She`s Beautiful When She`s Angry

Es war einmal eine Revolution, nicht die Französische, sondern eine, die von Frauen gemacht wurde. Wir befinden uns in den USA der 60er Jahre, als die Menschen aufbegehrten gegen Rassendiskriminierung und Vietnam. Viele Frauen nahmen an diesen Bürgerrechtsbewegungen teil, sie klebten Briefmarken, die Männer eroberten Rednerpulte und Titelseiten. Dabei gab es auch für die Frauen einiges zu tun: ein altes Rollenbild verändern, sich gleichen Lohn erstreiten, Vergewaltigung als Strafbestand in die Köpfe der Richter implantieren, das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper einzufordern, lustvolle Sexualität mit wem auch immer. Von den Männern mild belächelt oder angefeindet, fanden sie sich in Frauengruppen zusammen, um diese Forderungen umzusetzen. Sie heckten freche Aktionen aus, forderten die Institutionen und Mächtigen heraus. Wer sie waren und was sie sich trauten, zeigt die Dokumentation „She is beautiful when she is angry“.

Um gegen die allgegenwärtige sexuelle Belästigung vorzugehen, drehten sie den Spieß um und machten mit viel Witz die Männer der Wall Street an. Sie stürmten mit Transparenten bewaffnet die Vorlesung eines Professors, der seinen Studentinnen nicht zugestand, dass sie gute Anwältinnen werden. Sie protestierten gegen die Wahl der Miss Amerika und schmückten die Freiheitsstatue mit dem Transparent „Frauen der Welt vereinigt euch“. Diese Aktionen brachten der Bewegung weltweit Aufmerksamkeit.

In den Frauengruppen wurden Erfahrungen ausgetauscht und Vaginas erforscht. Und sie mussten erkennen, dass sie wenig über sich und ihren Körper wussten. So sammelten sie das Wissen und Können vieler und verarbeiteten es in Büchern. „Our Bodies, Ourselves“ hat inzwischen seinen Weg in fast jedes Land unseres Planeten gefunden. Um die Frauen nicht bei illegalen Schwangerschaftsabbrüchen sterben zu lassen, fanden sie Mittel, die Verzweifelten Hilfe boten. Vieles, was heute selbstverständlich ist, wurde in dieser Zeit erkämpft: Frauen in Spitzenpositionen, Kinderbetreuung, das Recht auf Abtreibung, eine erfüllte Sexualität, die rechtliche Gleichstellung zwischen Frau und Mann, der Mut sich als Lesbe zu outen. Und man hört es auch bei uns immer öfter, dass junge Paare sich Hausarbeit und Kinderbetreuung gerecht teilen. In den sechziger Jahren war man davon noch Welten entfernt.

Wie der Film zeigt, gab es auch viele Schwierigkeiten, Richtungsstreitigkeiten zwischen den einzelnen Gruppen, Machtkämpfe um Einfluss und Bedeutung einzelner Frauen. Der Frauenbewegung konnten diese nicht ihre weltweite Wirkung nehmen. Als sich 1970 über 50 000 Menschen zu einer Demonstration in New York versammelten, ehrte man nicht nur die mutigen Frauen der ersten Frauenbewegung, die das Frauenwahlrecht erstritten hatten, sondern konnte auch miterleben, wie die Ideen der radikalen Feministinnen bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen waren.

Für viele junge Frauen, die die Früchte dieser Vorreiterinnen heute ernten, ist der Film eine wärmste Empfehlung. Wie immer ein Aufruf: Teilen Sie Ihre Erlebnisse mit und machen Sie anderen Mut.

She`s Beautiful When She`s Angry

©a.achilles 2016

DISPLACED – Vordere Zollamtsstraße 7

DISPLACED – Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien

Was gibt es in dem größten Flüchtlingsheim Österreichs zu sehen, das in Spitzenzeiten bis zu 1500 Refugees Aufnahme gewährt hat?

Was tun mit 90 0000 Menschen, die im letzten Jahr ihren Weg zu uns gefunden haben? Sie aus Flugzeugen ins Meer werfen, auf Almen bzw. in Hinterhöfen am Land verstecken?

Es gibt Alternativen: Menschen, die ihnen beim Einleben helfen und uns Hoffnung geben, wie es zu schaffen ist.

