Hier folgt kein Ranking der besten Filme, Serien, Theaterstücke, Bücher von 2020, auch die großen Reisen, die man geplant und versprochen hatte, sind dem Virus zum Opfer gefallen. In der kurzen Zeitspanne, die man für Kultur und Gemeinschaft zur Verfügung hatte, war entweder das Wetter zu schön und man suchte sein Vergnügen auf ausgedehnten Wanderungen in den heimischen Bergen oder man traf sich zu zweit, weil die Angst viele anzustecken einem schon in Mark und Bein gefahren war. Und als dann der Regen und die Finsternis wieder über uns hereinbrachen, die Karten bestellt waren, war man erneut zum Abstandhalten ins Haus verbannt.

Die Handvoll Bücher, die gelesen wurden, lassen sich an zehn Fingern abzählen und nur wenige erschienen einer näheren Auseinandersetzung in Zeiten wie diesen wert zu sein. Die Filme und Serien auf Amazon und Netflix – der letzte Kinobesuch ist gar nicht mehr in Erinnerung – sind verschwommen und haben keinen allzu großen Eindruck hinterlassen. Einzig „Bernadette“ von Richard Linklater, ein Film aus dem Jahr 2019, mit der wundervollen Cate Blanchett als gescheiterte Architektin in der Hauptrolle ist wegen schauspielerischem Können, einem klugen Drehbuch und überzeugender Regie nicht verblasst. Auch die Serie „Wolf Hall“ („Die Wölfe“) über den listigen Thomas Cromwell ist wegen düsterer Bilder über Macht und Intrige geblieben, aber diese Serie stammt aus dem Jahr 2016, als Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde.

Immerhin wurden aber zwei Theateraufführungen besucht, und obwohl ich seit einiger Zeit wegen exzessiver Theaterbesuche über Jahrzehnte hinweg mich quasi in eine Theatervergiftung hineinmanövriert hatte, haben diese zwei Produktionen mir doch wieder einen Weg zurück ins Theater gewiesen. Die erste ist „Romeo und Julia“ bei den Sommerfestspielen in Perchtoldsdorf, das mich nicht so sehr wegen der Schauspieler, sondern vor allem wegen der Kostüme, Musik und Kulisse beeindruckt hat, zudem schien jeden Moment ein Gewitter über die Burgruine hereinzubrechen. Die mit Vorhang, Regen und Sturm kämpfenden Schauspieler gaben schon einen Vorgeschmack auf den unwirtlichen Herbst. Das nächste Highlight dieses Jahres war die Produktion „Stolz und Vorurteil *(*oder so)“ mit Studierenden des Max Reinhardt Seminars im Kasino. Trotz Masken und strikter Abstandsregeln erlebte ich einen Abend, der mich keine Angst mehr haben ließ, dass das Theater nach diesem Ausnahmejahr kraftvoller denn je auferstehen wird.

Auch die Museumsbesuche in Wien waren ein echter Genuss: Anstatt sich mit Tausenden anderen Bildungshungrigen aus aller Herren Länder durch die Ausstellungen treiben zu lassen, war man nun per Timeslot auf eine fast familiäre Gemeinschaft zusammengeschrumpft. Es herrschte eine andächtige Stille, jeder nahm Rücksicht und hielt Abstand. Und ließ man sich von der Gruppe zurückfallen, so konnte es passieren, dass man für lange Zeit voller Staunen alleine vor einem Kunstwerk verweilen konnte.

Der Zeit entsprechend wurde 2020 also nicht mit Kultur verbracht, sondern mit Zeitungen, Nachrichtensendungen und Podcasts. Den sich auch in Österreich verbreitenden Verschwörungswahn konnte man durch das Hören von Coroana-Update auf NDR, das bereits in seine 69 Folge gekommen war, Einhalt gebieten, wenn man selbst bei Verstand und Vernunft bleiben wollte.

Mit Christian Drosten oder Sandra Cisek im Ohr war die Welt wieder durchschaubar und man konnte beruhigt auf den Tag hoffen, an dem auch in Österreich die Impfung beginnt. In diesem Sinne an alle meine Leser und Leserinnen in aller Welt, in den USA, China, Finnland, Deutschland und natürlich Österreich, liebe Weihnachtgrüße aus dem Salzkammergut, wo über Weihnachten einsame Pisten zum Skifahren einladen.

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