Awake: The Life of Yogananda (Regie: Paola di Florio, Lisa Leeman)

Fast an jeder Ecke gibt es in Wien ein Yogastudio. Hatha-Yoga nimmt einen breiten Platz im Fitnessprogramm vieler westlicher Frauen ein, egal ob jung oder alt. Vor 30 Jahren gab es nur wenige davon in Wien, die Suchenden konnten, wenn überhaupt, im Sivananda-Zentrum einen Ort finden, wo meditiert und praktiziert wurde. Dass Yoga in den Westen gekommen ist, hat mit dem Wirken von Parmahansa Yogananda zu tun, der in den zwanziger Jahren von seinem Guru nach Amerika geschickt wurde und von dort aus als First-Superstar-Guru wirkte. Davon berichtet der Film „Awake“.

Begleitet man den jungen Yogananda in seinen ersten Jahren in Boston, scheint er ein Prinz aus einem Märchenbuch entsprungen zu sein. Lange Kleider in leuchtenden Farben, schwarz gewelltes Haar, gelber Turban, Lächeln, charismatisch, begleitet von einer Schar Getreuen. Er hält ununterbrochen Vorträge, füllt ganze Konzertsäle, kann aber an der Ostküste mit seiner Lehre nicht richtig Fuß fassen. Nach einigen Jahren geht er nach Los Angeles, wo die Gesellschaft offener ist und gründet dort am Mount Washington ein religiöses Zentrum, das bis heute besteht. Hier kann er Wurzel fassen und viele Menschen begeistern. Sein großer Erfolg ist auch dem Umstand zu verdanken, dass er Religion als  Wissenschaft betrachtet und Jesus miteinbezieht. Er sammelt bald eine große Anhängerschaft um sich. Seine Lehre der Self-Realiziation zieht viele Suchende an, sie sehnen sich nach einer persönlichen Beziehung zu Gott, die Yogananda verkündet. Je größer die Anhängerschaft wird, desto stärker formiert sich der Widerstand gegen ihn. Er bekommt Auftrittsverbot in einigen Städten, muss Prozesse führen und sehnt sich immer stärker zurück nach Indien, zu seinem Meister. Kurz vor dessen Tod hat er noch einmal die Möglichkeit, ihn zu sehen, kehrt aber wieder nach Amerika zurück. Seine Anhänger haben in der Zwischenzeit eine Einsiedelei mit Blick auf den Ozean für ihn gebaut, dorthin wird er sich zurückziehen und von nun an unermüdlich an seinen Schriften arbeiten. Es geht das Gerücht, dass Steve Jobs auf seinem iPad nur ein Buch hatte, die „Autobiographie eines Yogi“.  Yogananda stirbt jung, 1953 während eines Vortrages. „Awake“ gibt ein Porträt dieses erstaunlichen Mannes, der uns Yoga gebracht hat und für sich selbst keine weltlichen Reichtümer angehäuft hat.

©a.achilles 2016

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