Was ich bei meinem Besuch im Flüchtlingsheim Vordere Zollamtsstraße 7 gelernt habe:

  • Nehmen Sie zwei hochkompetente Arabisch und Farsi sprechende junge Frauen vom Roten Kreuz, die langjährige Auslandserfahrung haben, Sitten und Gebräuche der Ankommenden kennen und übertragen Sie ihnen die Leitung des Hauses. Es werden Strukturen aufgebaut werden, die Sicherheit, Ordnung und ein friedliches Miteinander garantieren. Alle Eingänge werden von freundlich aussehenden Menschen besetzt sein, immer Mann und Frau in grauen Erkennungsjacken, die streng kontrollieren, wer womit das Haus betritt und zudem abwechselnd als Patrouillen im Haus unterwegs sind. Es gelten klare Regeln, welches Verhalten man erwartet, kleinste Verstöße (siehe Taubenfüttern) werden bestraft.FullSizeRender(3)
  • Laden Sie eine Architekturlehrveranstaltung ein, in diesem Fall das TU-Projekt „Displaced – space for change“. Ursprünglich als Festivalgebäude geplant, wurde das leerstehende Gebäude in der Zollamtsstraße im Zuge der Ereignisse zum Aufnahmequartier umfunktioniert, zunächst waren die verwaisten Büros mit nichts als blauen Feldbetten und Decken vom Roten Kreuz ausgestattet. Das reicht zum Schlafen, zu mehr nicht. Die Studenten schufen mit wenig Mitteln Kommunikations- und Beschäftigungsräume, die Sinn und Abwechslung in den deprimierenden Flüchtlingsalltag bringen. Ein leuchtendes, farbenfrohes Vintage-Cafe, eine gemütliche Bibliothek, eine Werkstatt zum innoativen Möbelbauen aus Resten wurden eröffnet, Nähmaschinen zum Ausbessern und Neuschneidern angeschafft, zum Deutschlernen Räume mit Tischen, Bänken und einer Tafel bestückt und eine pensionierte Kindergärtnerin von Kindern gefunden, die jetzt ein Spielzeugparadies zur Verfügung haben. Für das Kleiderlager im Keller zimmerte man gemeinsam Regale, schneiderte knallige Vorhänge als Umkleidekabinen und bepflanzte den grauen Innenhof. Diese „kleinen räumlichen Interventionen“, manchmal nur ein Nagel, machen einen großen Unterschied aus und zurecht wurde dieses Uni-Projekt Anfang Mai mit dem Preis „Sozialmarie 2016″ ausgezeichnet.

Viele namenlose Menschen zeigen in Österreich ihre Solidarität und Menschlichkeit. Machen Sie die Projekte bekannt und schicken Sie die Botschaft ins Land hinaus!

http://displaced.at/wp/

©a.achilles 2016

Triest

Reise nach Triest vom  5. – 8. Mai 2016

Warum Triest werden Sie sich jetzt fragen. Warum nicht Venedig, Rom oder Neapel? Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich, vor allem wenn Sie als Frau alleine dorthin reisen. Halten Sie sich aber vage an folgende Schritte:

  1. Buchen Sie über eine Internetplattform! Sie werden das schönste und sauberste Hotelzimmer bekommen und sich rund um die Uhr beachtet fühlen.
  2. Fahren Sie mit einem der internationalen Busse! So kommen Sie unter zehn Euro von Wien nach Triest, haben Internet und verschiedenste Sprachen gratis dabei.
  3. Lassen Sie sich nach der Ankunft durch die Stadt treiben! Genießen Sie die Wärme, den herben Meeresgeruch und die schönen Italiener. Flirten Sie, wenn Sie Lust auf einen Mann haben.
  4. Beginnen Sie den nächsten Tag mit einer mehrstündigen Stadtführung! Sie haben anderen Touristen viele Informationen voraus, die Führerin ist kundig und erklärt Ihnen jede Aufschrift.
  5. Machen Sie sich am Nachmittag mit dem Bus auf nach Miramare! Ruhen Sie sich auf einer der Parkbänke aus und lauschen Sie den schlagenden Meereswellen und dem sanften Plätschern des Springbrunnens.
  6. Genießen Sie den traumhaften Ausblick bei der Schlossbesichtigung! Ärgern Sie sich nicht, dass alles so hässlich und im wahrsten Sinne verstaubt ist. Nehmen Sie es als späte Rache der Italiener an der 500-jährigen Herrschaft der Österreicher über Triest hin. Hinterlegen Sie in einem der Räume ein Staubtuch als leisen Hinweis an den italienischen Staat.

