Eingeschlossen in der Frauenkirche

Von der hippen Neustadt bewege ich mich auf auf das „alte“ Dresden zu. Was zunächst in den Blick kommt, ist der geringe Wasserstand der Elbe, sodass am Ufer die elf historischen Dampfer feststecken und die vielen jungen Leute am breiten Flussufer die letzten Sonnenstunden genießen können. Jenseits der aufgebrochenen Augustusbrücke breitet sich vor mir die Altstadt aus, die bereits im Schatten liegt, grimmig, mit dunklem Sandstein erwartet sie die Besucherin. Ist man einmal über der Brücke, scheinen die Hauptsehenswürdigkeiten dicht gedrängt beieinanderzustehen, bewegt man sich jedoch innerhalb der Altstadt, tut sich jeweils der Raum auf und man findet sich auf großen Flächen wieder. Der Vorplatz vor der Semperoper erscheint riesig, im Inneren des Zwingers öffnet sich ein weitläufiger Garten und wenn man auf den Platz um die Frauenkirche gelangt, sehen die Menschen am Ende wie Miniaturen aus. Dort herrscht ein reges Abendtreiben, die vielen Häuser sind nach der totalen Zerstörung der Stadt teils original wieder aufgebaut, einige jedoch nicht, sodass der Stilbruch sofort unangenehm ins Auge sticht.

Platz um die Frauenkirche

Der Platz blieb nach 1945 als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung unbebaut, er diente als Weideplatz für Schafe und Parkplatz und ab 1982 Demonstranten als Symbol des Widerstands gegen das SED-Regime. Erst nach der Wende wurde die Kirche mit Spenden aus der ganzen Welt wiederaufgebaut und 2005 eingeweiht. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt, ein schöner Rundbau mit einer mächtigen Steinkuppel und zieht die Besucher magnetisch an.

Zufällig, wie Hunderte andere Touristen, gerate ich am nächsten Tag mittags in eine Orgelandacht und das passierte folgendermaßen: Der Rundbau lädt zum Sitzen ein, fühlt sich wie ein Theater an, da die Kirche über Ränge verfügt, in denen es früher die Reichen warm hatten. Ungefähr zehn Minuten vor zwölf hört man eine kurze Durchsage, dass gleich eine Andacht mit Orgelmusik stattfinden werde. Eines geht in das andere über, dann sind alle Türen verschlossen und eine Pastorin betritt feierlich den Raum und nach dem Geläut der Friedensglocke und der Orgelmusik befinden wir uns mit einem Psalmgebet, einer Predigt, dem Vaterunser, dem Gemeindelied mitten in einem Gottesdienst, der mit dem Segen beschlossen wird. Sehr gut gemacht, besinnlich, nicht aufdringlich und mich fasziniert, dass auch die vielen Touristen aus fremden Ländern sitzen bleiben und geduldig zuhören. Bald verstehe ich auch warum. Als sich eine größere Gruppe während der Andacht auf den Weg nach draußen macht, wird sie angehalten und muss am Ausgang auf das Ende warten. Es gibt nur einen Ausgang und an dem steht ein Ordensmann mit Klingelbeutel. Wo hatte ich außer an Weihnachten oder zu Ostern je eine so volle Kirche gesehen?

Die Frauenkirche

Neben der Frauenkirche werden bei kurzem Aufenthalt in Dresden neben der 22 Stationen umfassenden Stadtrundfahrt auch wärmstens die Zwingerführung, die Führung Schloss und Fürstenzug und rund um die Frauenkirche empfohlen, die im Ticket inkludiert sind. Großartig, sehr informativ und trotz zweieinhalb Stunden kurzweilig und witzig, ein besonderer Dank gilt meiner engagierten „Gästeführerin“. Und ein letzter Tipp: Einkehren in Pfunds Molkerei, dem schönsten Milchgeschäft der Welt und sich dort ein Glas kalter Buttermilch genehmigen. Es schmeckt himmlisch.

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