
Goethes Arbeitszimmer
Ich bin Goethefan, also einmal im Leben den Ort besuchen, wo er die meiste Zeit gelebt hatte. Von Berlin geht es in dreieinhalb Stunden mit dem Bus nach Weimar, berühmt durch Goethe und Schiller, die Gründung der Weimarer Republik, das Bauhaus und das KZ Buchenwald. Größe und Verfall Deutschlands an einem Ort konzentriert.
Was hatte ich erwartet? Weimar ist kleinräumiger, schön hergerichtet, außer das Goethehaus. Das ist außen recht heruntergekommen, dem großen Dichterfürsten der deutschen Sprache nicht würdig. Am Nachmittag kehre ich zuerst einmal in eine der vielen Pizzerien ein. Ich hebe mir das Goethehaus auf, frisch und voller Schwung will ich sein Haus betreten. An diesem kurzen Nachmittag, während eines Stadtspazierganges besuche ich noch das Bauhaus-Museum, die Fürstengruft im historischen Friedhof, vorbei an berühmten Namen wie Charlotte von Stein und dem Rest der Goethe-Familie. Der schöne, laue Abend will genutzt werden, also hinüber in den Park an der Illm, vorbei am kuscheligen Liszt-Haus, hin zu Goethes Gartenhaus, hinauf zum Horn, wo das einzig realisierte Bauhaus-Haus in Weimar steht, über das fremd wirkende Römische Haus zurück ins Stadtzentrum. Die Wege für mich und Goethe überschaubar, er soll das Leben in einer Kleinstadt deswegen vorgezogen haben, lese ich an nächsten Tag. Ich muss mich anstrengen, sein Haus am Frauenplan zu finden. Eine kleine Tafel am Eingang weist schließlich darauf hin: „Goethe-Nationalmuseum“. Drinnen befindet sich ein professionell funktionierender Museumsbetrieb. Rechts geht es zu Goethes Wohnhaus, das uns nach einem breiten Treppenaufgang mit „Salve“ begrüßt. Wir schreiten durch das Vorderhaus, das der Repräsentation und Geselligkeit diente. Seine Italienreisen haben hier ihren Niederschlag gefunden, antike Skulpturen, Fresken und Friese erscheinen sonderbar in dem zierlichen Barockhaus, in dem er über fünfzig Jahr gelebt hatte. Dann geht es ins Hinterhaus, in seine Privaträume, alles ist hier schlicht und zweckmäßig eingerichtet: das Esszimmer, die Bibliothek, sein Arbeitszimmer, gleich daneben ein kleines Kämmerchen mit einfachem Bett. Man blickt auf den Stuhl, in dem er gestorben ist und bekommt eine Ahnung davon, was ein geglückten Leben sein könnte. Um seinem Genie näherzukommen, kann man anschließend im ersten Stock die Ausstellung „Lebensfluten – Tatensturm“ besichtigen. Die Ausstellung hat elf Räume, die Goethes Leben und Wirken im zeitgeschichtlichen Kontext zeigen: Seine Biographie und Werke, seine Tätigkeit als Politiker, Zeichner und Verfasser von naturwissenschaftlichen Studien. Über die Begriffe Genie – Gewalt – Welt – Liebe – Kunst – Natur und Erinnerung bekommt man einen fundierten Einblick in seine Zeit. Im Mittelpunkt steht die „Faust- Galerie“, wo man sich interaktiv mit dem Werk beschäftigen kann. Die Ausstellung zeigt Goethes unermüdliches Streben nach Erkenntnis und Vervollkommnung.
Stunden später ist man erschöpft und strebt in den schönen Garten hinaus, setzt sich auf eine schattige Bank, genießt die Ruhe und lässt seinen Geist in der Blumenpracht ausruhen. Nach einem Besuch im Goethehaus hat man zuhause viel zu erzählen.

Goethes Sterbesessel

Der Garten
Unsere Reise führt uns weiter nach Dresden, erinnert durch die fast vollkommene Zerstörung durch britische Bomben im 2. Weltkrieg.
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