Chelsea: „Kids. They´re not so great“

Was tut sich in unserer modernen Welt? Galten in meiner Zeit Kinder noch als das höchste Gut, das eine Frau anstreben kann, begegnen mir heute immer mehr Frauen, die Hunde diesen vorziehen. Was ist passiert?

Es gab Zeiten, in denen ich mich nur auf Spazierwege traute, wenn mich meine halbwüchsigen Töchter begleiteten. Kein Hundebesitzer konnte mir weismachen, dass sein Liebling friedlich ist, ich mochte keine Hunde.

Chelsea Handler, deren Show („Chelsea“) ich gerne sehe, brach das Eis. Chelsea ist nicht nur ausgesprochen hübsch, sondern besitzt überdies die seltene Gabe, frisch und frech draufloszureden, dass einem die Spucke wegbleibt. Ihre männlichen Interviewpartner finden keine Gnade vor ihrer übermütigen Zunge, trotzdem ist ihr keiner böse und der Auftritt endet immer in einer herzlichen Umarmung. Sie stellt alle gängigen Werte, die Frauen verinnerlicht haben, auf den Kopf: Sie wohnt allein in einer riesigen Villa, trinkt viel Alkohol, konsumiert Drogen und sagt freimütig, dass sie in mehr als achtzig Ländern Lover hatte. Sie mag keinen Ehemann und schon gar keine Kinder, liebt ihre Freunde und ihren Hund Chunk. Und dieser ist in jeder Show mit dabei, wird von den Gästen betätschelt und trottet gutmütig im Studio herum. Man muss ihn einfach mögen. Sie gibt Männern Tipps zum Anziehen und sagt ihnen, was gar nicht geht: Kettchen, V-Ausschnitt, Jogginghose, Flip-Flops, außer man ist schwarz, dann ist alles erlaubt. Am Schluss steht der entkleidete Mann in Unterhose da und schämt sich.

Also sind es diese aufmüpfigen Frauen, die uns den Trend zum Hund einbrachten? Was Handler am Leben mit Hunden so schön findet und immer wieder betont: bedingungslose Liebe, keine dummen Fragen, Ablaufdatum. Dabei blickt sie frechen Blickes und erhobenen Hauptes in die Kamera.

Ja, es tut sich etwas im Frauenland, Altruismus und Bravsein sind von gestern, was heute zählt, ist Freiheit und Genießen und wenn man Handler dabei zusieht, ist man doch beeindruckt.

Well done, denkt man sich, und blickt als normale Frau auf ein anstrengendes Leben mit Beruf und Kindern zurück: „Kids. They are not so great“. Die eigenen ausgenommen.

©a.achilles 2016

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