Vielen von uns ist sie seit Jahrzehnten bekannt: als attraktive Feministin, Mitbegründerin von Ms und nun auch als unermüdliche Kämpferin für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit in Amerika.
„My Life on the Road“ berichtet, wo diese Reise startet, wer sie begleitet und wohin sie geführt hat. Sieben Gründe, warum Sie dieses Buch unbedingt lesen sollten:
- Die Widmung: Als junge Frau auf dem Weg nach Indien hilft ihr ein Londoner Arzt. Diesem widmet sie das Buch. Ohne ihn wäre ihr Leben ein anderes geworden.
- Der Vater: Dieser war die meiste Zeit mit seiner Familie auf Amerikas Straßen unterwegs, er lehrte sie Nonkonformität und Unabhängigkeit. Ihre Mutter hatte dafür einen hohen Preis zu zahlen. Dieses Kapitel über ihre Kindheit gibt Auskunft darüber, wie sehr die Sehnsüchte und Ängste der Eltern das Leben der Kinder prägen.
- Soziale Bewegungen: 1934 geboren, wächst sie als junge Frau in einem Amerika auf, das vor allem von großer sozialer Ungerechtigkeit geprägt ist. Gegen Frauen im Allgemeinen, gegen Schwarze, gegen Landarbeiter, gegen indigene Völker. Sie ist unmittelbare Zeugin und Aktivistin vieler Bewegungen und durch ihren Bericht bekommt man einen Eindruck, wie schwierig und langwierig es war, die Lebensbedingungen vieler zu verbessern. Heute nur mehr schwer vorzustellen sind die diskriminierenden Arbeitsbedingungen der Stewardessen und Landarbeiter, und wie viele mutige Menschen es gebraucht hat, um diese zu beseitigen.
- Frauenrechte: Sie widmet ein Kapitel „(Talking circles“) der wenig bekannten Frauenkonferenz in Houston 1977, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, allen Frauenorganisationen in Amerika Gehör und Stimme zu verleihen. Steinem bezeichnet sie als wichtigsten Wendepunkt in ihrem Leben, beschreibt, wie es dazu gekommen ist und wie bahnbrechend für sie und viele andere Frauen diese Konferenz war.
- Das Reisen: Ein anderes Kapitel („Why I don´t drive“) ist ihren vielen Reisen gewidmet, mit Taxis unterwegs zu Flughäfen, deren Fahrer ihr die Lebenssituation der amerikanischen Einwanderer offenbarten. Sie gibt viele Beispiele, warum Reisen zur Identitätsfindung und Vorurteilsbeseitigung beiträgt.
- Die Reden: „One big Campus“ erzählt von ihren zahlreichen Reden mit der schwarzen Bürgerrechtskämpferin Florence Kennedy über die Frauenbewegung und wie bedrohlich für manche dieses Gedankengut war.
- Politik: Viele Jahrzehnte war sie auch als Wahlhelferin für fortschrittliche amerikanische PolitikerInnen unterwegs, „When the political is personal“ nennt berühmte Namen, die die Zeit bis heute überlebt haben. Das letzte Kapitel „What once was can be again“ widmet sie Wilma Mankiller, einer Schriftstellerin und Feministin, die von 1985 bis 1995 der erste weibliche Häuptling der Cherokee Nation war. Dieses Kapitel porträtiert nicht nur eine beeindruckende Frau, sondern erzählt auch die Geschichte einer tiefen Frauenfreundschaft bis in den Tod.
Gloria Steinems „My Life on the Road“ muss man also gelesen haben. Es komprimiert die wichtigsten politischen Bewegungen und Themen des 20. Jahrhunderts, es erzählt von mutigen Frauen und Männern in Amerika, die ihre Kraft und ihr Leben dem gesellschaftlichen Fortschritt gewidmet haben. Und wir sind dank Steinems Sprachkunst mitten drin im Geschehen.
