Die Kommune (Regie: Lars Vinterberg)

Man stelle sich vor: Die erfolgreiche und attraktive Fernsehmoderatorin Anna, seit fünfzehn Jahren mit Erik, einem introvertierten Architekturdozenten verheiratet, eine heranwachsende Tochter, zieht in eine große Villa und wünscht sich mehr Abwechslung in ihrem Leben. Heraus kommt eine Kommune, in der die unterschiedlichsten Menschen Aufnahme und Halt finden.

Wir befinden uns in den siebziger Jahren in Dänemark und damals war dieses Experiment ganz dem Zeitgeist entsprungen. Die Sehnsucht nach anderen Lebensentwürfen war der Wunsch vieler. Was hatte man sich davon erhofft? Glück, Erfüllung, Sicherheit durch eine größere Gemeinschaft, die trägt? So wird es wohl gewesen sein. Zu sehr glaubte man daran, dass Liebe nicht einfordert und jederzeit austauschbar ist, dass Besitz teilbar sei. Dass dies zum Scheitern verurteilt ist, erzählt der neue Film von Lars Vinterberg „Die Kommune“.

Vinterberg ist selbst in einer Kommune glücklich aufgewachsen ist, wie er in Interviews betont. Wie sehr er eigene Erlebnisse in den Film eingearbeitet hat, ist nicht bekannt. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück, das vor einigen Jahren am Akademietheater gespielt wurde und mit dem er seine eigenen Schuldgefühle aufarbeiten wollte. Viel Aufmerksamkeit widmet er im Film der verlassenen Ehefrau (Trine Dyrholm), die am Zerbrechen ist. Sie verliert ihren Job beim Fernsehen und ertränkt ihren Kummer in Alkohol und Tabletten. Die Mitglieder der Kommune sehen ihren Zusammenbruch, wollen sich aber nicht in private Angelegenheiten anderer einmischen. Zu sehr sind sie selbst in ihre eigenen Probleme verstrickt und ökonomisch von Erik, dem Hausbesitzer, abhängig. Man würde sich wünschen, dass jemand Partei ergreift und ihr beisteht. Alle bleiben sprachlos, nur ihre halbwüchsigeTochter weist ihr schließlich den schmerzhaften Ausweg. Offene Gespräche über die Befindlichkeit der Kommunemitglieder werden in Debatten über den Bierkonsum erdrückt, das Kollektiv fühlt sich für den Einzelnen nicht verantwortlich.

Ist dies ein realistischer Bick auf die freizügigen siebziger Jahre? Eher ein Blick auf den ewigen Kampf zwischen Jung und Alt, zwischen Mann und Frau, zwischen Privateigentum und Besitzanspruch. Wie schön wäre es gewesen, dass ein Film einmal nicht alte Klischees und Wirklichkeiten aufwärmt, sondern etwas ganz Neues, Revolutionäres schafft. Dafür wären die Experimente der Siebziger schließlich ja da gewesen. Für das Leiden von Anna hätte es keine Kommune gebraucht. Trine Dyrholm ist für ihr ergreifendes Spiel auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet worden. Immerhin etwas.

©a.achilles 2016

 

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