    Schloss Miramare

    Schloss Miramare

  7. Verbringen Sie die Abende im „Pane Vino e San Danuele“ und lassen sich von der durchtrainierten Elena bedienen! Beobachten Sie die feinen Triestinerinnen, wie sie sich mehr und mehr berauschen.Fahren Sie am nächsten Tag mit der Linie 44 nach Duino! So lernen Sie das schöne Hinterland kennen und die Jungen und Alten Friauls, die gerne mit Bussen unterwegs sind.
  8. Gehen Sie den Rilkeweg entlang der Küste! Legen Sie eine Rast mit Blick auf das Schloss ein und lesen Sie laut seine erste Elegie.
  9. Kehren Sie am Abend in Ihrem Lieblingslokal ein und essen Sie feurige Spaghetti alla Scoglio! Betrachten Sie das Spektakel der Weißen Nacht aus der Ferne
  10. Wundern Sie sich, warum der Bus auf der Heimreise an der österreichischen Grenze angehalten wird und jeder Reisende penibel überprüft wird.

    Hinterlassen Sie einen Kommentar, wenn Sie diese Reise als Single-Frau genossen haben.

    © a.achilles 2016

 

Frühlingserwachen (Inzenierung: Claudia Bühlmann)

Wer freut sich schon auf eine Theatervorstellung mit hunderten Jugendlichen, noch dazu zu einem Stück, das noch im 19. Jahrhundert entstanden ist?

Aufklärung, ungewollte Schwangerschaften, Sterben bei einem illegalen Schwangerschaftsabbruch sind heutzutage nicht mehr drängende Probleme, mit denen sich Jugendliche herumschlagen müssen. Ich erwartete nichts außer strenge Blicke meinerseits. Es sollte anders kommen.

Lange schon bevor das Stück beginnt, probt eine Sängerin mit ihrem Schlagzeuger. Ist man schon im Stück? Dann läuft ein junger Mann auf die Bühne und rückt sich ein Sofa herbei. Nach und nach kommen die anderen Mitspieler dazu, fragen das Publikum nach ihrem Alter. Wer ist der Älteste von uns? Die Beantwortung wird später im Pulikumsgespräch eingefordert. Mit einem Kleiderwechsel schlüpfen die Schauspieler in ihre Rollen. Und was jetzt beginnt, lässt einem den Atem stocken. Buntes Treiben, eine Party, erste Annäherung zwischen den Geschlechtern, exzessives Ausprobieren. Wie ist es, wenn man sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt? Wenn man davon träumt, geschlagen zu werden und das dann zu einem Gewaltexzess ausartet? Wo beginnt es unangenehm zu werden, wenn Moritz sich auszieht, und Wendla nur im BH bekleidet mit springenden Brüsten über die Bühne tobt? Wenn die Kamera so nahe kommt, dass man Lidstrich und Pickel sieht? Und über Skype immer wieder besorgte oder sorglose Mütter und Väter zugeschaltet werden? Plötzlich befinden wir uns mitten drin im prallen Leben und den Sehnsüchten, die uns von Jugend an begleiten. Liebe, Sexualität, Gewalt, Abgrenzung, Selbstbestimmung. Wofür entscheide ich mich, wenn ich ungewollt schwanger werde? Wenn ich in der Schule scheitere? Wie wird mein weiteres Leben beeinflusst, wenn ich als Kind misshandelt werde?

Immer wieder treten die Schauspieler aus ihren Rollen heraus, reflektieren das Original von Wedekind und wollen es nicht weiterspielen. Sie nehmen sich die Freiheit, neue Entwürfe auszuprobieren, ihr Leben so zu  gestalten, wie es besser für sie ist. Sie müssen nicht mehr Selbstmord begehen und ihr Kind abtreiben. Die Gesellschaft hat sich verändert, nichts ist mehr determiniert, die Autoritäten sind brüchig geworden. Wie sehr zeigt sich in der großartigen Parodie der Lehrerszene.

Das junge Publikum verfolgt gebannt das Spiel und stellt intelligente Fragen im anschließenden Gespräch. Das Spiel hat berührt und uns allen einen anregenden Mittwochvormittag gebracht.

Der Regisseurin und den Schauspielern einen lautstarker Applaus….

©a.achilles 2016